„Zwi­schen Schrei­häl­sen“

Fran­cis Ros­si über Wa­cken, den Br­ex­it und sei­ne ita­lie­ni­schen Vor­fah­ren

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Tips & Themen -

Den Mu­sik-Olymp hat Fran­cis Ros­si längst er­klom­men. Nach mehr als 50 Jah­ren im Mu­sik­ge­schäft, mehr als 100 ver­öf­fent­lich­ten Singles so­wie et­li­chen Live- und Stu­dio­al­ben muss der Front­mann der le­gen­dä­ren Grup­pe Sta­tus Quo nichts mehr be­wei­sen. Im In­ter­view er­zählt der 68Jäh­ri­ge, was ihn trotz­dem wei­ter­ma­chen lässt, was er vom Br­ex­it hält und war­um Frau­en die bes­se­ren Pro­blem­lö­ser sind. Schmei­chelt es Ih­nen, wenn Sie auf der Stra­ße er­kannt, nach Sel­fies oder Au­to­gram­men ge­fragt wer­den? Ros­si:

Fran­cis Ros­si: Wenn es pas­siert, nervt es mich, wenn nicht, eben­falls (lacht). Ich bin da in­ner­lich zer­ris­sen. 1966 hat­ten Sie ih­ren ers­ten Plat­ten­ver­trag in der Ta­sche. Heu­te kön­nen Bands on­li­ne be­rühmt wer­den und ih­re Mu­sik auf Platt­for­men wie „Youtube“oder „Sound­cloud“ver­brei­ten. Schö­ne neue Welt?

Ros­si: Erst fand ich das toll. Aber am En­de ist es wie im Su­per­markt. Da gibt es so ei­ne gi­gan­ti­sche Aus­wahl an Müs­li, dass man sich für keins mehr be­wusst ent­schei­den kann. Das macht der Ka­pi­ta­lis­mus mit al­lem: über­trei­ben, bis die Din­ge ih­re Be­son­der­heit ver­lie­ren. Ros­si: Vor ein paar Ta­gen spiel­ten Sie in Wa­cken. 75 000 Me­talheads flu­te­ten ei­ne Kle­in­stadt mit et­wa 1 800 Ein­woh­nern.

Ros­si: Dass wir da zwi­schen den gan­zen Schrei­häl­sen auf­tra­ten, führt mir noch ein­mal vor Au­gen, dass ich ein Pop­mu­si­ker bin. Ich mag Pop, Coun­try, Blues: Mu­sik, zu der man sin­gen kann. Die Idee, sich auf die Büh­ne zu stel­len und zu grun­zen: Da­hin­ter ste­hen Män­ner, die von ih­ren Ge­schlechts­tei­len ge­steu­ert wer­den. Das ist Im­po­nier­ge­ha­be. Reisen zwi­schen Deutsch­land und En­g­land könn­ten bald kom­pli­zier­ter wer­den. Was den­ken Sie über den Br­ex­it?

Als der Br­ex­it be­schlos­sen wur­de, wa­ren wir ge­ra­de in Nor­we­gen. Da ha­be ich auf der Büh­ne ge­sagt: Ihr seht hier ei­ne Band, die mal eu­ro­pä­isch war. Je­der hat ge­lacht. Jetzt ist das nicht mehr lus­tig. Das ist ein Rie­sen­feh­ler. Ich se­he auch, dass es Pro­ble­me gibt mit der Struk­tur der EU. Aber ich mag die Idee, dass wir al­le zu­sam­men­ge­hö­ren. Das ist schließ­lich ein Pro­jekt für die Zu­kunft, für et­was, das wir in 60, 70 oder 100 Jah­ren sein wol­len. Sie ha­ben iri­sche und ita­lie­ni­sche Vor­fah­ren. Wel­chen Be­zug ha­ben Sie zu ih­rer Ab­stam­mung?

Bis ich sie­ben war, war ich Ita­lie­ner. Wenn ich heu­te die Spra­che spre­che, muss ich in Ge­dan­ken erst aus dem Eng­li­schen über­set­zen. Mei­ne Groß­mut­ter hat im­mer auf Ita­lie­nisch über die „dum­men Bri­ten“ge­schimpft. Wir al­le wach­sen mit Ras­sis­mus

auf, auch wenn wir es gar nicht mer­ken. Im iri­schen Teil der Fa­mi­lie hat­ten al­le ei­ne gro­ße Klap­pe, wie ich, und ver­such­ten im­mer lus­tig zu sein. Pas­ta oder Irish Stew?

Ros­si: (Lacht) Ganz klar, Pas­ta! Nach der Tour im ver­gan­ge­nen Jahr woll­ten Sie ei­gent­lich in Ren­te ge­hen. Was ist pas­siert?

Ros­si: Wir wa­ren un­ter­wegs und zwi­schen­drin ist Rick Par­fitt ge­stor­ben. Schließ­lich wur­de er durch Ri­chie Ma­lo­ne er­setzt und die gan­ze Kon­stel­la­ti­on hat sich ge­än­dert: wer wo auf der Büh­ne steht, aber nicht nur das. Es hat sich et­was in der Band ge­än­dert. Und jetzt sit­ze ich hier und ge­nie­ße es. Ich hat­te nicht er­war­tet, es zu ge­nie­ßen, weil ja al­les zur Nor­ma­li­tät wird. Rick hat da im­mer drun­ter ge­lit­ten. Ver­mis­sen Sie Rick Par­fitt manch­mal?

Ros­si: Al­les, was zwi­schen uns war, ha­ben wir mit­ein­an­der be­spro­chen. Au­ßen­ste­hen­de wer­den un­se­re Be­zie­hung nie ver­ste­hen. Er ist nicht mehr da, wir ver­mis­sen ihn. Aber so ist das Le­ben. avs Fran­cis Ros­si wur­de am 29. Mai 1949 in London ge­bo­ren und ist der Front­mann der Rock­grup­pe Sta­tus Quo. Am 13. De­zem­ber spielt die Band im Fest­spiel­haus Ba­den-Ba­den.

Seit Jahr­zehn­ten der Kopf von Sta­tus Quo: Fran­cis Ros­si. Im De­zem­ber spielt die Band im Fest­spiel­haus in Ba­den-Ba­den – und zwar un­ter dem Mot­to „Aquostic Live“. Foto: avs

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.