Das Come­back der Adria­strän­de

Emi­lia Ro­ma­gna: ide­al für Fa­mi­li­en

Der Sonntag (Mittelbaden) - - REISE & URLAUB -

Die Küs­ten der Emi­lia Ro­ma­gna zäh­len zur Fa­mi­li­en­ge­schich­te von Aber­tau­sen­den. Längst ist die Adria mit vie­len Blaue-Flag­gen-Strän­den no­bler und teu­rer ge­wor­den. Vie­le über­nach­ten heu­te im Ster­ne­ho­tel, wo frü­her ein Cam­ping­platz an­ge­sagt war. Dör­fer, mit­tel­al­ter­li­che Städ­te, das Er­be der al­ten Rö­mer, die Sa­li­nen von Cer­via, Slow Food mit Pia­di­na und Pas­ta im Hin­ter­land ma­chen die Re­gi­on nicht nur für Ba­de­ur­lau­ber at­trak­tiv. Die Strän­de sind im­mer noch so breit, wie in den 1970er Jah­ren, sagt Fran­ce­sca Da­ne­luz­zi vom Köl­ner Rei­se­ver­an­stal­ter Oli­mar, der die nörd­li­che und mitt­le­re Adria so­wie die Mar­ken neu ins Pro­gramm ge­nom­men hat. Die gu­te In­fra­struk­tur der Strän­de hat es der Mar­ke­ting­ma­na­ge­rin an­ge­tan. Die Strän­de sind ide­al für Ur­laub mit Kin­dern, weil sie lang und breit sind und flach ins Meer ab­fal­len, schwärmt die Ita­lie­ne­rin. Den Platz an der Son­ne las­sen sich die Ita­lie­ner al­ler­dings recht teu­er be­zah­len. Zwi­schen 15 und 50 Eu­ro sind pro Tag für ei­nen Schirm mit zwei Lie­gen zu be­rap­pen. Zum Ser­vice ge­hö­ren dann aber auch der Ba­de­meis­ter, die Hand­tü­cher, der Mi­ni­club für Kin­der, Süß­was­ser­pools, Beach­vol­ley­ball, Ten­nis so­wie die Strand­bar. Im hoch­prei­si­gen Ric­cio­ne bleibt der Strand wäh­rend der Hoch­sai­son gar ein ex­klu­si­ves Ver­gnü­gen für Gäs­te der un­zäh­li­gen Ho­tels und Fe­ri­en­an­la­gen. Da­für glänzt Ric­cio­ne mit sei­ner neu­en, drei Ki­lo­me­ter lan­gen Ufer­pro­me­na­de. Da­vor er­streckt sich der be­wirt­schaf­te­te Strand mit Son­nen­schir­men und Lie­gen in Zeh­ner­rei­hen. Auch Ri­mi­ni will sei­ne Ufer­pro­me­na­de neu und grü­ner ge­stal­ten. Oh­ne­hin ist Ri­mi­ni, der Ge­burts­ort des be­rühm­ten Re­gis­seurs Fe­de­ri­co Fel­li­ni, ei­ne Per­le der Adria. Der Park mit dem Pfer­de­brun­nen heißt nach dem 1993 ver­stor­be­nen Fil­me­ma­cher. Im Ci­ne­ma Ful­lor, für das er als Ju­gend­li­cher Pla­ka­te mal­te, soll dem­nächst ein Fel­li­ni-Mu­se­um er­öff­net wer­den. Sze­nen sei­ner Fil­me schmü­cken Haus­wän­de im San-Gi­u­lia­no-Vier­tel, auf dem Weg zur Ti­be­ri­us­brü­cke. Wie der Au­gus­tus­bo­gen ist sie ein Bei­spiel rö­mi­scher In­ge­nieurs­kunst. Bei Cer­via, wie Ce­se­na­ti­co ei­ne güns­ti­ge Al­ter­na­ti­ve zum lu­xu­riö­sen Mi­la­no Ma­rit­ti­ma, wird noch „sü­ßes“, nicht bit­te­res, Salz von Hand ge­won­nen. Cer­vi­as Sa­li­nen sind als Vo­gel­pa­ra­dies mit über 100 Ar­ten, dar­un­ter Fla­min­gos, nur bei Füh­run­gen mit Boots­fahrt zu­gäng­lich. Am Ran­de der 14 Ki­lo­me­ter lan­gen Ka­nä­le wächst Qu­el­ler oder Sa­li­cor­nia, der im Um­land auch als Sa­lat ser­viert wird. Die Fi­scher von Ce­se­na­ti­co ha­ben Net­ze vor ih­re Hüt­ten mon­tiert, al­ler­dings ist der Fang in den ver­gan­ge­nen Jah­ren stark zu­rück­ge­gan­gen. Doch dar­über trös­ten die bunt be­mal­ten Boo­te im Mu­se­ums­ha­fen von Ce­se­na­ti­co rasch hin­weg. Mit­tel­al­ter­lich prä­sen­tiert sich Sant­ar­can­ge­lo di Ro­ma­gna. Mit ei­nem Schlüs­sel öff­net Füh­rer Cesa­re das in der äu­ße­ren Ring­mau­er ver­bor­ge­ne Tor zu den fünf Ki­lo­me­ter lan­gen Tuff­stein­grot­ten des Städt­chens. Über Jahr­hun­der­te dien­ten ih­re acht Ebe­nen als Ver­steck für Men­schen und Vor­rä­te. Bei kon-

Strän­de fal­len flach ins Meer ab

stant 13 bis 15 Grad eig­nen sich Sant­ar­can­ge­los Grot­ten auch als Wein­kel­ler, be­rich­tet Cesa­re. Im Zwei­ten Welt­krieg ver­lief in der Nä­he die be­fes­tig­te Go­ten­stel­lung der Wehr­macht, und die Grot­ten muss­ten als Luft­schutz­bun­ker her­hal­ten, er­gänzt er. Vor der Rück­kehr ans Ta­ges­licht sind noch Res­te der Fran­zis­ka­ner­kir­che aus dem 13. Jahr­hun­dert zu be­wun­dern, die Na­po­le­on als De­pot ge­nutzt hat­te. Vor dem Tri­umph­bo­gen für den in Sant­ar­can­ge­lo ge­bo­re­nen Cle­mens XIV., der von 1769 bis 1774 Papst war, läs­tert Cesa­re, die­ser ha­be nur zwei wich­ti­ge Ent­schei­dun­gen ge­trof­fen: Ei­ner­seits ge­stat­te­te er Frau­en Thea­ter­auf­trit­te, an­de­rer­seits ver­bot er den Je­sui­ten­or­den. Vom „schöns­ten Bal­kon der Stadt“weist der Füh­rer schließ­lich auf ein be­nach­bar­tes Aus­flugs­ziel: Auf dem Fel­sen mit den drei Fe­s­tun­gen Ces­ta, Guai­ta und Mon­ta­le liegt San Ma­ri­no, die äl­tes­te Re­pu­blik der Welt. Noch trut­zi­ger wirkt die Berg­fes­tung San Leo, die zu Ita­li­ens schöns­ten Dör­fern zählt. In der Burg starb der Al­che­mist und Hoch­stap­ler Gi­u­sep­pe Bal­sa­mo ali­as Graf von Caglio­s­tro 1795 und wur­de dort be­stat­tet. Wir­ken sei­ne bei­den Zel­len be­reits schau­rig, über­trifft der Fol­ter­kel­ler der Hei­li­gen In­qui­si­ti­on das noch: Streck­bank, Na­gel­stuhl, ein Rad, auf das Men­schen ge­floch­ten, und ein Ex­kre­men­te­fass, in das sie hin­ein­ge­steckt wur­den, we­cken Gru­sel­ge­füh­le. Als Schlecht­wet­te­r­al­ter­na­ti­ve taugt San Leo mit Rit­ter­rüs­tun­gen und sei­ner gro­ßen Waf­fen­samm­lung selbst an Re­gen­ta­gen, wenn die Aus­sicht von der Burg ein­ge­schränkt ist. Schließ­lich ist es von San Leo nicht weit zu den Strän­den der Adria und in die Tos­ka­na.

Mehr als stand­haft: Ri­mi­nis Ti­be­ri­us­brü­cke, er­baut auf ei­nem ein­zi­gen Fun­da­ment, über­stand so­gar Bom­bar­de­ments. Der Ba­de­ort an der Adria er­lebt wie vie­le Nach­bar­ge­mein­den der Emi­lia Ro­ma­gna ein Come­back. Fo­to: Bo­er­gen

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