Mit Greif­vö­geln auf Beiz­jagd

Ste­phan Wun­der­lich aus Mug­gen­sturm ist Falk­ner mit Leib und See­le

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - Patri­cia Klatt

Ich ha­be noch nie er­lebt, dass je­mand auf die Beiz­jagd, das heißt, zur Jagd mit ei­nem Greif­vo­gel, mit­ge­ge­gan­gen ist und nicht be­geis­tert da­von war.“Ste­phan Wun­der­lich ist Falk­ner mit Leib und See­le und die Lie­be zu den Greif­vö­geln be­glei­tet ihn schon fast sein gan­zes Le­ben lang. Be­reits als Sechs­jäh­ri­ger sei er mit ei­nem Falk­ner in St­ein­mau­ern mit­mar­schiert, er­in­nert sich Wun­der­lich. Zur Zeit le­ben bei ihm in Mug­gen­sturm ein Uhu, der ge­sund ge­pflegt wer­den muss, und ein St­ein­ad­ler, den man lie­ber mit ge­büh­ren­dem Ab­stand in sei­ner Vo­lie­re be­wun­dert. Den Ad­ler hat Ste­phan Wun­der­lich erst im März von ei­nem Kol­le­gen über­nom­men. Trotz­dem lässt sich der Greif­vo­gel für ein Foto be­reit­wil­lig vom Falk­ner auf­neh­men und die bei­den wir­ken sehr ver­traut mit­ein­an­der. Die An­fän­ge der Falk­ne­rei la­gen vor rund 4 000 Jah­ren in Chi­na. Schon im al­ten Ba­by­lo­ni­en wur­de die­se Form der Jagd aus­ge­übt, wie Pa­py­rus­fun­de zei­gen. Im Mit­tel­al­ter wa­ren die Beiz­jagd und die Falk­ne­rei weit ver­brei­tet. Sie wur­den bis ins 18. Jahr­hun­dert hin­ein vom Adel sehr ge­schätzt und mit gro­ßem Auf­wand be­trie­ben. In den fol­gen­den Jahr­hun­der­ten nahm die Be­deu­tung al­ler­dings mehr und mehr ab. 1921 grün­de­te sich dann der Deut­sche Fal­ken­or­den (DFO) mit dem Ziel, „ei­ne al­te Kunst wie­der auf­zu­neh­men und den Men­schen die Au­gen für die Schön­heit der Na­tur und ins­be­son­de­re der Greif­vö­gel zu öff­nen“. Heu­te hat die mo­der­ne Falk­ne­rei ein ho­hes Ni­veau er­reicht, „Jä­ger­prü­fung und Falk­ner­prü­fung sind die Vor­aus­set­zung für den Falk­ner­jagd­schein, und nur, wer den be­sitzt, darf die Beiz­jagd aus­üben“, sagt Ste­phan Wun­der­lich, der auch der Vor­sit­zen­de des 2014 ge­grün­de­ten Ba­den-Würt­tem­ber­gi­schen Lan­des­ver­ban­des des DFO ist. Der Ver­band hat rund 130 Mit­glie­der, da­von sind 40 ak­ti­ve Falk­ner. „Je­des Jahr mel­den sich cir­ca 15 Leu­te für den Lehr­gang zum Er­werb des Falk­ner­scheins an. Da­bei sind aber auch vie­le, die das aus In­ter­es­se ma­chen, wie zum Bei­spiel Tier­ärz­te, und die nicht Mit­glied im DFO sind“, er­klärt Wun­der­lich, der sel­ber für ei­nen Teil der mehr­mo­na­ti­gen Aus­bil­dung ver­ant­wort­lich ist. Mehr Sach­kennt­nis sei gar kei­ne schlech­te Sa­che, „denn ich bin auch schon ge­ru­fen wor­den, um ei­nen ver­meint­li­chen Greif­vo­gel ab­zu­ho­len, der sich dann als Mau­er­seg­ler ent­pupp­te“. Die Jagd mit den Vö­geln ist das ei­ne, das an­de­re sind die Auf­fang- und Aus­wil­de­rungs­sta­tio­nen, die vom DFO be­trie­ben wer­den. „Wir küm­mern uns in Karls­dorf-Neuthard pro Jahr um 150 Vö­gel, mit stei­gen­der Ten­denz“, so Wun­der­lich Die­se Ent­wick­lung hängt sei­nes Erach­tens auch mit der Ur­ba­ni­sie­rung von Greif­vö­geln und Eu­len zu­sam­men: „In der Stadt wer­den die Tie­re vom Men­schen ge­fun­den, im Wald dann eher vom Fuchs“. Mo­men­tan ist ein Ter­zel in der Sta­ti­on, der von ei­ner Kat­ze oder ei­nem Mar­der in den Po ge­bis­sen wur­de und als Fol­ge al­le Schwanz­fe­dern ver­lo­ren hat. „Bis er wie­der fit ist, dau­ert es ei­ne Wei­le. Und so ein Vo­gel braucht dann vor der Aus­wil­de­rung un­be­dingt ein vor­be­rei­ten­des Trai­ning, weil sich die Brust­mus­ku­la­tur schnell ab­baut“. Der Falk­ner be­tont: „Man muss si­cher­stel­len, dass ein Vo­gel über­haupt lan­ge und gut ge­nug flie­gen und ja­gen kann, be­vor man ihn wie­der frei­lässt“– sonst ha­be der Vo­gel in der Frei­heit kei­ne Chan­ce. So fas­zi­nie­rend die Ar­beit mit den Greif­vö­geln auch sei , na­tür­lich ge­be es auch Wi­der­stän­de da­ge­gen, Tier­schutz und Na­tur- und Um­welt­schutz­sze­ne stün­den der Falk­ne­rei eher ab­leh­nend ge­gen­über. Man­ches be­ru­he auf Vor­ur­tei­len, man­ches sei aber auch da­durch be­dingt, dass in der öf­fent­li­chen Wahr­neh­mung die Gren­zen zwi­schen Falk­nern und „Schaufalk­nern“oft­mals ver­schwim­men, be­dau­ert Wun­der­lich. Da­bei ha­be die Beiz­jagd vie­le Vor­tei­le, ein Kol­le­ge von ihm ha­be et­wa im Kai­ser­stuhl mit sei­nem Wan­der­fal­ken die Saat­krä­hen ver­grämt: „Wenn sich ein Wan­der­fal­ke am Him­mel zeigt, dann sind die Krä­hen für ei­ne gan­ze Wei­le ver­schwun­den. Das ist doch ei­ne ele­gan­te Lö­sung des Krä­hen­pro­blems“.

Sehr ver­traut mit­ein­an­der wir­ken Ste­phan Wun­der­lich und der St­ein­ad­ler, den er im März „über­nom­men“hat. Die Kap­pe zog er dem Vo­gel vor al­lem zum Schutz der Be­su­che­rin vom SONN­TAG auf. Foto: Klatt

Ein Fal­ke auf der Beiz­jagd: Die tra­di­ti­ons­rei­che Jagd mit aus­ge­bil­de­ten Greif­vö­geln auf Wild in sei­nem na­tür­li­chen Le­bens­raum hat nach Mei­nung von Ste­phan Wun­der­lich vie­le Vor­tei­le. Foto: Frank Sei­fert

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