Nicht nur Ber­li­ner Schnau­ze

„Ka­rus­sell“zeigt Aman­da als die Künst­le­rin, die sie im­mer sein woll­te

Der Sonntag (Mittelbaden) - - TIPPS & THEMEN - SO

Rap, Soul und Pop, Stra­ße und Kon­zert­hal­le, Ber­li­ner Schnau­ze und gna­den­los emo­tio­nal – Aman­da ist ei­ne Frau der ver­meint­li­chen Ge­gen­sät­ze und ge­ra­de des­halb ei­ne ein­zig­ar­ti­ge Künst­le­rin. Wem die Ber­li­ne­rin trotz­dem an­ge­nehm be­kannt vor­kommt: kein Wun­der. Ih­re Stim­me be­glei­tet die Haupt­stadt seit über ei­nem Jahr­zehnt. Erst als Rap­pe­rin, dann als Ra­dio­mo­de­ra­to­rin, jetzt als Mu­si­ke­rin, die sich mit ih­rem Al­bum „Ka­rus­sell“kom­plett neu er­fun­den hat. Aman­da 2.0, qua­si. Und das mit An­sa­ge. Rück­bli­ckend hat­te Aman­da Mur­ray wahr­schein­lich gar kei­ne an­de­re Wahl, als Mu­si­ke­rin zu wer­den. Ge­bo­ren 1983 als Toch­ter ei­nes Ame­ri­ka­ners und ei­ner deut­schen Soul­sän­ge­rin im bür­ger­li­chen Ber­lin-Ste­glitz, wächst sie da­mit auf, ih­re Mut­ter re­gel­mä­ßig bei Auf­trit­ten in Bars und auf der Thea­ter­büh­ne zu se­hen. Ih­re ers­ten ei­ge­nen Per­for­man­ces gibt sie zu den Spice Girls vor dem Kin­der­zim­mer­spie­gel, spä­ter spielt sie im Schul­or­ches­ter und bei Mu­si­cals mit. „Es gab ei­gent­lich nur ei­ne Zeit, in der ich nicht be­wusst den Traum hat­te, Mu­si­ke­rin zu wer­den: In mei­ner Te­enager-Trotz­pha­se, als ich vor al­lem Nir­va­na und Ma­ri­lyn Man­son ge­hört ha­be. Da fand ich mei­ne El­tern pein­lich und woll­te auf gar kei­nen Fall so wer­den wie mei­ne Mut­ter. Die Pha­se geht vor­über, die gro­ßen Ido­le ih­rer Ju­gend blei­ben an­de­re. Aman­da ver­ehrt Stevie Won­der, in­ter­es­siert sich aber auch für klas­si­sche Mu­sik und Schla­ger. Mit 14 be­ginnt sie, sich au­to­di­dak­tisch das Gi­tar­re­spie­len bei­zu­brin­gen, doch erst als 1998 „The Mi­se­du­ca­ti­on of Lau­ryn Hill“er­scheint, be­kommt sie erst­mals ei­ne ganz kon­kre­te Vor­stel­lung da­von, wo es für sie mu­si­ka­lisch mal hin­ge­hen könn­te. Mit „The Beauty and the Beats“er­schien 2005 ihr ers­tes Al­bum über das In­die-La­bel Main­the­me Re­cor­ds. Ein Ti­tel, der das weib­li­che Selbst­ver­ständ­nis der Ber­li­ne­rin auf den Punkt bringt. Als „She-Raw“spiel­te sie im Vor­pro­gramm von in­ter­na­tio­na­len Su­per­stars wie Kanye West und LL Cool J. Das Al­bum „Ka­rus­sell“zeigt Aman­da nun zum ers­ten Mal als die Künst­le­rin, die sie im­mer sein woll­te. Emo­tio­nal und nah­bar, aber auch stark und selbst­be­stimmt. Ein biss­chen wie ei­ne deut­sche Lau­ryn Hill eben. Sie singt und rappt über Ver­lust, Lie­be, Hoff­nung und die­se Mo­men­te im Le­ben, in de­nen man erst ein­mal al­les hin­schmei­ßen muss, be­vor man et­was Neu­es be­gin­nen kann. Die mu­si­ka­li­sche Es­senz aus den letz­ten zehn Jah­ren ih­res Le­bens. „Ich hät­te mir nicht vor­stel­len kön­nen, dass der Punkt, an dem ich jetzt bin, frü­her statt­ge­fun­den hät­te. Ich glau­be, dass ich da­für ein­fach noch nicht be­reit war. Das muss­te al­les so lan­ge dau­ern und ge­nau so pas­sie­ren, da­mit ich erst ein­mal die Frau wer­den konn­te, die ich jetzt bin.“

Aman­da singt und rappt über Ver­lust, Lie­be, Hoff­nung und die­se Mo­men­te im Le­ben, in de­nen man erst ein­mal al­les hin­schmei­ßen muss, be­vor man et­was Neu­es be­gin­nen kann. Fo­to: Da­vid Ko­enigs­mann

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