„Fra­ge der Selbst­ach­tung“

Bun­des­prä­si­dent St­ein­mei­er übt schar­fe Kri­tik an Er­do­gan

Der Sonntag (Mittelbaden) - - AKTUELL - AFP

Mit un­ge­wöhn­lich schar­fer Kri­tik am tür­ki­schen Prä­si­den­ten Re­cep Tay­yip Er­do­gan hat sich Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter St­ein­mei­er in den Streit der Bun­des­re­gie­rung mit der Tür­kei ein­ge­schal­tet. Er­do­gan ver­su­che nicht nur, „das Land auf sich zu­zu­schnei­den“, sag­te St­ein­mei­er im ges­tern auf­ge­zeich­ne­ten ZDF-Som­mer­inter­view. Viel­mehr wür­den jetzt auch die „Res­te an Kri­tik und Op­po­si­ti­on“ver­folgt, ins Ge­fäng­nis ge­steckt und mund­tot ge­macht. Er hal­te des­halb die Neu­aus­rich­tung der deut­schen Tür­kei-Po­li­tik für rich­tig, sag­te St­ein­mei­er. Was in der Tür­kei pas­sie­re, „kön­nen wir nicht hin­neh­men“. Das sei auch ei­ne „Fra­ge der Selbst­ach­tung“Deutsch­lands. Das Som­mer­inter­view soll heu­te um 19.10 Uhr im ZDF aus­ge­strahlt wer­den. Bun­des­au­ßen­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el (SPD) hat in ei­nem of­fe­nen Brief an die tür­kisch­stäm­mi­ge Be­völ­ke­rung in Deutsch­land um VerBür­ger ständ­nis für den ver­schärf­ten Kurs der Bun­des­re­gie­rung ge­gen­über An­ka­ra ge­wor­ben. In dem ges­tern in der „Bild“-Zei­tung er­schie­ne­nen Brief nann­te Ga­b­ri­el die Freund­schaft zwi­schen Deut­schen und Tür­ken ei­nen „gro­ßen Schatz“. Der Ver­haf­tung „un­be­schol­te­ner“ deut­scher Staats­bür­ger kön­ne die Bun­des­re­gie­rung aber nicht ta­ten­los zu­se­hen. „Wir ha­ben uns für gu­te Be­zie­hun­gen zur Tür­kei im­mer auch ein­ge­setzt, weil wir wis­sen, dass ein gu­tes Ver­hält­nis zwi­schen Deutsch­land und der Tür­kei für Sie wich­tig ist“, wand­te sich Ga­b­ri­el an die Deutsch-Tür­ken. Die Än­de­rung der Po­li­tik ge­gen­über An­ka­ra rich­te sich nicht ge­gen die Men­schen in der Tür­kei und ge­gen die mit tür­ki­schen Wur­zeln in Deutsch­land. „Gleich­gül­tig, wie schwie­rig die po­li­ti­schen Be­zie­hun­gen zwi­schen Deutsch­land und der Tür­kei sind, bleibt für uns klar: Sie, die tür­kisch­stäm­mi­gen Men­schen in Deutsch­land, ge­hö­ren zu uns – ob mit oder oh­ne deut­schen Pass“, schrieb der Au­ßen­mi­nis­ter „im Na­men der ge­sam­ten Bun­des­re­gie­rung“. Die Tür­ki­sche Ge­mein­de in Deutsch­land be­grüß­te die „ver­söh­nen­den Wor­te“Ga­b­ri­els als „po­si­ti­ves Si­gnal“an die tür­kisch­stäm­mi­ge Be­völ­ke­rung. „Wir wür­den uns wün­schen, dass wir in die­ser Kri­se nä­her zu­sam­men­rü­cken“, sag­te der Bun­des­vor­sit­zen­de Gö­kay So­fuog­lu der „Welt am Sonn­tag“. An­ge­sichts der Kon­flik­te mit der Tür­kei – zu­letzt die In­haf­tie­rung des deut­schen Men­schen­rechts­ak­ti­vis­ten Pe­ter Steudt­ner – hat­te Ga­b­ri­el ei­ne „Neu­aus­rich­tung“der Po­li­tik ge­gen­über An­ka­ra an­ge­kün­digt. Un­ter an­de­rem wur­den die Rei­se­hin­wei­se ver­schärft.

Ga­b­ri­el wen­det sich an die Deutsch-Tür­ken

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