De­mos für den Dia­log

Die Ka­ta­lo­ni­en-Kri­se hält wei­ter­hin ganz Spa­ni­en in Atem

Der Sonntag (Mittelbaden) - - AKTUELL -

Im Kon­flikt um die nach Un­ab­hän­gig­keit stre­ben­de spa­ni­sche Re­gi­on Ka­ta­lo­ni­en ha­ben ges­tern Zehn­tau­sen­de Men­schen bei Groß­kund­ge­bun­gen zum Dia­log auf­ge­ru­fen. Un­ter dem Mot­to „Hab­la­mos?“(Re­den wir?) ver­sam­mel­ten sich die De­mons­tran­ten vor den Rat­häu­sern zahl­rei­cher Städ­te, dar­un­ter in Ma­drid und Bar­ce­lo­na. Die meis­ten De­mons­tran­ten wa­ren in Weiß ge­klei­det und tru­gen wei­ße Schrift­bän­der und Luft­bal­lons. Im­mer wie­der bran­de­ten Sprech­chö­re auf: „Wir wol­len, dass ge­re­det wird“, hieß es. Mit Blick auf Mi­nis­ter­prä­si­dent Ma­ria­no Ra­joy und den Chef der ka­ta­la­ni­schen Re­gio­nal­re­gie­rung, Carles Pu­ig­de­mont, rie­fen die Men­schen: „Re­det oder tre­tet zu­rück!“und „We­ni­ger Hass und mehr Ge­sprä­che!“In Ma­drid fand we­ni­ge hun­dert Me­ter vom Rat­haus ent­fernt ei­ne zwei­te, noch grö­ße­re De­mons­tra­ti­on statt. Die Men­schen pro­tes­tier­ten hier ge­gen die Tren­nungs­plä­ne der wirt­schafts­star­ken Re­gi­on und für die Ein­hal­tung der Ver­fas­sung. Die Re­gie­rung be­zif­fer­te die Teil­neh­mer­zahl auf 50 000. Die zen­tra­le Pla­za Colón hat­te sich in ein Meer aus spa­ni­schen Na­tio­nal­flag­gen ver­wan­delt. „Vi­va España“und „Mit Put­schisEi­ne ten führt man kei­nen Dia­log“skan­dier­ten die Leu­te. „Ka­ta­lo­ni­en darf sich nicht ab­spal­ten, wir sind für die Ein­heit Spa­ni­ens“, sag­te ei­ne De­mons­tran­tin. Die Fron­ten zwi­schen bei­den Sei­ten sind seit dem um­strit­te­nen und von der Jus­tiz ver­bo­te­nen Un­ab­hän­gig­keits­re­fe­ren­dum am 1. Ok­to­ber ver­här­tet. Da­bei hat­ten sich rund 90 Pro­zent der Teil­neh­mer für die Ab­spal­tung der Re­gi­on aus­ge­spro­chen. Al­ler­dings wa­ren nur 43 Pro­zent der Wahl­be­rech­tig­ten zu den Ur­nen ge­gan­gen. Ra­joy lehnt seit der Volks­be­fra­gung je­den Dia­log mit Bar­ce­lo­na ab. Spa­ni­ens Au­ßen­mi­nis­ter Al­fon­so Das­tis sag­te dem Nach­rich­ten­ma­ga­zin „Der Spie­gel“, die Re­gie­rung wei­se die For­de­rung aus Bar­ce­lo­na zu­rück, den Kon­flikt mit Hil­fe in­ter­na­tio­na­ler Ver­mitt­ler zu lö­sen. „Die spa­ni­sche Re­gie­rung muss den Rechts­staat ge­gen ei­ne Re­gio­nal­re­gie­rung ver­tei­di­gen, die ei­nen Staats­streich durch­zie­hen will“, sag­te er. Des­halb hal­te er die For­de­rung nach in­ter­na­tio­na­ler Ver­mitt­lung für „nicht hilf­reich“. Ma­drid ha­be „ge­nü­gend le­ga­le Mög­lich­kei­ten“, um auf die Her­aus­for­de­rung ei­ner Un­ab­hän­gig­keits­er­klä­rung Pu­ig­de­monts zu ant­wor­ten. für Mon­tag ge­plan­te Par­la­ments­sit­zung, bei der die Er­klä­rung der Un­ab­hän­gig­keit er­war­tet wor­den war, wur­de vom spa­ni­schen Ver­fas­sungs­ge­richt am Don­ners­tag ver­bo­ten. Pu­ig­de­mont will nun Me­dien­be­rich­ten zu­fol­ge am Di­ens­tag vor dem Par­la­ment in Bar­ce­lo­na Stel­lung zur „ak­tu­el­len po­li­ti­schen La­ge“be­zie­hen. Ob er da­bei die Un­ab­hän­gig­keit aus­ru­fen oder le­dig­lich das wei­te­re Vor­ge­hen sei­ner Re­gie­rung vor­stel­len will, blieb of­fen. In­zwi­schen wächst die Sor­ge, dass Ka­ta­lo­ni­en we­gen der Kri­se mas­si­ve wirt­schaft­li­che Ein­brü­che er­lei­den könn­te. Nach der spa­ni­schen Ban­co Sa­ba­dell hat­te am Frei­tag auch die Groß­bank La Caixa ent­schie­den, ih­ren Haupt­sitz aus Ka­ta­lo­ni­en her­aus­zu­ver­le­gen. Das Geld­in­sti­tut – der größ­te Geld­ge­ber der Kri­sen-Re­gi­on – will nach Va­len­cia um­zie­hen. Auch der Ener­gie­rie­se Gas Na­tu­ral Fe­no­sa kün­dig­te an, sei­nen Sitz von Bar­ce­lo­na nach Ma­drid zu ver­le­gen. Zu­vor hat­te die Re­gie­rung ent­schie­den, Un­ter­neh­men und Ban­ken ei­nen Ab­zug aus der Kon­flikt­re­gi­on zu er­leich­tern. Sie ver­ab­schie­de­te ein De­kret, wo­nach ei­ne ent­spre­chen­de Ent­schei­dung des Auf­sichts­rats aus­reicht.

Ganz in Weiß ha­ben ges­tern Zehn­tau­sen­de Men­schen bei Groß­kund­ge­bun­gen in Spa­ni­en zum Dia­log auf­ge­ru­fen. Un­ter dem Mot­to „Hab­la­mos?“(Re­den wir?) ver­sam­mel­ten sich die De­mons­tran­ten vor den Rat­häu­sern zahl­rei­cher Städ­te, un­ter an­de­rem in Bar­ce­lo­na (Bild) und Ma­drid. Fo­to: avs

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