Lü­pertz un­ter­ir­disch?

Jetzt muss die pri­va­te Initia­ti­ve lie­fern

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - Bo

Der Karls­ru­her Ge­mein­de­rat hat grü­nes Licht ge­ge­ben: Wenn die pri­va­te Initia­ti­ve um den frü­he­ren Ma­jo­li­ka-Chef An­ton Goll ge­nü­gend Geld her­an­schafft, kann ein Kunst­pro­jekt von Mar­kus Lü­pertz rea­li­siert wer­den. Die Schöp­fungs­ge­schich­te in Ke­ra­mik in den künf­ti­gen U-Strab-Hal­te­stel­len Karls­ru­hes: Das Vor­ha­ben ent­zweit die Ge­mü­ter. Da­bei gilt der ex­zen­tri­sche Lü­pertz als ei­ner der pro­mi­nen­tes­ten Ge­gen­warts­künst­ler. Zu den Kri­ti­kern ge­hört Pe­ter Wei­bel. Der Di­rek­tor des Zen­trums für Kunst und Me­di­en (ZKM) hat­te sich kurz vor der Ge­mein­de­rats­ent­schei­dung ge­gen die „ke­ra­mi­sche Kir­chen­kunst“ge­wandt. Das Kon­zept pas­se nicht zum Image ei­ner mo­der­nen IT-Me­tro­po­le wie Karls­ru­he. Auch fürch­tet Wei­bel um de­mo­kra­ti­sche Spiel­re­geln, da es für das pri­va­te Pro­jekt kei­ne Aus­schrei­bung ge­ge­ben hat. Er stell­te die Fra­ge in den Raum: „Wer­den al­so mit der Gestal­tung der UBahn-Sta­tio­nen de­mo­kra­ti­sche Rech­te zu­guns­ten der Wohl­ha­ben­den preis­ge­ge­ben?“Da­bei hat der ZKM-Chef aus­drück­lich „nichts ge­gen Lü­pertz als Künst­ler“. Tat­säch­lich wird in sei­nem Haus ge­ra­de ei­ne gro­ße Lü­pertz-Schau prä­sen­tiert, die Wei­bel selbst zu­sam­men mit Wal­ter Smer­ling ku­ra­tier­te. Die Aus­stel­lung heißt „Mar­kus Lü­pertz. Kunst, die im We­ge steht“. Wäh­rend sei­ner Zeit an der Kunst­aka­de­mie Karls­ru­he (1974–1986) hat­te Lü­pertz mit Ma­ler­kol­le­gen wie Ge­org Ba­se­litz oder Per Kir­ke­by Karls­ru­he als ein her­aus­ra­gen­des Zen­trum der deut­schen Ma­le­rei po­si­tio­niert. Die im ZKM prä­sen­tier­te Schau schlägt ei­nen Bo­gen zu den An­fän­gen von Lü­pertz’ künst­le­ri­scher Lauf­bahn: „Kunst, die im We­ge steht“hieß be­reits 1966 ei­ne sei­ner ers­ten Prä­sen­ta­tio­nen, die in Ber­lin statt­fand. Das ZKM er­mög­licht mit der Schau ei­nen Blick auf das Le­bens­werk aus fünf Jahr­zehn­ten die­ses Künst­lers der Nach­kriegs­ge­ne­ra­ti­on. Lü­pertz ha­be sich von De­ka­de zu De­ka­de im­mer wie­der neu er­fun­den, heißt es in ei­ner Pres­se­mit­tei­lung des ZKM: Mit sei­nem un­ver­kenn­ba­ren Pin­sel­strich und der Ve­he­menz sei­ner Mal­tech­nik sei Lü­pertz längst ei­ne In­stanz der Kunst­ge­schich­te: „Von gro­ßer Ori­gi­na­li­tät, un­ab­hän­gig und vor al­lem viel­sei­tig“.

ZKM zeigt „Kunst, die im We­ge steht“

Noch bis 20. Au­gust ist die Lü­pertz-Aus­stel­lung im ZKM zu se­hen. Ob der Künst­ler in Karls­ru­he in ei­ni­gen Jah­ren dann so­gar sei­ne ei­ge­ne un­ter­ir­di­sche Kunst­mei­le be­kommt, wird nach der mit deut­li­cher Mehr­heit ge­fal­le­nen Ge­mein­de­rats­ent­schei­dung vor al­lem da­von ab­hän­gen, ob die pri­va­te Initia­ti­ve lie­fern kann: Das Pro­jekt soll durch Spen­den und Spon­so­ren fi­nan­ziert wer­den. Zu­sa­gen für über ei­ne hal­be Mil­li­on Eu­ro – die Hälf­te der ge­schätz­ten Kos­ten – hat An­ton Goll schon zu­sam­men.

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