Ganz weg von den Ber­gen

Als Him­mels­stür­mer durchs All­gäu auf den Spu­ren der Kö­ni­gin

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Reise & Urlaub - Kn

Sie war über­haupt nicht zeit­ge­mäß. Viel zu eman­zi­piert – zu­min­dest was das Tra­gen von Ho­sen und das Be­stei­gen von Ber­gen be­traf: Kö­ni­gin Ma­rie von Bay­ern. Als Mut­ter von Mär­chen­kö­nig Lud­wig II., dem Er­bau­er von Schloss Neu­schwan­stein, gleich viel bes­ser be­kannt. „Ich fin­de, sie ist bis­lang viel zu kurz ge­kom­men. Über Lud­wig re­det man viel. Aber oh­ne sie hätt’s ihn eben nicht ge­ge­ben“, meint Erih Göß­ler, die sich in­ten­siv mit den Wit­tels­ba­chern be­schäf­tigt. Sie zeigt Gäs­ten Bay­erns höchst­ge­le­ge­ne Stadt Füs­sen und führt sie auf die um­lie­gen­den Ber­ge bis zu den Kö­nigs­schlös­sern. Hier gibt es kaum ei­nen Weg, auf dem die Kö­nigs­fa­mi­lie nicht schon ge­gan­gen wä­re. Vor al­lem Ma­rie war ei­ne be­geis­ter­te Al­pi­nis­tin und zählt zu den ers­ten Frau­en, die sich über­haupt die Frei­heit her­aus­nah­men, Ber­ge zu er­klim­men. In ih­rer Stel­lung schick­te sich das al­ler­dings nicht. „Doch das war ih­re Ni­sche, in der sie sich ent­fal­ten konn­te“, sagt Erih Göß­ler. Am Hof in Mün­chen schüt­tel­te die Ver­wandt­schaft nur den Kopf über die ei­gen­wil­li­ge Preuß­in. Auf Schloss Fisch­bach in Schle­si­en war sie als Kind sehr na­tur­nah auf­ge­wach­sen. Ju­we­len und das hö­fi­sche Tam­tam be­deu­te­ten ihr nichts. Viel lie­ber ging sie in die Ber­ge, als sich mit ei­nem Buch hin­zu­set­zen oder sich im Thea­ter zu lang­wei­len. Als ihr Mann, Ma­xi­mi­li­an II., sie nach der Hoch­zeit das ers­te Mal ins All­gäu auf Schloss Ho­hen­schwan­gau mit­nahm, soll sie be­geis­tert aus­ge­ru­fen ha­ben: „Von den Ber­gen bin ich ganz weg!“Fort­an ver­brach­te die Fa­mi­lie ih­re Som­mer hier in ein­zig­ar­ti­ger La­ge: das Schloss ein­ge­bet­tet zwi­schen den stei­len Gip­feln der Am­mer­gau­er und All­gäu­er Al­pen, den Wie­sen, Se­en und Flüs­sen, die sich wie ein Ader­ge­flecht durch die Land­schaft zie­hen. Die Auf­ent­hal­te in der All­gäu­er Na­tur präg­te auch den spä­te­ren Bay­ern­kö­nig Lud­wig II. tief. Sei­ne Mut­ter wan­der­te viel mit ih­ren Söh­nen und ließ sich für ih­re Aus­flü­ge so­gar ein spe­zi­el­les Ge­wand mit Rock und Ho­se aus Lo­den fer­ti­gen, um leich­ter auf die Gip­fel zu kom­men. Ab die­sem Zeit­punkt war Lo­den­stoff en vogue, längst aber noch nicht die Ho­sen für Frau­en. Erih Göß­ler hat sich das Ge­wand nach­ge­näht und bie­tet ei­ne Wan­de­rung über Kö­ni­gin Ma­rie an, die auf den Al­pen­ro­sen­weg führt. Die­sen ließ ihr Mann ei­gens für sei­ne Frau an­le­gen und brach­te ihr auch ei­nen Na­men: „Al­pen­ro­sen­kö­ni­gin“. Der Säu­ling, ei­ner der mar­kan­tes­ten Ber­ge des Schloss­parks, war im­mer wie­der Wan­der­ziel der kö­nig­li­chen Fa­mi­lie und Lud­wig lieb­te die­se Aus­flü­ge – trotz der ge­na­gel­ten Berg­schu­he, die ihm schon beim Auf­stieg Blei­fü­ße be­scher­ten. Wer den kö­nig­li­chen Spu­ren fol­gen will, kann dies auf der Him­mels­stür­mer-Was­ser­läu­fer Rou­te tun, die zur Wan­der­tri­lo­gie All­gäu zählt. Das 876 Ki­lo­me­ter lan­ge Weit­wan­der­we­ge­netz führt quer durch die land­schaft­li­che Viel­falt und die un­ter­schied­li­chen Hö­hen­la­gen der Re­gi­on. Und auch mit­ten durch den Tri­lo­gie­raum Schloss­park mit Füs­sen als Por­ta­lort, an dem die Ge­schich­te rund um die Kö­nigs­schlös­ser und des­sen „Hel­den“Kö­nig Lud­wig II., star­tet. Auf den Stre­cken na­he der Stadt bie­ten sich gran­dio­se Aus­sich­ten nicht nur auf die Land­schaft, son­dern auch auf die be­rühm­ten Bau­wer­ke. „Auf den We­gen hat man die Schlös­ser fast ganz für sich al­lein“, meint Erih Göß­ler be­geis­tert, „fast ein biss­chen un­wirk­lich, wenn die so plötz­lich vor ei­nem auf­tau­chen.“

Spe­zi­el­les Ge­wand fürs Wan­dern

Für Kö­ni­gin Ma­rie war es je­den­falls das höchs­te Glück hier zu sein, da­für ver­zich­te­te sie auch auf je­den Lu­xus bei den Berg­tou­ren und schlief des Nachts auf der Alm auch mal im Bett der Sen­ne­rin. An der Köl­len­spit­ze im be­nach­bar­ten Ti­rol, leg­te sie die letz­ten Me­ter mit dem Berg­füh­rer klet­ternd zu­rück – oh­ne Rock, das Per­so­nal au­ßer Sicht­wei­se. Auch das noch – mehr Lie­be zu den Ber­gen geht wirk­lich nicht. Bei der Ur­laubs­pla­nung hel­fen die kos­ten­lo­se Über­sichts­kar­te so­wie das um­fangreisch­licht che 243-sei­ti­ge Ser­vice­buch mit Etap­pen­be­schrei­bung, Hö­hen­pro­fil, Berghütten und Berg­bah­nen, öf­fent­li­chem Nah­ver­kehr und Ge­päck­trans­port. Im Gast­ge­ber­ver­zeich­nis sind auf 90 Sei­ten zer­ti­fi­zier­te Un­ter­künf­te und buch­ba­re Pau­scha­len be­schrie­ben. Die­ses In­fo­ma­te­ri­al kann kos­ten­frei be­stellt wer­den.

Ver­liebt in die Ber­ge: Wan­der­füh­re­rin Erih Göß­ler schlüpft re­gel­mä­ßig in das Ko­s­tüm der baye­ri­schen Kö­ni­gin Ma­rie. Die war ei­ne be­geis­ter­te Wan­de­rin.

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