Un­term Strich steht nichts

Pa­ris St. Ger­main: Kein durch­schla­gen­der Er­folg trotz Ka­tar-Mil­lio­nen

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT - Jens Marx Rai­ner Kalb

war ein heik­les The­ma, nach­dem von 1988 bis 2001 in Roth der Iron­man Eu­ro­pe statt­ge­fun­den hat­te. Die Ver­ant­wort­li­chen in Frank­furt/Main kauf­ten aber die Li­zenz und star­te­ten 2002 mit dem Iron­man Ger­ma­ny – gleich­zei­tig die EM. Roth galt und gilt un­ter den Ath­le­ten als Kult. Die At­mo­sphä­re am So­la­rer Berg, wo die Ath­le­ten durch ein Spa­lier be­geis­ter­ter Zu­schau­er fah­ren, als gin­ge es bei der Tour de Fran­ce hoch nach Al­pe d’Hu­ez, sucht ih­res­glei­chen. Zu­dem ist Roth ei­ne Re­kord­stre­cke. Jan Fro­de­no stell­te dort im ver­gan­ge­nen Jahr die Welt­best­zeit über 3,8 Ki­lo­me­ter Schwim­men, 180 Ki­lo­me­ter Rad­fah­ren und 42,195 Ki­lo­me­ter Lau­fen auf. Fro­de­no be­nö­tig­te 7:35:39 Mi­nu­ten. In Frank­furt/Main lo­cken ne­ben ei­ner eben­falls gro­ßen Ku­lis­se mit dem Ziel auf dem Rö­mer auch der Ti­tel so­wie Qua­li­fi­ka­ti­ons­punk­te für Ha­waii – die gibt es nur bei den Iron­man-Ver­an­stal­tun­gen, nicht bei der Chal­len­ge in Roth. In den kom­men­den bei­den Jah­ren wird es nicht mehr zu zeit­glei­chen Ren­nen wie am heu­ti­gen Sonntag kom­men. „Wir ge­hen 2018 und 2019 auf das ers­te Ju­li-Wo­che­n­en­de. 2018 ha­ben wir uns be­wegt. Ich ha­be aber klar ge­macht, dass wir nicht dau­ernd den Ter­min wech­seln“, sag­te Fe­lix Walchs­hö­fer von der Chal­len­ge Roth. Am je­weils dar­auf­fol­gen­den Sonntag ist Frank­furt/ Main an der Rei­he. „Der gro­ße Ge­win­ner ist der Sport, und ge­nau so soll es auch sein“, hat­te der Bruch­sa­ler Björn St­ein­metz, Ma­na­ging-Di­rek­tor von Iron­man Ger­ma­ny, bei Be­kannt­ga­be der Ei­ni­gung ge­sagt. Als Ver­mitt­ler hat­te sich die Deut­sche Tri­ath­lon-Uni­on ver­dient ge­macht. Im Ok­to­ber wol­len sich die lan­ge Zeit nicht so ge­sprächs­be­rei­ten Par­tei­en wie­der zu­sam­men­set­zen, um über die Ren­nen nach 2019 zu be­ra­ten. „Ich hof­fe, dass wir da­mit zu ei­ner dau­er­haft gu­ten Lö­sung kom­men“, sag­te Walchs­hö­fer. Ti­mo Bracht, der in Roth und Frank­furt/Main schon ge­wann und heu­te in Mit­tel­fran­ken sein letz­tes Ren­nen be­strei­ten wird, hat so­gar noch ei­ne weit­rei­chen­de­re Idee: Roth, Frank­furt, da­zu Tri­ath­lons in Ham­burg und Ber­lin oder auch dem Schwarz­wald könn­te man zu ei­ner Art Grand Slam eta­blie­ren. „Das wür­de der Tri­ath­lon-Hoch­burg Deutsch­land gut zu Ge­sicht ste­hen, wenn al­le an ei­nem Strang zie­hen und hier zu­sam­men- statt ge­gen­ein­an­der ar­bei­ten.“

Zu­letzt war es still um Nas­ser Al-Khe­lai­fi ge­wor­den. Nun tauch­te der ka­ta­ri­sche Prä­si­dent von Pa­ris St. Ger­main mal wie­der in der Öf­fent­lich­keit auf. Der Club­Chef des fran­zö­si­schen Fuß­ball-Po­kal­sie­gers, gleich­zei­tig Ar­beit­ge­ber der Con­fed-Cup-Ge­win­ner Ju­li­an Drax­ler und Ke­vin Trapp, ließ sich An­fang der Wo­che zu­sam­men mit Mit­tel­feld­star Thia­go Mot­ta, der sei­nen Ver­trag bis 2018 ver­län­ger­te und sich im PSG-Tri­kot mit der Num­mer 2018 prä­sen­tier­te, ab­lich­ten. Kurz zu­vor hat­te PSG Ti­mo­thy Weah (17), Sohn der li­be­ria­ni­schen Fuß­ball-Iko­ne Ge­or­ge Weah, bis 2020 mit ei­nem Pro­fi-Ver­trag aus­ge­stat­tet. PSG ein Aus­bil­dungs­ver­ein? Das mit­nich­ten, aber der Na­me Weah – Ge­or­ge war im­mer­hin Welt­fuß­bal­ler 1995 – strahlt ein we­nig Glanz aus. Das kann PSG gut ge­brau­chen. Denn es bleibt der Ein­druck, dass Al-Khe­lai­fi klei­ne­re Bröt­chen ba­cken muss. Ei­gent­lich war er an­ge­tre­ten, mit dem fran­zö­si­schen Haupt­stadt­klub die Fuß­ball-Welt aus den An­geln zu he­ben. Doch un­ter dem Strich steht das re­gel­mä­ßi­ge Schei­tern auf der Eu­ro­pa­cup-Büh­ne, al­so nichts. Be­son­ders bit­ter war zu­letzt die De­mü­ti­gung durch den FC Bar­ce­lo­na in der Cham­pi­ons Le­ague nach ei­nem 4:0-Hin­spiel­sieg durch ei­ne 1:6-Klat­sche im Rück­spiel. Und die Su­per­stars kom­men auch nicht mehr so zahl­reich wie frü­her an die Sei­ne. Als Ka­tar 2011 Ei­gen­tü­mer des Haupt­stadt­ver­eins wur­de, ver­kün­de­te der neue Prä­si­dent Al-Khe­lai­fi, bis 2016 die Cham­pi­ons Le­ague ge­win­nen zu wol­len. Das war ein we­nig zu groß­spu­rig, und Tor­ga­rant Ibra­hi­mo­vic (156 Tref­fer) hat des­halb dem Ver­ein be­reits den Rü­cken ge­kehrt. Jetzt will ihm Mar­co Ver­rat­ti fol­gen, 100 Mil­lio­nen Eu­ro Ab­lö­se sind im Ge­spräch. Der Mit­tel­feld­spie­ler, im Ver­ein seit 2012 und un­ter Ver­trag bis 2021, hat die Na­se voll von lee­ren Ver­spre­chun­gen. Na­tio­na­le Ti­tel sind kein Er­satz für die gro­ßen Eu­ro­pa­cup-Tro­phä­en. Ka­tar in­ves­tier­te di­rekt oder via Spon­so­ren über 700 Mil­lio­nen Eu­ro in Spie­l­er­käu­fe (oh­ne Ge­häl­ter). Und nahm nur 126 Mil­lio­nen ein. Geld­man­gel ist es al­so nicht, son­dern schlicht­weg das feh­len­de Re­nom­mee. Wenn Re­al Ma­drid, der FC Bar­ce­lo­na, Man­ches­ter Uni­ted, Man­ches­ter Ci­ty oder Bay­ern Mün­chen win­ken, geht die Licht­er­stadt an der Sei­ne trotz ka­ta­ri­scher Mil­lio­nen im­mer häu­fi­ger leer aus. Noch hat sich die zu­ge­spitz­te po­li­ti­sche La­ge für den WM-Gast­ge­ber 2022 nicht auf PSG aus­ge­wirkt. Sau­di-Ara­bi­en, Ägyp­ten, Bah­rain und die Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­te hat­ten ih­re di­plo­ma­ti­schen Be­zie­hun­gen zu Ka­tar ab­ge­bro­chen, weil sie dem Emi­rat die Un­ter­stüt­zung von

Die Ka­ta­rer bau­en auf ei­ne Mul­ti-Kul­ti-Trup­pe

Ter­ror-Or­ga­ni­sa­tio­nen vor­wer­fen. Die Per­so­nal­ent­schei­dun­gen bei PSG wa­ren al­ler­dings zu­min­dest dis­ku­ta­bel. Vor ei­nem Jahr Ex-Na­tio­nal­trai­ner Lau­rent Blanc, der acht Spiel­ta­ge vor Schluss schon Meis­ter war, zu ent­las­sen, er­wies sich als Feh­ler. Nach­fol­ger Unai Eme­ry – zu­vor Dau­er-Eu­ro­pa-Le­ague-Ge­win­ner mit dem FC Se­vil­la – wur­de 2016/17 hin­ter AS Mo­na­co nur Vi­ze­meis­ter. Al-Khe­lai­fi sprach dem Fuß­ball­leh­rer de­mons­tra­tiv das Ver­trau­en aus: „Sein Job ist zu 200 Pro­zent si­cher.“Die Son­ne soll wie­der schei­nen über Pa­ris und die Mo­ne­gas­sen als fran­zö­si­scher Meis­ter wie­der ab­ge­löst wer­den. Die Ka­ta­rer bau­en auf ei­ne Mul­ti-Kul­ti-Trup­pe. 35 Spie­ler ste­hen der­zeit im Auf­ge­bot von PSG, da­von 14 aus dem Aus­land. Be­zeich­nend ist aber: PSG be­müh­te sich bis­lang ver­geb­lich um den 18 Jah­re al­ten Shoo­ting­star Ky­li­an Mbap­pe (AS Mo­na­co), den neu­en Stern am fran­zö­si­schen Fuß­ball-Him­mel.

PSG-Boss Al-Khe­lai­fi, der neue Sport­di­rek­tor An­te­ro Hen­ri­que und Ex-Spie­ler Max­well (v. re.). Fo­to: AFP

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