Hoff­nungs­trä­ger sitzt auf der Bank

Ju­li­an Na­gels­mann fast schon un­er­setz­lich

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Pe­ter Tre­bing

Nein, bei 1899 Hof­fen­heim ist nicht die Mann­schaft der Star – im Kraich­gau ge­bührt die­se Rol­le ein­zig und al­lei­ne dem Trai­ner. So ziem­lich al­les dreht sich dort in­zwi­schen um Shoo­tin­gs­tar Ju­li­an Na­gels­mann. Der hat sich mit ge­ra­de ein­mal 30 Jah­ren Le­bens­er­fah­rung in Hof­fen­heim schon den Sta­tus „(ver­mut­lich) un­er­setz­lich“er­ar­bei­tet. In den 48 Bun­des­li­ga-Spie­len, für die er seit Fe­bru­ar 2016 bei 1899 als Trai­ner ver­ant­wort­lich war, ver­lor er mit sei­nem Team nur zehn­mal. Er ret­te­te 1899 Hof­fen­heim in sei­ner ers­ten Sai­son vor dem Ab­stieg, wur­de in der ab­ge­lau­fe­nen Run­de Vier­ter mit der TSG und zum Trai­ner der Sai­son ge­wählt. Nicht zu ver­ges­sen: Na­gels­mann wur­de mit den Hof­fen­hei­mer A-Ju­nio­ren 2014 deut­scher Meis­ter, ein Jahr spä­ter Vi­ze­meis­ter. Kei­ne Fra­ge, der Hoch­be­gab­te aus Lands­berg am Lech ist ei­ne Aus­nah­me­er­schei­nung im deut­schen Fuß­ball und na­tio­nal und in­ter­na­tio­nal heiß be­gehrt. „So ei­nen au­ßer­ge­wöhn­li­chen Trai­ner in ei­nem re­la­tiv klei­nen Club zu hal­ten, ist aus­ge­schlos­sen. Da ma­che ich mir kei­ne Il­lu­sio­nen“, sag­te Dietmar Hopp der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung. Der star­ke Mann im Kraich­gau glaubt nicht, dass Ju­li­an Na­gels­mann bis zum Ver­trags­en­de im Som­mer 2021 zu hal­ten ist. Na­gels­mann gilt als her­vor­ra­gen­der Tak­ti­ker und Ta­lent­ent­wick­ler mit Mut. Sein aus­ge­zeich­ne­tes Image macht schon jetzt in man­chen Trans­fer­ver­hand­lun­gen den ent­schei­den­den Un­ter­schied aus. Bay­ern-Neu­zu­gang Ser­ge Gn­ab­ry muss­te je­den­falls nicht lan­ge über­le­gen, als fest­stand, dass die Münch­ner ihn we­gen der gro­ßen Kon­kur­renz im Ka­der ger­ne noch ein Jahr aus­lei­hen wür­den. Er heu­er­te bei 1899 Hof­fen­heim für ei­ne Sai­son we­gen der sport­li­chen Per­spek­ti­ven und we­gen Na­gels­mann an. Ke­rem De­mir­bay, San­dro Wa­gner, Na­diem Ami­ri, Je­re­my Tol­jan und Co mach­ten bei ihm zum Teil er­staun­li­che Ent­wick­lun­gen durch. Dass er mit Ni­k­las Sü­le, Se­bas­ti­an Ru­dy (bei­de zu Bay­ern München), Fa­bi­an Schär (De­por­tivo La Cor­u­na) und Pir­min Sch­weg­ler (Han­no­ver 96) in die­sen Som­mer vier po­ten­zi­el­le Stamm­kräf­te ver­lo­ren hat, scheint er ziem­lich ge­las­sen zu ak­zep­tie­ren. Lie­ber kon­zen­triert er sich dar­auf, die da­für kas­sier­ten 23,4 Mil­lio­nen Eu­ro sinn­voll zu re­inves­tie­ren. Mit den Ver­pflich­tun­gen von Ha­vard Nordtveit (vor­her West Ham Uni­ted; Ab­lö­se: 8,0 Mil­lio­nen Eu­ro), Ni­co Schulz (Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach; 3,0 Mil­lio­nen), Jus­tin Hoog­ma (Her­a­cles Al­me­lo; 2,7 Mil­lio­nen), Ser­ge Gn­ab­ry (vom FC Bay­ern aus­ge­lie­hen) und Flo­ri­an Gril­litsch (Wer­der Bre­men; ab­lö­se­frei) scheint dies ziem­lich gut ge­lun­gen zu sein. Jetzt fehlt ei­gent­lich nur noch, dass Na­gels­mann das nächs­te Ka­pi­tel sei­ner Er­folgs­ge­schich­te schreibt – in der Bun­des­li­ga und auf in­ter­na­tio­na­lem Par­kett.

Bei 1899 Hof­fen­heim ist der Trai­ner der Star

In nur 48 Bun­des­li­ga­spie­len als Trai­ner von 1899 Hof­fen­heim hat sich der erst 30-jäh­ri­ge Ju­li­an Na­gels­mann ei­nen au­ßer­ge­wöhn­lich gu­ten Ruf im Pro­fi­fuß­ball er­ar­bei­tet. Foto: avs

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