Ver­sam­melt am La­ger­feu­er „Fest“

In der Gün­ther-Klotz-An­la­ge fei­ern die Ge­ne­ra­tio­nen fried­lich mit­ein­an­der

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - Si­byl­le Kra­nich

Es gibt sie zu Hauf. Leu­te, die mit dem „Fest“groß wer­den. Lars und Pau­li­ne zum Bei­spiel. Halb so alt wie das Karls­ru­her Mu­sik-Fes­ti­val und wasch­ech­te Ber­li­ner Gö­ren. Au­ßer, dass ih­re Mut­ter aus Karls­ru­he kommt und ih­re Oma hier lebt, ha­ben die bei­den Haupt­stadt-Te­enager mit der Stadt in der ba­di­schen Pro­vinz nicht wirk­lich viel am Hut. „Das Fest“aber ken­nen sie seit ih­rer Ge­burt. Kaum auf der Welt, wur­den sie schon als Ba­bys übers Ge­län­de ge­schleppt, spä­ter tob­ten die Ge­schwis­ter auf den Tram­po­li­nen der Mo­bis und jetzt – fast grö­ßer als Va­ter und Mut­ter – lie­gen sie mit den­sel­ben auf ei­ner Pick­nick­de­cke im Schat­ten, Blick auf die Haupt­büh­ne, wo bald Si­do spie­len wird. „Mei­ne Mu­sik ist das ja nicht mehr“, sagt Mut­ter Kers­tin Jüngst. Ze­brahead? Drang­sal? Wer soll das sein? „Zum ers­ten Mal seit Jah­ren ha­be ich die meis­ten Bands erst­mal goo­g­len müs­sen“, gibt Kers­tin schul­ter­zu­ckend zu. Ste­fa­nie Hengst geht es ähn­lich. „Aber mei­ne Toch­ter Ali­cia, die kennt al­le“, sagt die Karls­ru­he­rin. In den 18 Jah­ren ih­res Le­bens hat Ali­cia nicht ein ein­zi­ges Fest ver­passt. „Und so­gar vor ih­rer Ge­burt hab ich sie im Bauch schon her­ge­tra­gen“, er­in­nert sich Ste­fa­nie. Der Mu­sik­ge­schmack der bei­den hat sich in der Zwi­schen­zeit deut­lich aus­ein­an­der di­vi­diert. Aber es gibt auch Ge­mein­sam­kei­ten und heu­te Abend, wenn Amy Mac­Do­nald, den Son­nen­un­ter­gang be­schallt, wol­len Mut­ter und Toch­ter Sei­te an Sei­te auf ih­rer De­cke sit­zen. „Da­zu mei­ne Schwes­ter und ih­re Kin­der – ein ech­tes Fa­mi­li­en­tref­fen wird das.“Über 30 Jah­re gibt es „Das Fest“jetzt. Alt wird es ir­gend­wie trotz­dem nicht. Im Ge­gen­teil. Von Jahr zu Jahr wird es mehr zu ei­nem Ge­ne­ra­tio­nen­treff, ei­nes je­ner be­rühm­ten La­ger­feu­er, an de­nen sich Groß­vä­ter und En­kel ge­mein­sam wär­men. Ger­hard Bren­nen­stuhl ge­hört ein­deu­tig zu den „Fest“-Se- nio­ren. Er ist 68 Jah­re alt und ei­ner der vie­len Frei­wil­li­gen, Vol­un­te­ers ge­nannt, die zum Stadt­ge­burts­tag re­kru­tiert wur­den und seit­dem bei al­len mög­li­chen Ge­le­gen­hei­ten als Lot­sen durch das Fä­cher­stadt-Ge­sche­hen lei­ten. An die 60 der blau­ge­wan­de­ten Vol­un­te­ers sind an die­sem Fest-Wo­che­n­en­de un­ter­wegs. Sie ver­tei­len Pro­gramm-Fly­er, ge­ben Aus­künf­te oder hel­fen, den rie­si­gen Fahr­rad-Park­platz in der Nä­he der Eu­ro­pa- hal­le halb­wegs ge­ord­net zu hal­ten. „Vor ein paar Jah­ren war das noch schwie­rig, aber mitt­ler­wei­le sind die Leu­te ganz ent­spannt und se­hen ein, dass sie nicht bis auf den Hü­gel ra­deln kön­nen.“Ähn­lich fried­lich und ge­las­sen geht es am Frei­tag und Sams­tag auch bei den Ta­schen­kon­trol­len an den Ein­gän­gen zu. „Ab und zu gibt es mal je­mand, der me­ckert, dass er ja schon kon­trol­liert wor­den sei, aber dann las­sen sie uns meis­tens doch noch noch­mal in die Ta­schen schau­en“be­schreibt ei­ne Se­cu­ri­ty-Da­me. Ent­spannt wie die Be­su­cher der ers­ten bei­den „Fest“-Ta­ge gibt sich am Sams­tag­nach­mit­tag auch der Star des dies­jäh­ri­gen Fes­ti­vals. Ge­gen 16 Uhr ver­lässt Si­do sei­nen Con­tai­ner an der Haupt­büh­ne und schlen­dert für ein paar Mi­nu­ten über die Wie­se vor der Büh­ne. Auf sei­nem Ins­ta­gram-Ac­count hat­te der Rap­per sei­nen Aus­flug vor­her an­ge­kün­digt und wer den Li­ve-Ti­cker vom Fest der Ba­di­schen Neu­es­ten Nach­rich­ten (auf bnn.de) auf­merk­sam ver­folg­te, hät­te es wis­sen und li­ve da­bei sein kön­nen. Bil­der mit Fans? Kein Pro­blem, für den ob sei­ner rup­pi­gen Tex­te be­rüch­tig­ten Stars. „Frag’ freund­lich, dann kriegst Du auch ’ne freund­li­che Ant­wort“, gibt er ei­nem sei­ner Fans auf den Weg, der schüch­tern ein heim­li­ches Bild schie­ßen will und schließ­lich mit ei­nem ge­sto­chen schar­fen Star-Sel­fie nach Hau­se geht. Zu­frie­de­ne Ge­sich­ter über­all. Die ers­ten bei­den „Fest“-Ta­ge hin­ter­las­sen bei Be­su­chern und Ver­an­stal­tern ein glei­cher­ma­ßen gu­tes Ge­fühl. Die dunk­len Ge- wit­ter­wol­ken, die am spä­ter Frei­tag noch be­droh­lich über dem Ge­län­de wa­bern, sind am Sams­tag bis Son­nen­un­ter­gang nur noch ei­ne ent­fern­te Er­in­ne­rung. Im Kin­der- und Kul­tur­be­reich sind die Ba­s­tel­ti­sche, Spiel­sta­tio­nen und der Be­reich vor der Büh­ne bei fast al­len An­ge­bo­ten gut ge­füllt. Völ­lig be­glückt kön­nen sich über­ra­schend auch jun­ge und al­te KSC-Fans füh­len, als am Nach­mit­tag am Stadt der Wild­park-Wi­kis plötz­lich die ge­sam­te Fuß­ball-Mann­schaft auf­taucht, um beim Bas­teln be­hilf­lich zu sein. Be­hilf­lich war den „Fest“-Hel­fern zwi­schen­zeit­lich auch BNN-Re­dak­teur Hol­ger Kel­ler: Für die Vi­deo-Ak­ti­on „#hol­ger­schafft“(auf YouTube und bnn.de/das­fest17) stand er am Sams­tag­mor­gen be­reits um 4.40 Uhr auf dem Ge­län­de, um mit der Putz­ko­lon­ne die Spu­ren des Frei­tags zu be­sei­ti­gen. 24 Hekt­ar galt es zu be­ar­bei­ten – in drei St­un­den war al­les er­le­digt. Auch das spricht für ein sau­be­res „Fest“-Be­wusst­sein.

Meis­ter der Punk­gi­tar­re: Die US-Band „Ze­brahead“läu­te­te ges­tern am spä­ten Nach­mit­tag den Rei­gen der Top-Acts ein. Da­nach stan­den noch die Deutsch­pun­ker „Fei­ne Sah­ne Fisch­fi­let“und der Ber­li­ner Rap­per Si­do so­wie die Welt­mu­sik-Band „Äl Ja­wa­la“auf dem Pro­gramm. Fo­to: Ho­ra

Meis­ter der Luft­gi­tar­re: BNN-Chef­re­por­ter BeN­Ni führt ei­ne der Tro­phä­en vor, die am beim Ge­winn­spiel „Gi­tar­re­ro“heiß be­gehrt sind. Fo­to: Mo­ri Mon­tei­ro

Ro­man­tik in der Men­ge: Die Ufer des Ru­der­boot­sees sind am spä­ten Sams­tag­nach­mit­tag nicht mehr ganz so leer, wie man es sich für ei­ne Ru­der­par­tie wün­schen wür­de. Fo­tos: Ra­ke Ho­ra

Die Fest­fa­mi­lie: Ex­tra aus Ber­lin kom­men fast je­des Jahr die Karls­ru­he­rin Kers­tin Jüngst, ihr Mann Hol­ger und die Kin­der Lars und Pau­li­ne an­ge­reist.

In­for­ma­ti­ons­ho­heit: Der BNN-Me­dia­to­wer prä­sen­tiert Mul­ti­me­dia­les rund ums „Fest“.

Meis­ter der Flam­men: Das Cha­peau Feu­er­va­rie­té auf der Kul­tur­büh­ne. Fo­to: Mo­ri Mon­tei­ro

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