„Wir müs­sen hell­wach sein“

Die Bot­schaft des KSC ist klar: So schnell wie mög­lich wie­der auf­stei­gen

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT - Pe­ter Tre­bing

Die Bot­schaft, die In­go Wel­len­reu­ther bei der KSC-Jah­res­pres­se­kon­fe­renz ver­kün­de­te, war un­über­hör­bar: Klar, man sei bö­se (ab-)ge­stürzt in der ver­gan­ge­nen „Seu­chen­sai­son“(Wel­len­reu­ther), doch am Bo­den ist man nicht ge­blie­ben. Man ha­be sich auf­ge­rap­pelt, per­so­nell neu auf­ge­stellt und ein kla­res Ziel vor Au­gen, sagt der Ver­eins­prä­si­dent: „Den Auf­stieg.“Der sei zwar nicht al­ter­na­tiv­los, auch ein Schei­tern kön­ne man in der Drit­te Li­ga nicht ka­te­go­risch aus­schlie­ßen. Doch man ha­be al­les un­ter­nom­men, um die Ba­sis da­für zu schaf­fen, dass die Dritt­klas­sig­keit nur ein tem­po­rä­rer Zu­stand ist, so konn­te man die Aus­sa­gen von Wel­len­reu­ther, der mit der Ver­eins­füh­rung und den sport­lich Ver­ant­wort­li­chen bei Haupt­spon­sor Klai­ber Mar­ki­sen Re­de und Ant­wort stand, in­ter­pre­tie­ren. Wenn es nach Chef­coach Marc-Patrick Meis­ter geht, wird dies an ihm und sei­ner Mann­schaft nicht schei­tern, denn sein Cre­do ist be­mer­kens­wert ein­fach: „Ich möch­te Spie­le ge­win­nen – das ist die gan­ze Wahr­heit.“ Doch an­ge­sichts der neu­en Her­aus­for­de­rung und dem zwangs­läu­fig da­mit ver­bun­de­nen Er­folgs­druck, warnt der 36-Jäh­ri­ge ein­dring­lich: „Wir müs­sen hell­wach sein, das wird al­les knall­har­te Ar­beit.“Ar­beit, für die man beim KSC auch ei­nen neu­en Team­spi­rit brauch­te. Der näm­lich exis­tier­te im Ka­der der Vor­sai­son nur ru­di­men­tär. Cha­rak­ter­stär­ke war auf je­den Fall kein her­aus­ra­gen­des Merk­mal der „al­ten“Mann­schaft, die ih­ren Teil zum Zweit­li­ga-Ab­stieg bei­ge­tra­gen hat. „Wir woll­ten den Schnitt“, be­tont des­halb auch Sport­di­rek­tor Oli­ver Kreu­zer. Die ers­te Mo­ment­auf­nah­me wür­de die per­so­nel­le Neu­aus­rich­tung be­stä­ti­gen: „Wir ha­ben ei­ne rich­tig gu­te Trup­pe auf die Bei­ne ge­stellt“, schwärmt Kreu­zer. Cha­rak­ter­stark hät­te sich die Neu­en wäh­rend der „in­ten­si­ven und schö­nen Ta­ge“(Kreu­zer) im Trai­nings­la­ger ge­zeigt: „Wir glau­ben, dass wir gut ge­rüs­tet und vor­be­rei­tet sind.“Doch ab jetzt ist es an der Zeit, zu lie­fern. Das weiß auch der neue Ka­pi­tän Kai Bü­low, der an­ge­sichts der Auf­ga­be die Fans um Ge­duld mit der Mann­schaft bit­tet: „Wir ha­ben 38 Spie­le, das ist ei­ne lan­ge Zeit“, sagt er. Da­mit deu­tet er an, dass es auch Durst­stre­cken ge­ben könn­te, doch ent­schei­dend sei ja, wie die Ta­bel­le am letz­ten Spiel­tag aus­sieht: „Wir wol­len am En­de ganz oben ste­hen.“ Er­rei­chen wol­len Meis­ter, Bü­low, Kreu­zer und Co dies mit ei­ner Stra­te­gie, die zum qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­gen Ka­der passt: „Wir wol­len die Initia­ti­ve über­neh­men“, ver­spricht Coach Meis­ter. De­fen­si­ve Sta­bi­li­tät, viel Ball­be­sitz, schnel­les Um­schal­ten ins letz­te Drit­tel, si­tua­ti­ves An­griffs­pres­sing und Vor­schwie­ri­gen tei­le bei Stan­dard­si­tua­tio­nen, die man sich durch vie­le gro­ße Spie­ler im Team ver­spricht – das sind Eck­punk­te der Er­folgs­for­mel, mit der Marc-Patrick Meis­ter die Zweit­li­ga-Rück­kehr rea­li­sie­ren will. Das ist der Plan – an des­sen Um­set­zung ar­bei­ten die KSC-Pro­fis seit der gest­ri­gen Par­tie ge­gen den VfL Os­na­brück. Dass dies stra­pa­zi­ös wer­den könn­te, sieht auch Hel­mut San­d­rock, der neue KSC-Ge­schäfts­füh­rer, so: „In der Drit­ten Li­ga tum­meln sich rich­tig gu­te Spie­ler.“Trotz­dem glaubt er an den Er­folg der Mann­schaft und ei­ne po­si­ti­ve Re­so­nanz des Pu­bli­kums: „Die Jungs spie­len das Sta­di­on schon wie­der voll.“An den Spie­lern je­den­falls soll es nicht schei­tern, ver­spricht Ka­pi­tän Bü­low: „Die ho­he Er­war­tungs­hal­tung ist ein Druck, der uns an­sta­chelt.“Mit rund 11 000 Zu­schau­ern im Schnitt plant man im Wild­park. Und de­nen will man mög­lichst vie­le Fei­er­ta­ge bie­ten – und mög­lichst fried­li­che Spie­le, be­tont KSC-Prä­si­dent Wel­len­reu­ther: „Gast­freund­schaft statt Gast­feind­schaft, das wä­re

Sport­di­rek­tor Kreu­zer: Wir woll­ten den Schnitt

doch ein loh­nens­wer­ter An­satz“, hofft er dar­auf, dass nicht nur in der Mann­schaft son­dern viel­leicht auch bald im Sta­di­on ein neu­er Geist herrscht. Mit vie­len Sie­gen könn­te das Team die Grund­la­ge für solch ei­ne si­cher nach­ah­mens­wer­te Fan­kul­tur schaf­fen. Der Li­zenz­spie­le­re­tat des Karls­ru­her für die Sai­son 2017/18 liegt üb­ri­gens bei rund fünf Mil­lio­nen Eu­ro. Ei­ne Sum­me, die im Ver­gleich mit der Kon­kur­renz am En­de viel­leicht den ent­schei­den­den Un­ter­schied aus­ma­chen könn­te. „Der Schnitt al­ler Dritt­li­gis­ten lag in der Ver­gan­gen­heit zwi­schen 3,5 und vier Mil­lio­nen Eu­ro“, sagt Hel­mut San­d­rock. Doch man müs­se be­ach­ten, dass es ei­ne „gro­ße Sprei­zung“in der Li­ga gä­be, ak­tu­el­le Zah­len lä­gen ihm nicht vor. Doch auch fünf Mil­lio­nen Eu­ro sind ei­ne ge­wal­ti­ge Dif­fe­renz zur Vor­sai­son. Wel­len­reu­ther: „Statt elf bis zwölf Mil­lio­nen Eu­ro TV-Geld in der 2. Bun­des­li­ga, be­kom­men wir jetzt nur rund 700 000 Eu­ro. Das ist ein Schlag, den ein Ver­ein un­se­rer Grö­ßen­ord­nung fast nicht über­le­ben kann.“

Ka­pi­tän Bü­low: Druck, der uns an­sta­chelt

Steht vor ei­ner ge­wal­ti­gen Her­aus­for­de­rung: KSC-Coach Marc-Patrick Meis­ter soll mit sei­ner Mann­schaft mög­lichst schon in die­ser Sai­son die Zweit­li­ga-Rück­kehr rea­li­sie­ren. Fo­to: GES/Roth

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