Psy­che und Bauch

Der Sonntag (Mittelbaden) - - TIPPS & THEMEN - Mag

Wie es je­man­dem psy­chisch geht, wirkt sich auch auf den Kör­per aus. „Ge­füh­le und Ge­dan­ken ha­ben ei­nen enor­men Ein­fluss auf das ei­ge­ne Wohl­be­fin­den“, er­klärt Rai­ner Stan­ge. Der In­ter­nist ist Lei­ten­der Arzt der Ab­tei­lung Na­tur­heil­kun­de am Im­ma­nu­el Kran­ken­haus Ber­lin. Ängs­te et­wa schla­gen man­chen auf den Ma­gen oder Darm. Und „Frau­en und Män­ner, die be­ruf­lich un­ter Druck ste­hen, ha­ben ein viel hö­he­res Ri­si­ko, sich ei­ne Er­käl­tung zu ho­len, als an­de­re, die kei­nen Stress ha­ben“, er­gänzt der Neu­ro­bio­lo­ge Ge­rald Hüt­her. Das be­le­gen Stu­di­en der Psy­cho­n­eu­ro­im­muno­lo­gie, die sich mit dem Zu­sam­men­wir­ken von See­le und Kör­per­ab­wehr be­schäf­tigt. Der ame­ri­ka­ni­sche Psy­cho­lo­ge Shel­don Co­hen bei­spiels­wei­se wies un­ter an­de­rem nach, dass Men­schen, die mehr Freun­de, da­für aber we­ni­ger Stress ha­ben, we­ni­ger an­fäl­lig für Er­käl­tun­gen sind. Die in­ne­re Ein­stel­lung be­ein­flusst aber auch, wie gut der Kör­per mit Er­kran­kun­gen um­ge­hen kann, wenn sie ein­mal da sind. Der men­sch­li­che Or­ga­nis­mus wird vom Ge­hirn ge­steu­ert. Wie aus ei­ner Kom­man­do­zen­tra­le re­gelt es das Herz-Kreis­lauf-Sys­tem, den Hor­mon­haus­halt so­wie das Ner­ven- und das Im­mun­sys­tem. „So­bald das Hirn ein Si­gnal be­kommt, dass ir­gend­wo im Kör­per et­was aus dem Gleich­ge­wicht ge­ra­ten ist, ak­ti­viert es die Selbst­hei­lungs­kräf­te“, er­läu­tert Hüt­her. So re­pa­riert und er­neu­ert der Kör­per bei­spiels­wei­se per­ma­nent Zel­len. Man kann sei­ne Selbst­hei­lungs­kräf­te aber auch ganz be­wusst ak­ti­vie­ren. Bei­spiels­wei­se, in­dem man ak­tiv dar­über nach­denkt, was ei­nem gut­tut, er­klärt die Mün­che­ner Heil­prak­ti­ke­rin Ur­su­la Hil­pert-Müh­lig vom Fach­ver­bands Deut­scher Heil­prak­ti­ker. Je­mand, der un­ter Schlaf­stö­run­gen lei­det, kann sich zum Bei­spiel dar­über Ge­dan­ken ma­chen, was ihn am Schla­fen hin­dert, und dann op­ti­ma­le Schlaf­be­din­gun­gen schaf­fen – an­statt zu Ta­blet­ten zu grei­fen. Selbst­hei­lungs­kräf­te sto­ßen aber auch an ih­re Gren­zen. „Wenn der Kör­per krank­heits­be­dingt nicht mehr in der La­ge ist, zum Bei­spiel In­su­lin oder Schild­drü­sen­hor­mo­ne zu pro­du­zie­ren, dann nützt der in­ne­re Arzt we­nig“, sagt Stan­ge.

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