Die Welt ist klein ...

... aber durch ein Mi­kro­skop wird sie plötz­lich rie­sen­groß

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sonntagskinder - Tan­ja Ka­sisch­ke

Mi­kro­kos­mos ist ein be­lieb­tes Wort für ei­nen Aus­schnitt der Welt, ei­nen Le­bens­raum mit er­kenn­ba­ren Gren­zen. Dar­in tum­meln sich Le­bens­for­men, die Au­ßen­ste­hen­de stut­zen oder stau­nen las­sen. Der Mi­kro­kos­mos er­in­nert an ein ganz ähn­li­ches Wort: das Mi­kro­skop. So heißt ein tech­nisch-op­ti­sches Ge­rät, mit dem man al­ler­kleins­te Le­be­we­sen, die Struk­tur von Zel­len oder die Gestalt ei­ner Ober­flä­che wie Wald­bo­den, Tep­pich oder die Haut ei­nes Men­schen enorm ver­grö­ßern kann. Ein Mi­kro­skop lässt For­men er­ken­nen, die für das blo­ße Au­ge un­sicht­bar sind. Ein Mi­kro­skop ist ei­ne Art Rie­sen­lu­pe. Das Wort Mi­kro­skop kommt aus dem Grie­chi­schen und be­deu­tet „Klei­nes be­ob­ach­ten“. In­dem man es groß ge­nug macht, dass

Vie­le Krank­hei­ten konn­ten ge­heilt wer­den

un­se­re Au­gen et­was er­ken­nen kön­nen. Wer Din­ge un­ter die Lu­pe nimmt oder ein­fach ei­nen Ge­gen­stand durch ein Glas mit Was­ser be­trach­tet, kommt zum sel­ben Er­geb­nis. Al­ler­dings ist ein Mi­kro­skop prä­zi­ser, denn es ver­fügt über meh­re­re Lin­sen. Mi­kro­sko­pe, wie sie in Schu­len oder an Mu­se­en ste­hen, hei­ßen Licht­mi­kro­sko­pe. In ih­ren Lin­sen bricht sich das Licht, da­durch ver­grö­ßert sich die An­sicht. Das fan­den nie­der­län­di­sche Bril­len­ma­cher vor 400 Jah­ren erst­mals her­aus. Ei­ner der ers­ten, der das Mi­kro­skop nutz­te, war der ita­lie­ni­sche Arzt Mar­cel­lo Mal­pighi. Er war der Ent­de­cker des Fin­ger­ab­drucks und stell­te fest, dass Men­schen Ge­schmacks­knos­pen auf der Zun­ge ha­ben, mit de­nen sie süß von sal­zig oder sau­er und scharf un­ter­schei­den kön­nen. Die mo­der­nen Mi­kro­sko­pe ha­ben zwei deut­sche Phy­si­ker ent­schei­dend mit­ent­wi­ckelt. Bei­de hie­ßen mit Vor­na­men Ernst. Ernst Ab­be, der aus Thü­rin­gen stamm­te und mit sei­nen Be­rech­nun­gen die Qua­li­tät und Wir­kung des Licht­mi­kro­skops ver­bes­ser­te, leb­te 1840 bis 1905. Der Hei­del­ber­ger Ernst Rus­ka, der das noch prä­zi­se­re Elek­tro­nen­mi­kro­skop er­fand, wur­de 1906 ge­bo­ren und starb 1988. So wie das Licht­mi­kro­skop das Prin­zip der Lu­pe stei­ger­te, er­wei­ter­te die Er­fin­dung des Elek­tro­nen­mi­kro­skops vor 75 Jah­ren den Nut­zen des Licht­mi­kro­skops. Bis zu ei­ner Mil­li­on Mal kann ein Elek­tro­nen­mi­kro­skop in­zwi­schen Teil­chen ver­grö­ßern. Ernst Rus­ka ver­wen­de­te statt des Lichts ei­nen Elek­tro­nen­strahl. So wie die Lin­sen in ei­nem Licht­mi­kro­skop den Licht­strahl ab­lenk­ten, bis zur am bes­ten ver­grö­ßer­ten An­sicht, mach­ten es im Elek­tro­nen­mi­kro­skop Ma­gne­te. Vor al­lem Me­di­zi­nern, aber auch Bio­lo­gen half die Er­fin­dung, mensch­li­che Zel­len ge­zielt zu er­for­von schen. Das Mi­kro­skop brach­te sie vie­len ge­fähr­li­chen Krank­hei­ten auf die Spur, be­schleu­nig­te de­ren Be­hand­lung und ret­te­te vie­len Pa­ti­en­ten das Le­ben. Bil­der ei­nes Elek­tro­nen­mi­kro­skops wer­den im­mer von ei­nem Com­pu­ter ver­ar­bei­tet. Im Licht­mi­kro­skop kann man da­ge­gen mit blo­ßen Au­ge „Klei­nes be­ob­ach­ten“, das bis zu 1 500 Mal ver­grö­ßert er­scheint.

Schon mit et­wa drei Jah­ren kön­nen Kin­der an­fan­gen, die Welt des Klei­nen zu be­ob­ach­ten und zu er­for­schen. An­fangs sind Lu­pen da­für ge­eig­net, sehr be­liebt sind so­ge­nann­te Be­cher­lu­pen. Mit dem Ein­tritt in die Grund­schu­le sind auch Mi­kro­sko­pe ei­ne Op­ti­on. Sie ver­grö­ßern viel stär­ker als ei­ne Lu­pe. Fo­to: Ado­be Stock/Ili­ke

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