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Kal­tes Ver­gnü­gen: Nur die Prei­se sind nicht ein­zu­frie­ren

Der Sonntag (Mittelbaden) - - ERSTE SEITE - Andrea Hent­schel/AFP/S0

Eis mit Schwarz­bier-Ge­schmack, Ro­teBee­te-Krea­tio­nen, Gur­ken­eis – in der Bau­stel­len­stadt Karls­ru­he ist jetzt so­gar „As­phalt-Eis“zu ha­ben: Un­ter die­ser Be­zeich­nung bie­tet Pi­no Ci­mi­no in ei­ner Eis­die­le mit Se­pia-Le­bens­mit­tel­far­be grau ge­färb­tes Va­nil­le-Eis an. Kei­ne Fra­ge: Die Eis­ma­cher über­bie­ten sich in die­sem Som­mer mit wil­den Ide­en – und hof­fen, die Ge­schmacks­ner­ven der Ver­brau­cher zu tref­fen. Für ähn­li­che Ge­müts­wal­lun­gen wie die neu­en Eis­schöp­fun­gen sor­gen fast all­jähr­lich auch die Prei­se für ei­ne Ku­gel Eis, die man­cher­orts in­zwi­schen die Mar­ke von 1,50 Eu­ro über­sprin­gen. Das In­ter­net­por­tal spar­welt.de nahm Ku­gel­prei­se bei 45 Eis­die­len in bun­des­weit 15 Städ­ten un­ter die Lu­pe. Da­bei zeig­te sich: Mit durch­schnitt­lich 97 Cent ist die Ku­gel in Bre­men be­son­ders güns­tig. Es fol­gen Dres­den und Düs­sel­dorf mit ei­nem Durch­schnitts­preis von ei­nem Eu­ro. Eben­falls noch mo­de­rat sind die Prei­se der Um­fra­ge zu­fol­ge in Frei­burg, Lü­beck, Kiel, Leip­zig oder Han­no­ver mit höchs­tens 1,15 Eu­ro. Mün­chen macht sei­nem Ruf als Hoch­preisS­tadt auch in Sa­chen Spei­se­eis al­le Eh­re: Mit ei­nem Durch­schnitts­preis von 1,53 Eu­ro ist ei­ne Ku­gel Eis in der Bay­ern­me­tro­po­le der Er­he­bung zu­fol­ge am teu­ers­ten un­ter den ge­tes­te­ten Groß­städ­ten. Es fol­gen Stutt­gart, Frank­furt, Ham­burg, Köln und Nürn­berg mit Prei­sen zwi­schen 1,47 und 1,27 Eu­ro. In Ber­lin schleckt es sich bei ei­nem Durch­schnitts­preis von 1,20 Eu­ro da­ge­gen recht güns­tig. „In Groß­städ­ten wie Mün­chen oder Ham­burg sind die Miet­kos­ten für die Eis­die­len hö­her als in klei­ne­ren Städ­ten“, er­klärt An­na­li­sa Car­nio, Spre­che­rin der Uni­on der ita­lie­ni­schen Spei­se­e­is­her­stel­ler (Unit­eis), die Preis­un­ter­schie­de. Die Mie­ten wirk­ten sich eben­so auf die Be­triebs­kal­ku­la­ti­on und da­mit auf den Ei­s­preis aus wie Strom­kos­ten oder die Zahl der An­ge­stell­ten – das sei­en al­le­samt „gro­ße Pos­ten“. Es stim­me aber nicht, dass das Eis prin­zi­pi­ell je­des Jahr teu­rer wer­de. Bei ei­ner Eis­die­le mit Eis­la­bor, in dem die Ma­schi­nen rund um die Uhr ar­bei­ten, so­wie ei­ner Kühl­hal­le für Obst und Milch­pro­duk­te und ei­ner Eis­vi­tri­ne an der The­ke fal­le die Strom­rech­nung aber ent­spre­chend aus. Um al­le Be­triebs­kos­ten zu de­cken, müss­ten die Ge­la­tie­ri ge­zwun­ge­ner­ma­ßen nach­zie­hen und könn­ten die Prei­se „nicht ein­frie­ren“, sagt Car­nio. Vie­le klei­ne­re Eis­ca­fés hät­ten in den ver­gan­ge­nen Jah­ren den Preis nied­rig ge­hal­ten und schlie­ßen müs­sen. Unit­eis zu­fol­ge kos­tet ei­ne Eis­ku­gel in Deutsch­land je nach La­ge und Grö­ße der Eis­die­le heu­te zwi­schen 70 Cent und 1,70 Eu­ro. Zwar er­in­nern sich vie­le Ver­brau­cher noch dar­an, dass die Ku­gel Eis vor Jahr­zehn­ten nur 30 Cent kos­te­te. „Aber frü­her war die Eis­ku­gel auch nur groß wie ein Ei­dot­ter, heu­te ist sie so groß wie ein Ten­nis­ball“, meint Car­nio. Wie sich der Preis für ei­ne Ku­gel Eis zu­sam­men­setzt, hat im ver­gan­ge­nen Jahr der WDR re­cher­chiert: Bei ei­ner Ku­gel ent­fal­len im Schnitt acht Cent auf Waf­fel, Löf­fel und De­ko­ra­ti­on, je­weils zehn Cent auf Mie­te und Ener­gie so­wie all­ge­mei­ne Aus­ga­ben wie Re­pa­ra­tu­ren, 35 Cent auf die Per­so­nal­kos­ten und zwölf Cent auf die Her­stel­lung. In die­sem Fall blie­ben 25 Cent pro Ku­gel als Ge­winn vor Steu­ern. Für die im Bun­des­ver­band der deut­schen Süß­wa­ren­in­dus­trie (BDSI) zu­sam­men­ge­schlos­se­nen Mar­ken­eis­her­stel­ler ist die­se Preis­de­bat­te kein The­ma. Die Her­stel­ler von in­dus­tri­ell ge­fer­tig­tem Eis, das in Deutsch­land ei­nen Markt­an­teil von 81,4 Pro­zent aus­macht, ha­ben mit dem Han­del lang­fris­ti­ge Lie­fer­ver­trä­ge. „Wenn zum Bei­spiel

„As­phalt-Eis“in ei­ner Karls­ru­her Die­le

Va­nil­le teu­rer wird, kön­nen die Her­stel­ler nicht ad­hoc re­agie­ren und an der Preis­schrau­be dre­hen“, sagt Ernst Kam­mer­in­ke von der Fachs­par­te Mar­ken­eis. Die Durch­schnitts­prei­se für in­dus­tri­ell her­ge­stell­tes Eis sei­en „im Grun­de sta­bil“. Im ver­gan­ge­nen Jahr schleck­ten die Deut­schen pro Kopf im­mer­hin 7,9 Li­ter Spei­se­eis – das macht 113 Ku­geln. Die Klas­si­ker wer­den al­ler­dings auch von den neu­es­ten Krea­tio­nen nicht ge­schla­gen – in der Waf­fel lan­den wei­ter­hin meist Va­nil­le, Scho­ko­la­de und Erd­bee­re.

Fo­to: un­pict stock-ado­be.com

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