Wo Li­gu­ri­en himm­lisch ruht

Im Ar­gen­ti­na-Tal bei Im­pe­ria kann man Na­tur und Kul­tur ent­de­cken

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Reise & Urlaub - Mag mag

Das Mäd­chen am Ne­ben­tisch seufzt: „Ich kann nicht mehr.“Da­bei hat es ge­ra­de erst den vier­ten Gang vor sich – selbst ge­mach­te Taglia­tel­le mit Speck und Lauch. Und schon steht Mo­ni­ka wie­der da und will nach­le­gen. „Das ist der Mo­ment, wo die meis­ten Gäs­te auf­ge­ben wol­len“, sagt sie la­chend. Das Mäd­chen hält, wie auch die an­de­ren, tap­fer durch und isst sich tat­säch­lich durch zehn Gän­ge wun­der­ba­rer li­gu­ri­scher Spe­zia­li­tä­ten. Fast vier St­un­den dau­ert das Fest­es­sen, das Gas­tro­no­min Mo­ni­ka ih­ren rund 60 Gäs­ten in der klei­nen Trat­to­ria Gli Au­sen­da im Berg­dorf Glo­ri sams­tags und sonn­tags ser­viert. Die we­ni­gen Plät­ze sind be­gehrt und oft schon Wo­chen im Vor­aus aus­ge­bucht. Ge­ges­sen wird, was auf den Tisch kommt. Und ne­ben den Zu­ta­ten, die fast al­le aus dem ei­ge­nen Gar­ten stam­men, ist es vor al­lem Mo­ni­ka selbst, die mit ih­rer herz­li­chen Art die Kun­den be­geis­tert und sie mit viel Witz durch das Me­nü be­glei­tet. Nach dem Es­sen ist ein Spa­zier­gang durch das mit­tel­al­ter­li­che Dorf im Val­le Ar­gen­ti­na im Hin­ter­grund der Blu­men­ri­vie­ra drin­gend nö­tig. Es liegt knapp 600 Me­ter über dem Mee­res­spie­gel, zum Strand von Ar­ma di Tag­gia in der Re­gi­on Im­pe­ria sind es rund 20 Mi­nu­ten. Glo­ri mit sei­nen nur rund 100 Ein­woh­nern, ro­man­ti­schen Gas­sen und zahl­rei­chen Trep­pen, steht un­ter Denk­mal­schutz. Ei­ni­ge der Häu­ser sind re­no­viert und wer­den als Fe­ri­en­un­ter­künf­te vor al­lem von deut­schen und Schwei­zer Gäs­ten ge­nutzt. Al­ler­dings müs­sen sie gut zu Fuß sein, denn Glo­ri ist au­to­frei. Ge­päck und Ein­käu­fe wer­den zu Fuß trans­por­tiert. Ei­ne Her­aus­for­de­rung ist das vor al­lem auf dem et­wa 200 Me­ter lan­gen Weg zum ehe­ma­li­gen Priest­er­haus, das nun ei­nem eng­li­schen Me­di­en­mann ge­hört und von dem man ei­nen der bes­ten Aus­bli­cke auf das Val­le Ar­gen­ti­na und die um­lie­gen­de Berg­welt hat. Der Weg geht ei­nen Berg­hang hin­ab, ist ei­nen knap­pen Me­ter breit und gleicht ei­ner Mi­nia­tur­ver­si­on der Ser­pen­ti­nen, die von der Küs­te nach Glo­ri füh­ren. Auf bei­den We­gen wer­den die Stra­pa­zen al­ler­dings von eiZu­stand ner himm­li­schen Ru­he und dem Blick auf die Run­dun­gen der li­gu­ri­schen Al­pen wett­ge­macht. Der ge­neig­te Gast möch­te ver­wei­len und das sich stets ver­än­dern­de Na­tur­schau­spiel be­stau­nen, wenn sich zarte Wol­ken in die Tä­ler sen­ken oder sich der Him­mel li­la-oran­ge ver­färbt. Et­wa in der Mit­te zwi­schen Tag­gia und Glo­ri liegt Ba­da­luc­co, ein­ge­bet­tet in Ter­ras­sen­gär­ten, mit eben­so ro­man­ti­schen Gas­sen wie in Glo­ri. Hier ist we­sent­lich mehr los, schließ­lich ist der Ort mit sei­nen klei­nen Bars, Ge­schäf­ten und Re­stau­rants An­lauf­stel­le für Ein­woh­ner und Fe­ri­en­gäs­te aus der gan­zen Um­ge­bung. Am Orts­ein­gang emp­fängt die Oli­ven­öl­pro­duk­ti­on ROI mit ei­nem klei­nen Di­rekt­ver­kauf des eu­ro­pa­weit prä­mier­ten Öls aus den Tag­gias­ca-Oli­ven die Be­su­cher. In den 1960er und 70er Jah­ren war Ba­da­luc­co Hei­mat ei­ni­ger Künst­ler. Noch heu­te ma­chen ih­re Wer­ke an den Häu­ser­fas­sa­den auf sich auf­merk­sam, und in der klei­nen Ga­le­rie ne­ben der Kir­che kön­nen Be­su­cher die Ar­bei­ten re­gio­na­ler Schaf­fen­der kos­ten­los be­wun- dern. Ein High­light Ba­da­luc­cos ist der Fluss Ar­gen­ti­na, der mit­ten durch den Ort fließt. Vom klei­nen Park­platz aus steht man nach we­ni­gen Schrit­ten di­rekt am Ufer aus Sand und Kie­sel­stei­nen, das breit ge­nug ist, um es sich be­quem zu ma­chen. Der Fluss selbst ist ei­ne Über­ra­schung: Das Was­ser ist im Som­mer an­ge­nehm warm und mit knapp drei Me­tern Tie­fe in der Mit­te kom­men Schwim­mer und Tau­cher gleich­falls auf ih­re Kos­ten. Nach et­wa 15 Mi­nu­ten berg­ab auf der kur­ven­rei­chen, aber gut aus­ge­bau­ten Haupt­stra­ße ist Tag­gia er­reicht. Der an­ti­ke, rö­mi­sche Ur­sprung der 14 000-Ein­woh­ner-Stadt lässt sich in den en­gen, ge­pflas­ter­ten Stra­ßen, Bö­gen, Mo­nu­men­ten und St­ein­por­ta­len er­ken­nen. Se­hens­wert ist das Do­mi­ni­ka­ner­klos­ter aus dem 15. Jahr­hun­dert mit Fres­ken und Bil­dern von Lu­do­vi­co Brea und Pe­rin del Va­ga. In der Alt­stadt mit To­ren aus be­haue­nem schwar­zen St­ein fin­det ein­mal in der Wo­che ein bun­ter Markt statt. Spe­zia­li­tät sind die Oli­ven „nach Art von Tag­gia“– klei­ne, röt­li­che Früch­te, die im halb rei­fen ge­ern­tet wer­den und we­ni­ger bit­ter sind als an­de­re Sor­ten. Im an­gren­zen­den Ar­ma di Tag­gia sind das mit­tel­al­ter­li­che Flair und die Stil­le der Berg­re­gi­on end­gül­tig pas­sé. Der Ba­de­ort mit brei­tem Sand­strand und be­leb­ter Pro­me­na­de ist das Ziel von Strand­ur­lau­bern und Aus­gangs­punkt für Tou­ren ent­lang der Blu­men­ri­vie­ra. Spek­ta­ku­lär ist die Fahrt auf der Küs­ten­stra­ße bis in das 50 Ki­lo­me­ter ent­fern­te Mon­te Car­lo. Nach we­ni­gen Mi­nu­ten er­reicht man die Kur­stadt San Re­mo mit ih­ren präch­ti­gen Vil­len und dem bes­ten, aber auch teu­ers­ten Eis der Re­gi­on. In Mon­te Car­lo schließ­lich könn­te der Kon­trast zu den Berg­dör­fern Li­gu­ri­ens nicht grö­ßer sein. De­si­gner­lä­den von Guc­ci und Co rei­hen sich an­ein­an­der, und am be­rühm­ten Ca­si­no lohnt sich nicht nur der Blick hin­ein, son­dern vor al­lem ei­ner auf die Lu­xus­ka­ros­sen, die vor der Spielbank ein­ge­parkt wer­den. Zu­rück in die Stil­le Glo­ris geht es be­quem in ei­ner gu­ten St­un­de über die Au­to­bahn. Auf je­der Flug­rei­se stößt die Ma­schi­ne CO2 und an­de­re um­welt­be­las­ten­de Schad­stof­fe aus. Für wie vie­le Emis­sio­nen der ein­zel­ne Pas­sa­gier ge­nau ver­ant­wort­lich ist, lässt sich er­rech­nen. Zum ei­nen hängt es na­tür­lich von der ge­flo­ge­nen Dis­tanz ab, aber auch von der Bu­chungs­klas­se: In der Bu­si­nes­sKlas­se hat man pro­zen­tu­al ei­nen grö­ße­ren An­teil am CO2-Aus­stoß des Flie­gers. Im In­ter­net gibt es ver­schie­de­ne CO2-Rech­ner, mit de­nen sich die Emis­sio­nen pro Kopf aus­rech­nen las­sen – und zwar ziem­lich ex­akt an­hand der ge­flo­ge­nen Stre­cke. Be­rück­sich­tigt wer­den hier­bei auch an­de­re Schad­stof­fe mit Treib­haus­wir­kung, zum Bei­spiel Stick­oxi­de. Da­für wer­den die CO2E­mis­sio­nen durch den so­ge­nann­ten RFIFak­tor (Ra­dia­ti­on For­cing In­dex) ge­wich­tet. Bei den gän­gi­gen Rech­nern ist in der Re­gel aber le­dig­lich von CO2 die Re­de. Bei­spiel: Laut dem CO2-Rech­ner der ge­mein­nüt­zi­gen Ge­sell­schaft Kli­mak­tiv ist ein Pas­sa­gier auf ei­nem Eco­no­my-Flug von Düs­sel­dorf nach Mallor­ca und zu­rück für den Aus­stoß von 0,75 Ton­nen CO2 ver­ant­wort­lich. Bei Trans­at­lan­tik­flü­gen von Düs­sel­dorf nach New York und zu­rück fal­len laut Rech­ner be­reits 3,65 Ton­nen CO2 an. Die­se Zah­len sa­gen nichts aus, wenn man sie nicht in Be­zie­hung setzt. So liegt der durch­schnitt­li­che jähr­li­che CO2-Aus­stoß in Deutsch­land laut Um­welt­bun­des­amt bei 9,6 Ton­nen pro Kopf. 10,9 Ton­nen sind es, wenn man al­le Treib­haus­ga­se ein­rech­net. Ex­per­ten for­dern, dass man im Jahr 2050 bei le­dig­lich ei­ner Ton­ne Treib­haus­gas pro Kopf lan­det. Flug­rei­sen­de ha­ben die Mög­lich­keit, CO2 zu kom­pen­sie­ren. Sie zah­len da­für ei­nen Bei­trag an ei­ne Or­ga­ni­sa­ti­on, die das Geld in zer­ti­fi­zier­te treib­haus­gas­min­dern­de In­ves­ti­tio­nen vor al­lem in Ent­wick­lungs­län­dern steckt. Was der Ver­brau­cher aus­stößt, wird an­ders­wo ein­ge­spart. Ver­zicht ist je­doch stets die ers­te Wahl. Ein neu­er Ka­ta­ma­ran ist ab dem kom­men­den Jahr auf der Stre­cke zwi­schen Ham­burg und der Nord­see­insel Hel­go­land un­ter­wegs. Mit ei­ner Län­ge von gut 56 Me­tern bie­tet er bis zu 692 Pas­sa­gie­ren Platz, teil­te die Flens­bur­ger För­de Ree­de­rei See­tou­ris­tik mit. Das ist rund ein Fünf­tel mehr als der ak­tu­ell auf der Rou­te ein­ge­setz­te „Ha­lun­der Jet“. Die­ser ab­sol­viert sei­ne letz­te Fahrt am 15. Ok­to­ber. Der Nach­fol­ger ent­steht in der aus­tra­li­schen Werft Au­s­tal.

Don’t cry for me, Ar­gen­ti­na: Im ty­pisch li­gu­ri­schen Berg­dorf Ba­da­luc­co im Ar­gen­ti­na-Tal – auf hal­ber Stre­cke zwi­schen Glo­ri und Tag­gia – hat der Oli­ven­öl­pro­du­zent Roi sei­nen Sitz. Sei­ne Öle sind viel­fach aus­ge­zeich­net und un­ter Ge­nie­ßern be­gehrt. Fo­to: Frei­tag

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