Sport­kom­men­tar

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Pe­ter Trebing

Es sei für ihn ein „Keu­len­schlag“ge­we­sen, sag­te der ehe­ma­li­ge For­mel-1-Pi­lot Ger­hard Ber­ger nach der An­kün­di­gung von Mer­ce­des, sich En­de 2018 aus der Deut­schen Tou­ren­wa­gen-Meis­ter­schaft (DTM) zu­rück­zu­zie­hen. Klar, Ber­ger ist Chef des DTM-Ver­mark­ters ITR und da­mit mas­siv von der Ent­wick­lung be­trof­fen, die so über­ra­schend gar nicht ist. Denn Mer­ce­des stellt sein Mo­tor­sport-En­ga­ge­ment ja nicht ein, son­dern wech­selt in ein Seg­ment, das für al­le Au­to­mo­bil­her­stel­ler de fac­to die Zu­kunft ist: Das Fah­ren mit Elek­tro­au­tos. Des­halb klingt es auch ein we­nig wie das Pfei­fen im Wal­de, wenn Ber­ger ver­kün­det: „Man darf jetzt nicht in Pa­nik ver­fal­len.“Muss man tat­säch­lich nicht – doch Ge­dan­ken um die ei­ge­ne Zu­kunft sind im DTM-La­ger durch­aus an­ge­bracht. So­fern es so et­was wie ei­ne Zu­kunft über­haupt ge­ben wird. Gan­ze drei Her­stel­ler (Mer­ce­des, Au­di, BMW) sind in der po­pu­lä­ren Mo­tor­spor­tKlas­se ver­tre­ten. Und mehr wer­den es auch si­cher nicht mehr wer­den. Dass sich Au­di und BMW nach der Mer­ce­des-An­kün­di­gung mit Treu­e­be­kennt­nis­sen zu­rück­hiel­ten, spricht Bän­de. Für die DTM ist der Mer­ce­des-Aus­stieg ziem­lich si­cher der An­fang vom En­de. Für die „Ben­zi­ner“ist die For­mel 1 der­zeit das größ­te Zug­pferd, doch auch da dürf­te die letz­te Pha­se schon bald ein­ge­läu­tet wer­den. Groß­bri­tan­ni­en et­wa will ab 2040 den Ver­kauf von Ben­zin- und Die­sel­fahr­zeu­gen ver­bie­ten, Vol­vo setzt schon ab 2019 ein deut­li­ches Si­gnal. Dann wol­len die Schwe­den nur noch Au­tos mit Hy­bri­do­der Elek­tro­an­trieb pro­du­zie­ren. Er­go ist das En­ga­ge­ment der Au­to­her­stel­ler in der For­mel E nicht nur lo­gisch, son­dern auch kon­se­quent. Hier kann man sein Image auf­po­lie­ren, das ei­ge­ne Pro­fil als Vor­rei­ter in der E-Mo­bi­li­tät schär­fen, denn dort wird man in Zu­kunft sehr viel Geld ver­die­nen. Und im sport­li­chen Wett­be­werb kann man Punk­te ge­gen die Kon­kur­renz sam­meln. At­trak­ti­ve Renn­stre­cken in Ber­lin, New York oder Paris un­ter­strei­chen die Be­deu­tung der „elek­tri­schen Re­vo­lu­ti­on“, wie der For­mel-E-Ge­schäfts­füh­rer Ale­jan­dro Agag sein Pro­jekt nennt. Vor die­sem Hin­ter­grund und der Tat­sa­che, dass ne­ben Mer­ce­des auch BMW und Au­di in die­se Renn­se­rie in­ves­tie­ren, kann Ger­hard Ber­ger noch so sehr „in die Hän­de spu­cken“wie er will – die DTM mag zwar die Ge­gen­wart re­prä­sen­tie­ren, die Zu­kunft aber ge­hört wohl der For­mel E. Zu­mal sich kurz nach Mer­ce­des mit Por­sche das nächs­te Schwer­ge­wicht dem Elek­tro-Renn­sport (ab 2019) ver­schrie­ben hat. Die Zuf­fen­hau­se­ner wer­den da­für die Kö­nigs­klas­se des Langstre­cken­sports (LMP1) ver­las­sen.

Der For­mel E ge­hört si­cher die Zu­kunft

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