Wurf in ei­ne neue Di­men­si­on

Die 94,44 Me­ter von Lu­zern ma­chen Jo­han­nes Vet­ter zum WM-Fa­vo­rit

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT - Pe­ter Tre­bing

Vor den Olym­pi­schen Spie­len in Rio im ver­gan­ge­nen Jahr wa­ren die Rol­len bei den deut­schen Speer­wer­fern noch klar ver­teilt: Tho­mas Röh­ler war der Kö­nig in die­ser Dis­zi­plin, der Sach­se Jo­han­nes Vet­ter der Kron­prinz. Und Röh­lers Olym­pia­sieg fes­tig­te die­se Hier­ar­chie noch wei­ter, dem für die LG Of­fen­burg star­ten­den Sport­sol­da­ten Vet­ter fehl­ten da­ge­gen am En­de gan­ze sechs Zen­ti­me­ter zu Platz drei und Bron­ze. Doch seit dem ver­gan­ge­nen Di­ens­tag ist nichts mehr, wie es in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten war – Vet­ters Se­rie mit vier Ver­su­chen über 90 Me­ter in Lu­zern war mehr als nur ein Aus­ru­fe­zei­chen. Die 94,44 Me­ter von Jo­han­nes Vet­ter in der Schweiz wa­ren ei­ne Sen­sa­ti­on. Nie zu­vor hat­te der Schütz­ling von Bun­des­trai­ner Bo­ris Obergföll, der auch Vet­ters Heim­trai­ner ist, die 90-Me­ter-Gren­ze ge­knackt. Und dann dies. „Ich hat­te schon nach dem Ein­wer­fen das Ge­fühl: Ir­gend­et­was Be­son­de­res kannst du heu­te er­rei­chen, ir­gend­et­was liegt in der Luft“, sag­te Vet­ter am Tag nach der Re­kord­wurf bei leichtathletik.de.

Der Sach­se star­tet für die LG Of­fen­burg

Denn – und dies ist so be­mer­kens­wert an Jo­han­nes Vet­ters 94,44 Me­ter – nur ein Speer­wer­fer auf der Welt hat seit Ein­füh­rung des neu­en Speer-Mo­dells je wei­ter ge­wor­fen: Jan Ze­lez­ny. Vor knapp 20 Jah­ren, im Mai 1996 warf der Tsche­che in Je­na den Speer auf die bis heu­te gül­ti­ge Welt­re­kord­wei­te von 98,48 Me­ter. Ob der 24-Jäh­ri­ge die­se Mar­ke je­mals kna­cken kann, ist kom­plett of­fen. Doch Ti­tel kann man auch mit we­ni­ger wei­ten Wür­fen ho­len. Und des­halb ist der neue deut­sche Re­kord­hal­ter ein hei­ßer Gold­kan­di­dat für die WM in Lon­don (4. bis 13. Au­gust). Sein här­tes­ter Kon­kur­rent auf dem Weg zum Ti­tel kommt eben­falls aus Deutsch­land: Tho­mas Röh­ler, des­sen Best­wei­te bei 93,90 Me­ter liegt. Und auch der Kirr­la­cher Andre­as Hof­mann (88,79 Me­ter Best­wei­te) ist für die WM no­mi­niert und im Kampf um die Me­dail­len nicht ganz chan­cen­los. Noch ein Start in der Dia­mond Le­ague in Mo­na­co ist ge­plant, dann geht der Blick auch schon in Rich­tung WM. Und der ist durch­aus op­ti­mis­tisch: „Vi­el­leicht brau­che ich zwei Wo­chen, um wie­der in Schuss zu kom­men. Aber ich den­ke, ich wer­de jetzt nicht in ein Loch fal­le. Ich bin nicht der Typ, der sich auf Er­fol­gen aus­ruht. Die spor­nen mich eher noch mehr an.“

Bei den Olym­pi­schen Spie­len in Rio wur­de Speer­wer­fer Jo­han­nes Vet­ter mit 85,32 Me­ter Vier­ter und ver­pass­te Bron­ze um sechs Zen­ti­me­ter. In der ver­gan­ge­nen Wo­che schaff­te er in Lu­zern sen­sa­tio­nell 94,44 Me­ter – ei­ne Stei­ge­rung um mehr als neun Me­ter in knapp ei­nem Jahr. Fo­to: avs

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.