Ein Boom dank Lu­ther

Die Wart­burg bei Ei­se­nach wird von Be­su­chern über­rannt

Der Sonntag (Mittelbaden) - - REISE & URLAUB - Mag

Es ist ein un­schein­ba­rer St­ein. Ein äl­te­rer Herr liest ge­beugt die In­schrift: „Hilf du St. An­na, ich will ein Mönch wer­den.“Ob der Mann weiß, was hier ge­schah? Am 2. Ju­li 1505 ge­rät Mar­tin Lu­ther in ein hef­ti­ges Ge­wit­ter. Von Blitz und Don­ner zu To­de ge­ängs­tigt, legt er das heu­te in St­ein ver­ewig­te Gelüb­de ab. Zwölf Ta­ge spä­ter tritt er in das Au­gus­ti­ner­klos­ter in Er­furt ein. Der Stot­tern­hei­mer Lu­ther-St­ein ist ein klei­ner Ge­heim­tipp für Re­for­ma­ti­ons­tou­ris­ten im gro­ßen Ju­bi­lä­ums­jahr. Der Lu­ther­tou­ris­mus boomt. Un­ter­wegs sind Pil­ger, die ein­mal dort sein wol­len, wo der Re­for­ma­tor wirk­te. Er­grif­fen ste­hen sie vor der zwei Ton­nen schwe­ren bron­ze­nen The­sen­tür, die erst im 19. Jahr­hun­dert ge­fer­tigt wur­de. „Wenn er et­was an­ge­schla­gen hat, wer­den es Pla­ka­te oder Zet­tel ge­we­sen sein als Grund­la­ge ei­ner Dis­pu­ta­ti­on un­ter Uni­kol­le­gen“, so Stadt­füh­re­rin An­nett Schulz. Die Wit­ten­ber­ger Stu­be ist wohl die au­then­tischs­te al­ler Lu­ther­or­te. Die wohl pro­mi­nen­tes­te „I was he­re“-Si­gna­tur stammt vom rus­si­schen Zar Pe­ter dem Gro­ßen, der 1712 sei­nen Na­men mit Krei­de an die Tür zur Stu­be setz­te – noch heu­te ist sie er­hal­ten. An­ders ist es an vie­len an­de­ren Lu­ther­or­ten. Die Stu­be im Ge­burts­haus in Eis­le­ben? So ein­ge­rich­tet, wie sie da­mals wohl üb­lich, aber nicht ori­gi­nal. Das Ster­be­haus? Ist nicht das Ster­be­haus, wenn­gleich sich das Mu­se­um mit ei­ner Nach­bil­dung von Lu­thers To­ten­mas­ke of­fi­zi­ell so nennt. Auch die Wart­burg bei Ei­se­nach, wo Lu­ther als Jun­ker Jörg in Rit­ter­klei­dung ge­tarnt weil­te und das Neue Tes­ta­ment in all­ge­mein ver­ständ­li­ches Deutsch über­trug, kann sich in die­sem Jahr kaum vor Be­su­chern ret­ten. Klas­si­ker ist die dor­ti­ge Lu­ther­stu­be in der al­ten Vog­tei, wo Lu­ther an sei­ner Über­set­zung ar­bei­te­te.

Wird von den Be­su­chern über­rannt: die Wart­burg bei Ei­se­nach. Hier über­setz­te Mar­tin Lu­ther das Neue Tes­ta­ment ins Deut­sche. Fo­to: Fi­scher/Thü­rin­gen Tou­ris­mus/dpa-mag

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