Ge­fähr­li­che Sprün­ge

Im­mer mehr Kin­der und Ju­gend­li­che ver­let­zen sich auf dem Tram­po­lin

Der Sonntag (Mittelbaden) - - TIPPS & THEMEN - Avs

Im­mer mehr Kin­der und Ju­gend­li­che wer­den beim Tram­po­lin­sprin­gen schwer ver­letzt. „Die Zahl der Ver­un­glück­ten steigt von Jahr zu Jahr“, sagt der Un­fall­chir­urg Chris­to­pher Spe­ring von der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen (UMG). Der Haupt­grund aus sei­ner Sicht: „Die Ge­fahr beim Tram­po­lin­sprin­gen wird un­ter­schätzt.“Be­reits 2014 hat­te ei­ne ex­em­pla­ri­sche Un­ter­su­chung der Deut­schen Ge­sell­schaft für Or­tho­pä­die und Un­fal­lchir­ur­gie (DGOU) in ei­ner Kli­nik ge­zeigt, dass sich die Zahl der Tram­po­lin­un­fäl­le dort in­ner­halb von 15 Jah­ren mehr als ver­drei­facht hat. Grund sei ei­ner­seits die im­mer wei­ter stei­gen­de Zahl von Tram­po­li­nen, sagt Spe­ring, der bei der DGOU für Prä­ven­ti­on zu­stän­dig ist. Kin­dern und de­ren El­tern sei aber auch viel­fach lei­der nicht be­wusst, dass ein Tram­po­lin kein Spiel-, son­dern ein Sport­ge­rät ist. Un­fall­zah­len für ganz Deutsch­land hat die DGOU nicht. In der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen, die ei­nen Ein­zugs­be­reich von rund 100 Ki­lo­me­tern hat, müss­ten in den Früh­jahrs- und Som­mer­mo­na­ten Dut­zen­de jun­ger Pa­ti­en­ten mit Kno­chen­brü­chen, Ge­hirn­er­schüt­te­run­gen, Platz­wun­den oder Ver­stau­chun­gen be­han­delt wer­den, sagt Spe­ring. „Wir ha­ben im Schnitt je­den Tag ein Kind, das beim Tram­po­lin­sprin­gen ver­un­glückt ist und des­halb in die Not­auf­nah­me kommt“, sagt er über die Un­fäl­le im Früh­jahr und Som­mer. Der Boom bei Gar­ten­tram­po­li­nen ha­be vor et­wa 15 Jah­ren ein­ge­setzt, be­rich­tet Sven Ess­lin­ger, der mit sei­ner Fir­ma die oft in Chi­na ge­fer­tig­ten Ge­rä­te ver­treibt. Die Ver­kaufs­zah­len sei­en in­ner­halb we­ni­ger Jah­re um das 25-fa­che nach oben ge­schnellt. Käu­fer sei­en vor al­lem Fa­mi­li­en mit Kin­dern und ei­ge­nem Grund­stück. Die Ver­let­zun­gen, die sich Kin­der und Ju­gend­li­che auf den Gar­ten­tram­po­li­nen zu­zie­hen, sind auch beim Deut­schen Tur­ner­bund (DTB) ein The­ma: „Die Ge­fahr kommt aber nicht von den Ge­rä­ten selbst“, sagt der Bun­des­trai­ner für das Tram­po­lin-Tur­nen beim DTB, Da­vid Pit­ta­way. „Das Pro­blem ist die fal­sche Nut­zung.“Nach sei­ner Er­fah­rung ge­be es Un­fäl­le vor al­lem, wenn meh­re­re Kin­der gleich­zei­tig sprin­gen, sagt Pit­ta­way. „Wenn man ein Gar­ten­tram­po­lin ver­nünf­tig be­nutzt, ist es auf gar kei­nen Fall ge­fähr­lich.“„Be­son­ders ge­fähr­det sind Klein­kin­der“, be­rich­tet Pe­ter Sch­mit­ten­be­cher, der Lei­ter der Sek­ti­on Kin­der­trau­ma­to­lo­gie der Deut­schen Ge­sell­schaft für Un­fal­lchir­ur­gie. Dies lie­ge an den noch un­zu­rei­chend aus­ge­bil­de­ten ko­or­di­na­ti­ven und mo­to­ri­schen Fä­hig­kei­ten der Klei­nen. Zu­dem sei­en de­ren Ge­len­ke noch äu­ßerst in­sta­bil. Die DGOU rät, Kin­der vor dem sechs­ten Le­bens­jahr nicht auf ein Gar­ten­tram­po­lin zu las­sen.

Die Ge­fahr beim Tram­po­lin­sprin­gen wird häu­fig un­ter­schätzt. Be­son­ders ge­fähr­lich ist es nach An­sicht von Fach­leu­ten dann, wenn meh­re­re Kin­der auf dem Tram­po­lin sprin­gen. Fo­to: avs

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.