Hans Tho­ma: Wan­de­rer zwi­schen den Wel­ten

Viel­sei­ti­ger Hans Tho­ma im Mu­se­um LA 8

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Tho­mas Liebs­cher

Zum 70. Ge­burts­tag des Ma­lers und Kunst­pro­fes­sors be­nann­te Karls­ru­he sei­ne Lin­ken­hei­mer-Tor-Stra­ße um. Sie er­hielt 1909 den noch heu­te be­ste­hen­den Na­men Hans-Tho­ma-Stra­ße. In je­nem Jahr be­wer­te „Mey­ers Kon­ver­sa­ti­ons­le­xi­kon“den aus Bernau im Schwarz­wald ge­bür­ti­gen Künst­ler als „Lieb­lings­ma­ler des deut­schen Vol­kes.“Der Mann mit kan­ti­gem Schä­del, vol­lem Bart und ge­drun­ge­ner Fi­gur traf mit sei­nen Land­schafts­ge­mäl­den aus dem Schwarz­wald oder dem Tau­nus so­wie sei­ner Darstel­lung von ein­fa­chen Men­schen den Zeit­ge­schmack. In ei­ner Pha­se des ra­san­ten Wachs­tums von Städ­ten, In­dus­trie und neu­en tech­ni­schen Ein­rich­tun­gen zeig­te er in vie­len frü­hen Wer­ken ein Stück al­te Hei­mat. Sei­ne spä­te­ren re­li­giö­sen und my­tho­lo­gi­schen Mo­ti­ve stie­ßen auf we­ni­ger Be­geis­te­rung. In der Groß­her­zog­li­chen Ge­mäl­de­ga­le­rie Karls­ru­he, der heu­ti­gen Kunst­hal­le, ge­stal­te­te er ein Raum­kunst­werk mit Ma­jo­li­ka-Flie­sen, Glas­fens­tern und re­li­giö­sen Ge­mäl­den. Ein vom Ju­gend­stil ge­präg­ter Kunst-Tem­pel, die Hans-Tho­ma-Ka­pel­le. Der ba­di­sche Ma­ler mit lang­jäh­ri­gen Le­bens­sta­tio­nen in Mün­chen, Düsseldorf und Frankfurt wirk­te seit 1899 wie­der in Karls­ru­he, wo er 1924 starb. Hans Tho­ma als zen­tra­ler Gestalt der deut­schen Kunst­ge­schich­te wid­me­te das Frank­fur­ter Stä­del Mu­se­um 2013 ei­ne vor al­lem mit Ge­mäl­den be­stü­cke Über­blicks­schau. Das Ba­de­ner-Ba­de­ner Mu­se­um LA 8 hat ei­nen ei­ge­nen An­satz ge­fun­den und be­tont in sei­ner ak­tu­el­len Aus­stel­lung die Viel­sei­tig­keit des gro­ßen ba­di­schen Künst­lers. Hans Tho­ma wird als „Wan­de­rer zwi­schen den Wel­ten“na­he­ge­bracht. Wan­der­schaft von ei­ner Le­bens­sta­ti­on zur an­de­ren präg­te sein Le­ben, be­tont Aus­stel­lungs­ku­ra­tor Phil­ipp Kuhn. Der Wunsch nach neu­en Per­spek­ti­ven und mehr An­er­ken­nung trieb den Schwarz­wäl­der Ma­ler an. Selbst als er seit 1899 ein vom ba­di­schen Groß­her­zog be­ru­fe­ner und mit 60 Jah­ren schon ge­setz­ter Ma­ler­pro­fes­sor wur­de, be­weg­te er sich fort. Und zwar hand­werk­lich. Er pen­del­te zwi­schen ver­schie­de­nen Tech­ni­ken, selbst­ver­ständ­lich für ei­nen Ma­ler, aber eben­so zwi­schen den Küns­ten. Er ge­stal­te­te Holz­stüh­le oder Glas­fens­ter und er hat­te In­ter­es­se an Sti­cke­rei wie We­be­rei. Vor al­lem aber ar­bei­te­te er in den Jah­ren 1901 bis 1908 und noch­mals 1920/ 21 mit der Ma­jo­li­ka Ma­nu­fak­tur Karls­ru­he zu­sam­men. Tho­ma brann­te ge­ra­de­zu für die Idee, ei­ne sol­che Ke­ra­mik- her­stel­lung in Karls­ru­he zu eta­blie­ren. Denn wäh­rend sei­ner Frank­fur­ter Zeit hat­te er Kon­takt zu ei­ner klei­nen Töp­fe­rei und spä­ter zu ei­ner Ma­nu­fak­tur in Kron­berg am Tau­nus. Dort ent­stan­den Ma­jo­li­ken, al­ler­dings mit nur ge­rin­gem ge­stal­te­ri­schen An­teil von Tho­ma. Doch als er in sei­ner ba­di­schen Hei­mat die Lei­tung der Kun­stein­rich­tun­gen über­nahm, schlug er Groß­her­zog Fried­rich 1901 vor, die Kron­ber­ger Werk­statt nach Karls­ru­he zu ver­le­gen. Lust am Ex­pe­ri­ment oh­ne öf­fent­li­chen Druck ha­be Tho­ma am Ge­stal­ten von Ke­ra­mi­ken ge­schätzt. Das schreibt Ar­thur Mehl­stäu­bler im Ka­ta­log zur Ba­den-Ba­de­ner Aus­stel­lung. Tho­ma ent­warf vor al­lem Tier­dar­stel­lun­gen, sie ent­spra­chen sei­ner Vor­stel­lung von Volks­tüm­lich­keit. In den ers­ten drei Jah­ren der Ma­jo­li­ka stamm­ten 32 von 90 Ent­wür­fen vom Alt­meis­ter. Sei­ne Mit­wir­kung war Ga­rant für be­wun­der­te äs­the­tis­he An­sprü­che der neu­en Ma­nu­fak­tur. Doch schon da­mals war das nicht gleich­be­deu­tend mit ho­hem Ab­satz. Tho­ma wie das Un­ter­neh­men muss­ten man­che Hoff­nun­gen be­gra­ben. Spä­ter trenn­ten sich des­halb die We­ge wie­der. Ma­jo­li­ken, Druck­gra­fik und Zeich­nun­gen in be­ein­dru­cken­der Zahl prä­sen­tiert das Mu­se­um LA 8. Na­tür­lich gilt den­noch ein be­son­de­res Au­gen­merk den Ge­mäl­den Tho­mas. In ih­nen sieht Mu­se­ums­lei­ter Mat­thi­as Win­zen ge­ra­de kei­ne the­ma­ti­sche, an­ti­mo­der­ne und from­me Be­schrän­kung wirk­sam. Son­dern Ent­zwei­ung als kon­struk­ti­ves Prin­zip. Im­mer wie­der über­ra­sche der Künst­ler mit Ernst und Witz, Blick­um­kehr und Bruch mit Tra­di­tio­nen. Tat­säch­lich sind die Be­su­cher auf­ge­for­dert, dem eins­ti­gen Ma­ler­star, der nicht vor­schnell als Pro­vinz­ler ein­ge­schätzt wer­den soll­te, al­ler­dings auch einst für na­tio­na­lis­ti­sche Be­stre­bun­gen miss­braucht wur­de, lo­cker-kri­tisch zu be­geg­nen. Sym­bo­lik und Idyl­len soll­te man sich nach 100 und mehr Jah­ren mit we­nig Ehr­furcht vor gro­ßem Na­men in­di­vi­du­ell nä­hern. Hans Tho­ma: Wan­de­rer zwi­schen den Wel­ten. Im Mu­se­um für Kunst und Tech­nik des 19. Jahr­hun­derts Ba­den-Ba­den, Lich­ten­ta­ler Al­lee 8. Täg­lich au­ßer Mon­tag, auch an al­len Fei­er­ta­gen, 11 bis 18 Uhr. Ein­tritt sie­ben Eu­ro, Fa­mi­li­en 11 Eu­ro. Füh­run­gen sonn­tags 15 Uhr. Am 21. Ok­to­ber, um 17 Uhr, spricht Ku­ra­tor Phil­ipp Kuhn über Hans Tho­mas Le­ben. Ka­ta­log, 256 Sei­ten, 19 Eu­ro. Au­stel­lung bis 4. März. Te­le­fon (0 72 21) 50 07 960.

Fo­to: Stadt­mu­se­um/-ar­chiv Ba­den-Ba­den

Ju­ni­mor­gen – Mar­x­zell heißt die­ses Öl­ge­mäl­de von Hans Tho­ma aus dem Jahr 1911. Der Ma­ler be­saß im Alb­tal ein „Wald­häus­chen“. Von des­sen Grund­stück ist noch ein Teil des Gar­tens ge­malt. Im Alb­tal fand Tho­ma ein Stück sei­ner Bernau­er Hei­mat wie­der. Das Ge­mäl­de ist im Be­sitz der Süd­zu­cker AG, Mann­heim. Fo­to: Die­ter Con­rads

Mu­si­zie­ren­de Frau: Die­se von Hans Tho­ma be­mal­te Ma­jo­li­ka­plat­te stammt von 1903. Fo­to: Vie­ring

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