Pre­mie­re für Mu­guru­za

Spa­nie­rin Gar­bi­ne Mu­guru­za schlägt Ve­nus Wil­li­ams im Wim­ble­don-Fi­na­le

Der Sonntag (Mittelbaden) - - ERSTE SEITE - Cai-Si­mon Preu­ten

Gar­bi­ne Mu­guru­za hat zum ers­ten Mal in ih­rer Ten­nis-Kar­rie­re den Ti­tel in Wim­ble­don ge­won­nen. Die 23-jäh­ri­ge Spa­nie­rin setz­te sich ges­tern ge­gen die fünf­ma­li­ge Tur­nier­sie­ge­rin Ve­nus Wil­li­ams (37) aus den USA in zwei Sät­zen mit 7:5, 6:0 durch und si­cher­te sich ih­ren zwei­ten Grand-Slam-Ti­tel nach den French Open 2016.

Als auch Ve­nus Wil­li­ams’ letz­ter Schlag die Grund­li­nie um Zen­ti­me­ter ver­fehlt hat­te, und das Hawk Eye be­wies, was schon al­le ahn­ten, sank Gar­bi­ne Mu­guru­za auf die Knie. In der Roy­al Box klatsch­te ihr Kö­nig Juan Car­los Bei­fall, auf dem „Hei­li­gen Ra­sen“wein­te die Spa­nie­rin Trä­nen des Glücks. Mit 7:5, 6:0 hat­te sie die er­staun­li­che Alt­meis­te­rin aus den USA be­zwun­gen und erst­mals in Wim­ble­don tri­um­phiert. „Ve­nus ist so ei­ne un­glaub­li­che Per­son, ich ha­be sie schon spie­len se­hen, als ich auf­ge­wach­sen bin. Na­tür­lich war ich heu­te ner­vös, ha­be es aber nicht ge­zeigt“, sag­te Mu­guru­za mit der Ve­nus Ro­se­wa­ter Scha­le in der Hand. Die hat­te vor ihr nur ei­ne ein­zi­ge Spa­nie­rin in der 131-jäh­ri­gen Tur­nier­ge­schich­te ge­won­nen: Con­chi­ta Mar­ti­nez, die als Teil­zeit-Trai­ne­rin ei­nen gro­ßen An­teil an Mu­guru­z­as zwei­tem Grand-Slam-Sieg hat­te. „Sie weiß, wie man sich vor­be­rei­ten und trai­nie­ren muss. Sie weiß, was zu tun ist“, hat­te Mu­guru­za vor dem Du­ell mit der 14 Jah­re äl­te­ren Wil­li­ams ge­sagt. An­schei­nend hat­te Mar­ti­nez, die 1994 Re­kord­sie­ge­rin Mar­ti­na Nav­ra­til­o­va be­zwun­gen hat­te, die rich­ti­gen Tipps pa­rat. Im ers­ten Durch­gang be­hielt Mu­guru­za in den ent­schei­den­den Mo­men­ten die Ner­ven und wehr­te zwei Satz­bäl­le ab. „Das war ei­ner der bes­ten ers­ten Sät­ze, die ich je in ei­nem Wim­ble­don­fi­na­le ge­se­hen ha­be“, schwärm­te der drei­ma­li­ge Ti­tel­trä­ger Bo­ris Be­cker. All­zu hoch­klas­sig blieb es je­doch nicht. Wäh­rend Mu­guru­za das Tem­po hoch- hielt, brach Wil­li­ams ein. Vor al­lem beim zwei­ten Auf­schlag of­fen­bar­te sie Schwä­chen. Den­noch trug sie die Nie­der­la­ge in ih­rem ers­ten Wim­ble­don­fi­na­le seit acht Jah­ren mit Fas­sung und kün­dig­te an, in der kom­men­den Sai­son mit 38 Jah­ren den nächs­ten An­lauf zu neh­men. „Ich glau­be, es wird noch wei­te­re Mög­lich­kei­ten für mich ge­ben“, sag­te sie. Si­cher ist, dass Mu­guru­za in den kom­men­den Jah­ren um wei­te­re Grand-Slam-Ti­tel spie­len wird, mit erst 23 Jah­ren ge­hört ihr die Zu­kunft. 2015 hat­te sie noch im Wim­ble­don­fi­na­le ge­gen Se­re­na Wil­li­ams ver­lo­ren, im ver­gan­ge­nen Jahr schlug sie die größ­te Spie­le­rin ih­rer Zeit be­reits im Fi­na­le der French Open. Die jün­ge­re der bei­den Wil­li­ams-Schwes­tern konn­te ih­ren Ti­tel in Wim­ble­don nicht ver­tei­di­gen, weil sie bald ihr ers­tes Kind er­war­tet, und ver­folg­te das Match in ih­rer Hei­mat Palm Beach Gar­dens in Flo­ri­da. Nach dem Tri­umph in Ro­land Gar­ros war Mu­guru­za in ein Loch und aus den Top 10 der Welt­rang­lis­te ge­fal­len. Kein ein­zi­ges Fi­na­le hat­te sie seit­dem er­reicht, und als auch noch ihr Trai­ner Sam Su­myk we­gen der Schwan­ger­schaft sei­ner Frau die Rei­se nach Wim­ble­don ab­sag­te, hat­ten nur noch we­ni­ge Ex­per­ten Mu­guru­za auf dem Zet­tel. Zu­mal sie beim Tur­nier in East­bourne ge­gen die Tsche­chin Bar­bo­ra Stry­co­va mit 1:6, 0:6 un­ter­ge­gan­gen war. Im All En­g­land Club gab sie nur ge­gen Vor­jah­res­fi­na­lis­tin An­ge­li­que Ker­ber (Kiel) ei­nen Satz ab und de­klas­sier­te die fünf­ma­li­ge Ti­tel­trä­ge­rin Ve­nus Wil­li­ams im Fi­na­le im zwei­ten Durch­gang. Nur 77 Mi­nu­ten dau­er­te das Match un­ter dem ge­schlos­se­nen Dach des Cent­re Courts. An­schlie­ßend nahm Mu­guru­za im Club­haus strah­lend die Glück­wün­sche ih­res Mon­ar­chen Juan Car­los ent­ge­gen, wur­de von der vier­ma­li­gen Grand-Slam-Sie­ge­rin Aran­t­xa San­chez ge­herzt und fiel Con­chi­ta Mar­ti­nez um den Hals.

Gar­bi­ne Mu­guru­za ist in der 131-jäh­ri­gen Tur­nier­ge­schich­te von Wim­ble­don nach Con­chi­ta Mar­ti­nez erst die zwei­te Spa­nie­rin, die sich dort den Ti­tel ho­len konn­te. Im gest­ri­gen Fi­na­le be­zwang sie die be­reits 37-jäh­ri­ge USA­me­ri­ka­ne­rin Ve­nus Wil­li­ams in zwei Sät­zen. Der zwei­te Durch­gang ging klar mit 6:0 an Mu­guru­za, die da­für un­ter an­de­rem ei­nen Sie­ger­scheck über um­ge­rech­net rund 2,5 Mil­lio­nen Eu­ro er­hält. Fo­to: AFP

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