Fe­de­rer auf Re­kord fi­xiert

Ten­nis: Schwei­zer könn­te heu­te in Wim­ble­don den ach­ten Ti­tel ho­len

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT - Cai-Si­mon Preu­ten

Ro­ger Fe­de­rer braucht Ge­duld, wenn er durch den All En­g­land Club im Lon­do­ner Süd­wes­ten läuft. An je­der Ecke lau­ern die Au­to­gramm­jä­ger und Sel­fie-Knip­ser, selbst in den ab­ge­sperr­ten Be­rei­chen ist der Schwei­zer nicht vor ih­nen si­cher. Als jüngs­ter Edel­fan ent­pupp­te sich Tho­mas Tu­chel, vor kur­zem von Bo­rus­sia Dort­mund ge­schass­ter Fuß­ball­trai­ner mit viel frei­er Zeit. Auch ihm wid­me­te Fe­de­rer ei­nen Mo­ment, leg­te den Arm um Tu­chel und lä­chel­te in die Ka­me­ra. Von Stress oder An­span­nung war kei­ne Spur, da­bei steht Fe­de­rer kurz vor der Er­fül­lung sei­nes letz­ten Kar­rie­re-Traums. Nur noch ein Sieg (heu­te, 15 Uhr/Sky) fehlt ihm zum his­to­ri­schen ach­ten Ti­tel in Wim­ble­don. Fe­de­rer muss nur noch Ma­rin Ci­lic be­sie­gen, um als al­lei­ni­ger Re­kord­hal­ter in die Ge­schichts­bü­cher des äl­tes­ten und be­deu­tends­ten Ten­nis­tur­niers der Welt ein­zu­ge­hen. „Es macht mich wirk­lich glück­lich, in Wim­ble­don Ge­schich­te zu schrei­ben. Das ist ei­ne gro­ße Sa­che“, sag­te Fe­de­rer, als müss­te er sei­ne Lo­cker­heit im An­ge­sicht der im­men­sen Be­deu­tung sei­nes sport­li­chen Schaf­fens er­klä­ren. „Ich lie­be die­ses Tur­nier. Al­le mei­ne Träu­me als Spie­ler sind hier Wirk­lich­keit ge­wor­den“, sag­te er: „Ei­ne wei­te­re Chan­ce auf den ach­ten Ti­tel zu ha­ben, wie­der so nah dran zu sein, ist ein tol­les Ge­fühl.“Fe­de­rer ge­nießt den Mo­ment, das ist of­fen­sicht­lich. Er fühlt sich nach sechs Sie­gen oh­ne Satz­ver­lust in Fol­ge fe­der­leicht, die Ner­ven­pro­be ge­gen den Tsche­chen To­mas Ber­dych (7:6, 7:6, 6:4) hat ihm zu­sätz­li­ches Selbst­ver­trau­en ver­lie­hen. Sei­ne bald 36 Jah­re, mit de­nen er der äl­tes­te Fi­na­list in Wim­ble­don seit 1974 ist, sind ihm auf dem Platz nicht an­zu­mer­ken. „Er macht nicht den Ein­druck, dass er äl­ter oder lang­sa­mer wird“, lob­te Ber­dych. Trotz sei­ner bis­he­ri­gen Über­le­gen­heit ver­mit­telt Fe­de­rer aber auch nicht den Ein­druck, ir­gend­je­man­den zu un­ter­schät­zen, erst recht nicht sei­nen 28-jäh­ri­gen Fi­nal­geg­ner Ci­lic.

Un­gu­te Er­fah­run­gen mit Geg­ner Ci­lic

Die Er­in­ne­run­gen an den 1,98 Me­ter gro­ßen Kroa­ten ha­ben sich ein­ge­brannt. Auf dem Weg zu sei­nem bis­lang ein­zi­gen Grand-SlamTi­tel bei den US Open 2014 schoss Ci­lic den hoch­fa­vo­ri­sier­ten Fe­de­rer im Halb­fi­na­le vom Platz, ei­ne „un­wirk­li­che“Leis­tung, wie Fe­de­rer sagt. Im ver­gan­ge­nen Jahr hat­te Ci­lic im Vier­tel­fi­na­le von Wim­ble­don drei Match­bäl­le, ehe sich Fe­de­rer be­frei­te. „Ich glau­be de­fi­ni­tiv dar­an, dass ich ihn schla­gen kann, wenn ich mei­ne Stär­ken aus­spie­le“, sag­te Ci­lic: „Aber ich weiß, dass ich ei­nen ho­hen Berg er­klim­men muss. Ro­ger spielt der­zeit vi­el­leicht das bes­te Ten­nis in sei­ner Kar­rie­re.“Er selbst wirk­te im Vier­tel­fi­na­le ge­gen den Lu­xem­bur­ger Gil­les Mul­ler und im Halb­fi­na­le ge­gen Sam Qu­er­rey aus den USA (6:7, 6:4, 7:6, 7:5) in ei­ni­gen Mo­men­ten ver­krampft, die Chan­ce auf sein zwei­tes Ma­jor­fi­na­le schien sei­ne mäch­ti­gen Grund­schlä­ge zu läh­men. Dass der Au­ßen­sei­ter im Fi­na­le nichts zu ver­lie­ren hat, ist da­her nicht ein­mal die hal­be Wahr­heit. „Wenn ich in Wim­ble­don ge­win­ne, wird ein Traum für mich wahr“, sag­te Ci­lic. Bis­lang scheint er sich selbst mehr Druck zu ma­chen als Fe­de­rer.

Je ol­ler, je dol­ler – auch mit 36 Jah­ren scheint der Schwei­zer Ro­ger Fe­de­rer noch im­mer zu gro­ßen Ta­ten fä­hig zu sein. Heu­te könn­te er sei­nen ach­ten Wim­ble­don-Sieg per­fekt ma­chen. Fo­to: AFP

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