Auf­ge­fal­len

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Aktuell - Tho­mas Liebs­cher

Grö­ße­re An­schaf­fun­gen sind nor­ma­ler­wei­se ein gu­tes Ge­sprächs­the­ma im Fa­mi­li­en­und Freun­des­kreis. Die neue Kü­che nach 20 Jah­ren, fri­sche Sitz­mö­bel oder auch Elek­tro­nik-Ge­rä­te stellt man ger­ne vor. Mit et­was Un­der­state­ment und Be­grün­dun­gen, war­um die An­schaf­fung jetzt not­wen­dig war. An­ge­ben mit dem al­len möch­te man ja nicht, aber durch­aus in Ge­sel­lig­keit in­for­mie­ren. Nur über ei­ne durch­aus in­ter­es­sie­ren­de An­schaf­fung mit län­ge­rer Lie­fer­zeit woll­te ich in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten mög­lichst nicht spre­chen. Es war nicht nur schwie­rig, son­dern so­gar pein­lich, über die „schmut­zi­ge Sa­che“zu re­den. Sie ah­nen schon, es geht um ein neu­es Au­to. Wun­der­bar sind au­to­freie Or­te wie Ve­ne­dig oder Braun­wald in der Schweiz. Auf­ent­hal­te dort brin­gen Ge­nuss, wun­der­bar wohl das Le­ben in so ei­ner Um­ge­bung. Wenn man es sich leis­ten könn­te. Wer wei­ter in un­se­rer Re­gi­on mit viel Mo­bi­li­tät wohnt, der kommt nach neun Jah­ren und Hun­dert­tau­sen­den von Ki­lo­me­tern mit ei­nem Die­sel schon mal auf die Idee, ei­nen neu­en Wa­gen an­zu­schaf­fen. Und die Lust auf ei­nen be­stimm­ten Ty­pen hat sich an­ge­sam­melt. Wenn Sie ver­ste­hen, was ich mei­ne. Auch wenn man sein Herz nicht an Din­ge hän­gen soll , weil die auf Dau­er ja nicht glück­lich ma­chen. Im Win­ter reif­te die Ent­schei­dung. Die Aus­stat­tung des nicht nur ver­nünf­ti­gen Wa­gens aus dem deut­schen „Au­to­kar­tell“wur­de zu­sam­men­ge­stellt. Aber das gu­te Stück noch nicht gleich be­stellt. Weil sie los­gin­gen, die Dis­kus­sio­nen um Fahr­ver­bo­te und neue Ab­gas­be­trü­ge­rei­en. Al­le al­ten Au­tos, je­doch nicht Lkw und Bus­se, wa­ren plötz­lich Dreck­schleu­dern. Leu­te, die seit Jahr­zehn­ten und wohl künf­tig in Die­sel-Ta­xis zu Talk­shows fah­ren, ver­kün­de­ten das En­de des Ver­bren­nungs­mo­tors. Al­so hieß es, ab­war­ten und prü­fen, wel­che CO2 und NOx-Wer­te man mit sei­nem Ge­wis­sen ver­ein­ba­ren kann. Wohl in ei­ner Pha­se der Um­nach­tung wur­de doch be­stellt. Je­ne paar Leu­te, die vom neu­en Au­to er­fuh­ren, frag­ten aus­nahms­los zu­rück: „Es ist aber kein Die­sel, oder?“Dann sag­te ich tap­fer „doch“und er­zähl­te sau­be­re Sa­chen, von SCR-Tech­nik und dass für Ab­gas­rei­ni­gung im Wa­gen mehr Harn­stoff ste­cke als in ei­nem Klein­kran­ken­haus. Über­haupt ist ein Ben­zi­ner schlech­ter fürs Welt­kli­ma. Der Mensch braucht Wis­sen, Glau­ben und Du­sel. Der al­te Wa­gen hat­te Eu­ro-5, zu gut für die jetzt aus­ge­lob­ten Kauf­prä­mi­en. Es ist schwie­rig, der­zeit kein Die­selDus­sel zu wer­den.

Es ist aber kein Die­sel, oder?

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