Erns­te Schwa­ben, ge­chill­te Ba­de­ner ?

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Aktuel - Tho­mas Liebs­cher

Bei ei­ner Fahrt durchs Alb­tal pas­siert man am „St­ein­häus­le“nicht nur die Ge­mar­kungs­gren­ze zwi­schen Mar­x­zell und Bad Her­re­n­alb so­wie (noch) die Kreis­gren­ze Calw/Karls­ru­he. Am „St­ein­häus­le“ist auch die al­te Tren­nungs­li­nie zwei­er ehe­ma­li­gen Län­der mar­kiert, die Gren­ze zwi­schen Ba­den und Würt­tem­berg. Die Gar­ten­schau in Bad Her­re­n­alb ist al­so gut er­reich­bar von bei­den Sei­ten. Tat­säch­lich spa­zie­ren dort hör­bar die Ale­man­nen aus Büh­ler­tal ne­ben den Göp­pin­ger Schwa­ben. Karls­ru­her und Heil­bron­ner wer­den im Lo­kal zu Nach­barn. Beim Bar­fuß­spa­zie­ren in der re­na­tu­rier­ten Alb plät­schert „Völ­ker­kun­de“mit. Paa­re, Pas­san­ten und Fa­mi­li­en ta­xiert man gern auf ba­disch oder würt­tem­ber­gisch. Schwie­rig wird es, wenn das in­di­vi­du­el­le Be­äu­gen in grund­sätz­li­che Ge­dan­ken mün­det. Wie ti­cken nun die Men­schen im Süd­wes­ten, fragt And­re­as Braun in sei­nem Buch „Ba­den-Würt­tem­berg für An­fän­ger“(Sil­ber­burg-Ver­lag“). Mit „hei­te­rer Ernst­haf­tig­keit“, wie er sagt, spürt der Au­tor den Leu­ten die­ses Bun­des­lan­des nach. Die wür­den im Rest Deutsch­lands oft als „hei­mat­ver­bun­den, tra­di­ti­ons­be­wusst und auch ein biss­le pro­vin­zi­ell“wahr­ge­nom­men. Klein­geis­ti­ger Pa­trio­tis­mus be­feu­re­re zu­dem die Vor­ur­tei­le zwi­schen Ba­de­nern und Schwa­ben. Die „mög­li­cher­wei­se nicht aus der Luft ge­grif­fe­nen Kli­schees“be­sa­gen: Ba­de­ner sind welt­of­fen, um­gäng­lich, gast­freund­lich, ge­chillt und ge­nie­ßend. Würt­tem­ber­ger gel­ten als schaf­fig, spar­sam, ernst­haft und recht­ha­be­risch. Ge­schickt er­wähnt Braun man­che Zu­schrei­bung, oh­ne sich fest­zu­le­gen, ob sie stimmt. Und wür­den nicht Au­ßen­ste­hen­de mer­ken, dass die Un­ter­schie­de zwi­schen Ein­hei­mi­schen gar nicht groß sind? Der Ge­schäfts­füh­rer von Tou­ris­mus Mar­ke­ting Ba­den-Würt­tem­berg sieht zwar ge­wis­se Klein­geis­tig­keit über­all, wen­det sol­che Ei­gen­schaf­ten je­doch gern ins Po­si­ti­ve: Das ver­meint­lich Klein­ka­rier­te ist ge­leb­te Nach­hal­tig­keit. Und der Brudd­ler wohl­tu­end ge­gen­über dem go­ckel­haf­ten Über­flie­ger. Sol­che Ge­dan­ken und viel Lan­des­in­for­ma­ti­on lie­fert das Buch im klu­gen Plau­der­ton. Aber dass der Reut­lin­ger Braun bei den ak­tu­el­len Per­sön­lich­kei­ten aus dem Länd­le den welt­be­rühm­ten Ba­de­ner Jo­gi Löw nur mit we­ni­gen Wor­ten wür­digt, je­doch die schwä­bi­sche Schwert­gosch Gün­ther Oet­tin­ger wort­reich zum „mus­ter­gül­ti­gen Re­prä­sen­tan­ten sei­nes Hei­mat­lan­des“sti­li­siert – das muss nun wirk­lich nicht sein.

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