Oh­ne In­stru­men­te

Bern­hard Lüt­ke: A-cap­pel­la-Lie­der für Kin­der

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sonntagskinder -

Spielst du ein In­stru­ment? Die Fra­ge be­zieht sich nor­ma­ler­wei­se auf Kla­vier, Gi­tar­re, Gei­ge und Co. Ver­ges­sen oder ver­nach­läs­sigt wird häu­fig die Stim­me. Auch sie zählt als In­stru­ment, das man prak­ti­scher­wei­se im­mer da­bei hat, un­kom­pli­ziert auf­be­wah­ren kann und im Flug­zeug nicht se­pa­rat ein­che­cken muss. Mu­sik oh­ne be­glei­ten­de In­stru­men­te heißt „a cap­pel­la“. Die Songs be­ste­hen rein aus Ge­sang, klin­gen aber so, als sei­en In­stru­men­te be­tei­ligt, wie bei ei­ner Mu­sik­ka­pel­le oder Band. Der Aus­druck „a cap­pel­la“ist Ita­lie­nisch und be­deu­tet „nach Art der Ka­pel­le“, weil sich be­glei­ten­de In­stru­men­te nach den Sing­stim­men rich­ten. Mit der Stim­me wei­te­re In­stru­men­te zu er­set­zen, klingt ein­fach, ist aber enorm schwie­rig. Bern­hard Lüt­ke aus Ber­lin zählt zu den ganz we­ni­gen A-cap­pel­la-Kin­der­lie­der­ma­chern. Von ihm stammt „Roll­trep­pen­max“, der Jun­ge mit der hell­blau­en Müt­ze, der an je­dem Tag der Wo­che ir­gend­wo in der Stadt Roll­trep­pe fährt, im Kauf­haus, im Mu­se­um, am Flug­ha­fen, und über­all „ei­ne Rol­le Klo­pa­pier“ein­steckt. Die Ge­schich­te zum Lied ver­rät Bern­hard Lüt­ke im In­ter­view. Hal­lo Bern­hard, wie wür­dest Du Dei­nen Be­ruf ge­nau be­zeich­nen? Was machst Du, wenn Du kei­ne Lie­der schreibst?

Bern­hard Lüt­ke: Hal­lo, ich bin Bum­mel­kas­ten und mein Be­ruf ist Bum­mel­kas­ten­ma­cher. Wenn ich kei­ne Stü­cke schrei­be, dann ver­geu­de ich ger­ne mei­ne Zeit. kla Was ist denn ein Bum­mel­kas­ten?

Lüt­ke: Vi­el­leicht ir­gend­was Ecki­ges, Kan­ti­ges, wo­mit oder wo­rin man Zeit ver­bringt. Es ist mein Künst­ler­na­me.

Das Lied war in sei­ner Ur­ver­si­on ein Ge­burts­tags­ge­schenk für ei­nen Freund und Haus­mit­be­woh­ner. Wenn der „mal muss­te“, ging er – vor al­lem im Win­ter – re­gel­mä­ßig ins Kauf­haus und dort im Un­ter­ge­schoss aufs Klo, weil’s bei uns im Haus nur un­ge­müt­li­che Au­ßen­k­los gab. Aus Geld­man­gel und Ge­mein­schafts­sinn hat er sich auch gleich im­mer ei­ne Klo­pa­pier­rol­le ein­ge­steckt, für den häus­li­chen Vor­rat. Das ha­be ich dann wei­ter­ge­spon­nen.

Du meinst, ob ich je­den Tag ir­gend­wo Roll­trep­pe ge­fah­ren bin und mir aus öf­fent­li­chen Toi­let­ten Klo­pa­pier­rol­len ge­klaut ha­be? Nein. Ich war mal so, mal so, und bin es auch heu­te noch. Nein. Das ist mo­derns­te Com­pu­ter­trick­tech­nik. Ich hab’s mir vor­ge­nom­men und so­lan­ge rum­pro­biert, bis ich es konn­te. Ja, so kann man sich das un­ge­fähr vor­stel­len.

Zwei sehr gu­te Fra­gen! Al­so: Be­we­gung er­zeugt Rei­bung. Rei­bung er­zeugt Lö­cher. Zur zwei­ten Fra­ge: Lei­der nein.

Bern­hard Lüt­ke ist ei­ner der ganz we­ni­gen A-cap­pel­la-Kin­der­lie­der­ma­cher Deutsch­lands. Sein Vi­deo „Kommt ihr bit­te?“han­delt da­von, wie oft El­tern ih­re Kin­der ru­fen müs­sen, bis sie hö­ren. Im Vi­deo schrumpft ein Com­pu­ter­trick die er­wach­se­nen Darstel­ler auf Kin­der­grö­ße. Nur Bern­hard be­hält sei­ne ori­gi­na­le Grö­ße. Foto: pr

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.