Mo­men­te vom Gip­fel

„... und oh­ne Stö­rung, ab­ge­se­hen von ei­ner Men­ge Leu­te“

Der Sonntag (Mittelbaden) - - AKTUELL -

Der G20-Gip­fel in Ham­burg war al­les an­de­re als ein har­mo­ni­sches Tref­fen: Wäh­rend auf den Stra­ßen Bar­ri­ka­den brann­ten, wur­den am Tisch der Staats­und Re­gie­rungs­chefs grund­le­gen­de Dif­fe­ren­zen deut­lich. Doch es gab auch ein paar ent­spann­te Mo­men­te:

An­ge­la Mer­kel: Als Kon­fe­renz­lei­te­rin hat­te die Bun­des­kanz­le­rin kei­nen leich­ten Job. Sie muss­te sich dar­um be­mü­hen, in den schwie­ri­gen Fra­gen Kli­ma­schutz, Frei­han­del und Mi­gra­ti­on Kom­pro­mis­se zu schmie­den. Die Bun­des­kanz­le­rin ver­such­te, die Staats- und Re­gie­rungs­chefs mit Ver­weis auf das Gip­fel­lo­go, ei­nen Kreuz­kno­ten, von der Not­wen­dig­keit in­ter­na­tio­na­ler Zu­sam­men­ar­beit zu über­zeu­gen: „Je grö­ßer die Be­las­tung ist, um­so fes­ter wird die­ser Kno­ten.“

Olaf Scholz: Dem Ham­bur­ger Bür­ger­meis­ter ste­hen nach En­de des G20-Gip­fels Auf­räum­ar­bei­ten be­vor. Hat­te er sich vor dem Tref­fen noch zu­ver­sicht­lich ge­zeigt, dass es auf den Stra­ßen der Han­se­stadt ru­hig blei­ben wür­de, muss er nach den hef­ti­gen Kra­wal­len mit an­ge­zün­de­ten Au­tos, bren­nen­den Bar­ri­ka­den und ge­plün­der­ten Ge­schäf­ten die Fra­ge nach der Ver­ant­wor­tung für die Es­ka­la­ti­on klä­ren. Die Aus­tra­gung des Gip­fels in Ham­burg ver­tei­dig­te der SPD-Po­li­ti­ker je­doch.

Do­nald Trump: Für den US-Prä­si­den­ten war es der ers­te G20-Gip­fel. Er stell­te aber­mals un­ter Be­weis, dass er kei­ne Pro­ble­me hat, sich zwi­schen al­le Stüh­le zu set­zen. Mit sei­nen Po­si­tio­nen zum Kli­ma­schutz und zum Welt­han­del be­scher­te er den Un­ter­händ­lern ei­ne lan­ge Nacht. Trump be­schei­nig­te Mer­kel, ei­nen „tol­len Job“ge­macht zu ha­ben: „Es war wirk­lich un­glaub­lich, wie die Din­ge hier an­ge­gan­gen wur­den. Nichts da­von war ein­fach. Aber so pro­fes­sio­nell. Und oh­ne gro­ße Stö­rung, ab­ge­se­hen von ei­ner gan­zen Men­ge Leu­te.“

Wla­di­mir Pu­tin: Für den rus­si­schen Staats­chef dürf­te der Gip­fel ei­ne wich­ti­ge Er­kennt­nis ge­bracht ha­ben: Mit Trump lässt sich re­den. Ihr ers­tes per­sön­li­ches Tref­fen dau­er­te zwei St­un­den und 16 Mi­nu­ten.

Jus­tin Tru­deau: Bun­te So­cken und im­mer ein strah­len­des Lä­cheln: Der Ka­na­di­er war der Son­ny­boy des Gip­fels. Sym­pa­thi­en sam­mel­te Tru­deau schon beim Aus­stieg aus dem Flug­zeug, als er und sei­ne Frau So­phie ih­ren Sohn Ha­dri­en in Fli­cken­ho­se die Gang­way her­un­ter­sprin­gen lie­ßen.

Me­la­nia Trump: Die US-Prä­si­den­ten­gat­tin dürf­te sich ih­ren Ham­burg-Auf­ent­halt an­ders vor­ge­stellt ha­ben. We­gen der Kra­wal­le konn­te sie am Frei­tag ih­re Un­ter­kunft stun­den­lang nicht ver­las­sen und ver­pass­te da­durch ei­ne Ha­fen­rund­fahrt. Der Abend in­klu­si­ve des Kon­zerts in der Elb­phil­har­mo­nie scheint ihr je­doch ge­fal­len zu ha­ben – „lovely“sei es ge­we­sen, twit­ter­te sie. Ges­tern bei der Be­grü­ßung im Rat­haus strahl­te das ehe­ma­li­ge Mo­del in die Ka­me­ras, ele­gant ge­klei­det in ei­nem grau-weiß-ge­mus­ter­ten Kleid und of­fe­nem ro­ten Man­tel mit pas­sen­dem Gür­tel.

Ivan­ka Trump: Plötz­lich war sie Prä­si­den­tin: Die Toch­ter von US-Staats­chef Do­nald Trump, hat beim G20-Gip­fel in Ham­burg ges­tern über­ra­schend am Ver­hand­lungs­tisch der Staats- und Re­gie­rungs­chefs Platz ge­nom­men. Die 35-Jäh­ri­ge ver­trat ih­ren Va­ter zeit­wei­lig wäh­rend der Be­ra­tun­gen. Ivan­ka Trump gilt als en­ge Ver­trau­te ih­res Va­ters, hat aber nur den Pos­ten ei­ner Be­ra­te­rin und kein of­fi­zi­el­les Re­gie­rungs­amt in­ne. Die Sit­zungs­lei­te­rin, Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel, re­agier­te ge­las­sen: Die De­le­ga­tio­nen ent­schie­den selbst dar­über, wer ih­re je­wei­li­gen Staats- oder Re­gie­rungs­chefs ver­tre­te, sag­te sie.

Fo­tos: AFP

„Gren­zen­lo­se So­li­da­ri­tät statt G20“: Bei der un­ter die­sem Mot­to von Lin­ken aus­ge­rich­te­ten Kund­ge­bung be­tei­lig­ten sich ges­tern in Ham­burg nach An­ga­ben der Po­li­zei 50 000 De­mons­tran­ten. Die Ver­an­stal­ter spra­chen von 76 000 Teil­neh­mern. Bei der Kund­ge­bung sei es teil­wei­se zu Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit et­wa 120 Ver­mumm­ten ge­kom­men, hieß es in ei­ner Mit­tei­lung der Po­li­zei.

Zu der von ei­nem bür­ger­li­chen La­ger ge­tra­ge­nen Kund­ge­bung „Ham­burg zeigt Hal­tung“ka­men laut Po­li­zei 6 000 De­mons­tran­ten, die Ver­an­stal­ter spra­chen von 10 000. Hier blieb laut Po­li­zei al­les fried­lich.

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