Li­ga vol­ler Sor­gen­kin­der

Vie­len Dritt­li­gis­ten fehlt das Geld

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT - Pe­ter Tre­bing

Die Drit­te Li­ga kann sich ei­gent­lich se­hen las­sen: Pro­mi­nen­te Na­men, Tra­di­ti­on und so­gar ei­ni­ge Ti­tel aus bes­se­ren doch längst ver­gan­ge­nen Zei­ten, sor­gen auf den ers­ten Blick für ein gu­tes Image der dritt­höchs­ten deut­schen Fuß­ball­klas­se. Doch auf den zwei­ten Blick wird das größ­te Pro­blem der Li­ga deut­lich: Viel Geld ha­ben die 20 Clubs zwi­schen Ros­tock im Nor­den und Un­ter­ha­ching im Sü­den nicht. Im Ge­gen­teil, man­che tra­gen zum Teil be­denk­li­che Schul­den­las­ten auf ih­ren Schul­tern. Für et­li­che Ver­ei­ne geht es in Li­ga drei schon lan­ge nicht nur um sport­li­che Me­ri­ten, um Sie­ge, Punk­te und To­re – es geht um die nack­te Exis­tenz. Der Auf­stieg ist für vie­le Dritt­li­gis­ten nicht nur ein sport­li­ches Ziel, aus wirt­schaft­li­cher Sicht ist er ei­gent­lich so­gar Pflicht. Be­son­ders hart sind fast al­le Ost-Ver­tre­ter be­trof­fen. Vom Ex-Eu­ro­pa­po­kal­sie­ger 1. FC Mag­de­burg über den Chem­nit­zer FC, RW Er­furt, Han­sa Ros­tock, den FSV Zwi­ckau, Han­sa Ros­tock und den FC Carl Zeiss Je­na bis hin zum Hal­le­schen FC, der es aber ge­schafft hat, oh­ne Auf­la­gen die Li­zenz zu er­hal­ten. Ein ech­tes Al­lein­stel­lungs­merk­mal im Os­ten, könn­te man zy­nisch an­mer­ken. Denn den meis­ten Clubs der ehe­ma­li­gen DDR steht das Was­ser bis zum Hals. Der Chem­nit­zer FC war so­gar auf ei­ne Fi­nanz­sprit­ze aus dem städ­ti­schen Haus­halt an­ge­wie­sen, um die Exis­tenz zu si­chern – 1,26 Mil­lio­nen Eu­ro aus dem Stadt­sä­ckel wur­den dem CFC An­fang Mai vom Ge­mein­de­rat end­gül­tig ge­neh­migt. Feh­len­de Groß­spon­so­ren, kaum Ein­nah­men aus Trans­fers, oft ge­nug auch schwa­che Zu­schau­er­zah­len sind Haupt­ur­sa­chen für die di­ver­sen Mi­se­ren. Han­sa Ros­tock bei­spiels­wei­se han­gelt sich von ei­nem Dar­le­hen des In­ves­tors Rolf Elge­ti zum nächs­ten. Rühm­li­che Aus­nah­me in Sa­chen Zu­schau­er ist üb­ri­gens der 1. FC Mag­de­burg – im Schnitt ka­men 2016/17 ex­akt 18 288 pro Spiel. Doch da­für sor­gen bau­tech­ni­sche Män­gel für Sor­gen – des­halb muss­te Mag­de­burg für den Er­halt der Li­zenz ein Er­satz­sta­di­on be­nen­nen. Doch sonst feh­len oft die Fans, was si­cher auch da­mit zu tun hat, dass die Drit­te Li­ga kaum mit pro­mi­nen­ten Spie­lern die­nen kann. Dar­aus re­sul­tiert auch der ge­rin­ge Markt­wert die­ser Klas­se – der liegt laut „trans­fer­markt.de“bei 91,3 Mil­lio­nen Eu­ro. Si­cher, das ist nur ei­ne fik­ti­ve Sum­me, die auf ge­schätz­ten Zah­len ba­siert. Doch der Ver­gleich mit der 2. Bun­des­li­ga (256,3 Mil­lio­nen Eu­ro) oder der Bun­des­li­ga (2,68 Mil­li­ar­den Eu­ro) zeigt, dass die Drit­te Li­ga auch in die­ser Hin­sicht nicht auf Ro­sen ge­bet­tet ist. Da wun­dert es nicht, dass für Neu­zu­gän­ge so gut wie kein Geld ge­zahlt wird oder nicht ge­zahlt wer­den kann. Ab­lö­se­freie Trans­fers und Leih­ge­schäf­te sind die Re­gel. Noch ein Bei­spiel? Nur fünf Na­tio­nal­spie­ler fin­det man un­ter den 500 Dritt­li­ga-Pro­fis. Den Li­ba­ne­sen Hil­al El-Hel­we (Hal­le), Sam­bou Ya­ta­ba­ré (Ma­li, Bre­men II), den Ka­na­di­er And­re Hai­n­ault (Mag­de­burg) und die bei­den Un­ter­ha­chin­ger Ste­fan Ma­ri­no­vic (Neu­see­land) und Vi­ta­lij Lux (Kir­gi­sis­tan). Wirk­lich pro­mi­nen­te Na­men gibt es in der Drit­ten Li­ga nicht – und auf den Trai­ner­bän­ken fällt auch nur ei­ner auf: Ben­no Möhl­mann (Preu­ßen Müns­ter). Ei­ne ziem­lich graue Li­ga al­so, die trotz­dem sport­lich un­be­re­chen­bar ist.

Ab­lö­se­freie Trans­fers sind hier die Re­gel

Mit 19 Tref­fern Tor­schüt­zen­kö­nig 2016/17: Chris­ti­an Beck vom 1. FC Mag­de­burg, der als Vier­ter die Auf­stiegs­re­le­ga­ti­on nur knapp ver­pass­te und wohl wie­der zu den Fa­vo­ri­ten zählt. Fo­to: ima­go/Eib­ner

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