Das „Stil­le Post-Spiel“

Post tes­tet Ab­schied von der täg­li­chen Brief­zu­stel­lung

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite -

Die Deut­sche Post ex­pe­ri­men­tiert da­mit, Brie­fe nicht mehr je­den Werk­tag zu­zu­stel­len. An­fang Ju­li star­te­te das Un­ter­neh­men in al­ler Stil­le ein Pi­lot­pro­jekt, das die bis­he­ri­gen For­men der Brief­zu­stel­lung grund­le­gend ver­än­dern könn­te. Aus­ge­wähl­te Kun­den kön­nen da­bei wäh­len, ob sie Brie­fe als Sam­mel­zu­stel­lung an ei­nem Wo­chen­tag, an drei Wo­chen­ta­gen oder an fünf Ta­gen, dann aber an den Ar­beits­platz, ge­lie­fert be­kom­men wol­len. „Wir tes­ten neue Zu­stell­op­tio­nen, um Kun­den­be­dürf­nis­se zu er­for­schen“, sag­te ein Post­spre­cher. Er be­stä­tig­te da­mit ei­nen Be­richt des „Bon­ner Ge­ne­ral­an­zei­gers“. Der Test sol­le noch bis En­de Sep­tem­ber lau­fen und sei er­geb­nis­of­fen, hieß es bei der Post. Schon vor ei­nem Jahr war das Un­ter­neh­men we­gen an­geb­li­cher Plä­ne, die Mon­tags­zu­stel­lung zu strei­chen, in die Schlag­zei­len ge­ra­ten. Die Post möch­te her­aus­fin­den, ob die drei neu­en For­men der Zu­stel­lung bei den Post­kun­den auf frucht­ba­ren Bo­den fal­len. Da­zu hät­ten 18 ge­schul­te Brief­trä­ger in den ver­gan­ge­nen Wo­chen bun­des­weit Kun­den an­ge­wor­ben, die be­reit sei­en, in ei­ner Test­pha­se auf die täg­li­che Zu­stel­lung zu ver­zich­ten und ei­ne an­de­re Form zu wäh­len, sag­te der Spre­cher. Aus­ge­schlos­sen sei­en Ein­schrei­ben, der Ver­sand von Do­ku­men­ten oder Eil­brie­fe, die so­fort aus­ge­tra­gen wür­den. Die Di­enst­leis­tungs­ge­werk­schaft Ver­di re­agier­te post­wen­dend mit Em­pö­rung. Sie be­fürch­tet, dass sich die Deut­sche Post, die ge­setz­lich zu ei­ner flä­chen­de­cken­den Gr­und­ver­sor­gung ver­pflich­tet ist, aus ih­rer Pflicht Schritt für Schritt ver­ab­schie­den wol­le. Ver­di be­fürch­tet, dass zahl­rei­che Ar­beits­plät­ze ver­lo­ren ge­hen könn­ten. Hin­ter­grund der Plä­ne ist das schrump­fen­de Brief­ge­schäft. Die Di­gi­ta­li­sie­rung der Ge­sell­schaft mit E-Mail und Mes­sen­ger-Di­ens­ten wie WhatsApp, Face­book, Twit­ter & Co ver­drän­gen den tra­di­tio­nel­len Brief. Im Ge­schäfts­jahr 2006 wur­den noch im Schnitt 70 Mil­lio­nen Brie­fe pro Werk­tag zu­ge­stellt, zehn Jah­re spä­ter wa­ren es noch 59 Mil­lio­nen.

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