Be­son­de­re Her­aus­for­de­rung

Ei­ne „Lehr­stun­de“mit der Süd­ti­ro­ler Bi­ath­le­tin Li­sa Rat­schil­ler im Bi­ath­lon-Zen­trum Mar­tell

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sonntagskinder - Man­fred Spitz

Wei­ße Win­ter­land­schaf­ten. Klei­ne Ziel­schei­ben in ei­ner Rei­he ne­ben­ein­an­der. Da­vor Sport­ler, die ver­su­chen, im Lie­gen oder Ste­hen mit ei­nem Ge­wehr so schnell wie mög­lich ins Schwar­ze zu tref­fen, um gleich dar­auf mit ih­ren Lang­lauf­ski­ern wie­der los­zu­sprin­ten – so kennt man Bi­ath­lon aus dem Fern­se­hen. Nicht mehr lan­ge, dann be­ginnt für die Bi­ath­le­ten die neue Wett­kampf­sai­son. Um im Win­ter fit zu sein, müs­sen sie na­tür­lich über den Som­mer ei­ni­ges tun. Auch oh­ne Schnee ... Es ist En­de Au­gust, warm, und die Land­schaft grün. Im Süd­ti­ro­ler Mar­tell­tal tref­fen wir Li­sa Rat­schil­ler. Die 20-Jäh­ri­ge vom ASV Mar­tell trai­niert, wie et­li­che an­de­re jun­gen Sport­ler an die­sem Tag, im hei­mi­schen Bi­ath­lon-Zen­trum. Bis zu 25 St­un­den be­trägt im Som­mer ihr Wo­chen­pen­sum. Nur Lau­fen. Oder Rol­lerRun­den dre­hen. Im­mer und im­mer wie­der. Schieß­übun­gen kom­men dann noch da­zu. Die An­la­ge in Mar­tell mit ih­rer drei Ki­lo­me­ter lan­gen Ski­rol­ler­bahn ist bei in­ter­na­tio­na­len Mann­schaf­ten be­liebt für Trai­nings­la­ger. Auch Deutsch­lands Da­men-Na­tio­nal­team war wie­der da und hat an der Form für den be­vor­ste­hen­den Olym­pia-Win­ter ge­feilt. Zwei völ­lig un­ter­schied­li­che Sport­ar­ten mit un­ter­schied­li­chen An­for­de­run­gen in Ein­klang zu brin­gen, das ist die Her­aus­for­de­rung beim Bi­ath­lon. Wäh­rend des Lau­fens müs­sen die Ath­le­ten kör­per­lich an ih­re Gren­zen ge­hen und die Stre­cke so schnell wie mög­lich ab­sol­vie­ren. Oft er­rei­chen sie da­bei ei­nen Puls von bis zu 180 Schlä­gen pro Mi­nu­te. Wenn sie an die Schieß­an­la­ge kom­men, heißt es ent­span­nen. Blitz­schnell. Und den Schuss ak­ku­rat auf die – 50 Me­ter ent­fern­te – Schei­be brin­gen. „Das“, sagt Li­sa Rat­schil­ler und lacht, „geht nur über Trai­ning. Aber man ge­wöhnt sich mit der Zeit dar­an. Wir ha­ben al­le ei­ne schnel­le Re­ge­ne­ra­ti­on.“Was liegt nä­her, als beim Gäs­te-Bi­ath­lon Li­sas Sport selbst aus­zu­pro­bie­ren. „Am bes­ten fan­gen wir mit dem Lie­gend­schie­ßen an“, meint sie. Das sei ein­fa­cher, weil man sich da ab­stüt­zen kön­ne und das Ge­wehr ru­hi­ger in der Hand lie­ge. Al­so: Kör­per­span­nung auf­bau­en – Ein­at­men – Aus­at­men – und beim Aus­at­men schie­ßen. Dann geht’s auf die Pis­te. „Das mit den Rol­ler­ski­ern las­sen wie lie­ber“, meint Li­sa schmun­zelnd und schickt ih­re „Bi­ath­lonLehr­lin­ge“zu Fuß auf die Stre­cke. Jetzt lau­fen, ein paar hun­dert Me­ter, so schnell es geht. Schie­ßen. „Straf­run­den“(um den Mat­ten­wa­gen) für je­den Fehl­schuss. Dann das gan­ze von vor­ne. Vier mal. Puh ... Das reicht. Je nach­dem, wie doll man aus der Pus­te ist, fällt das Zie­len (und Tref­fen) rich­tig schwer. Und das vier Ki­lo­gramm schwe­re Ge­wehr scheint beim Ste­hendschie­ßen „Ton­nen“auf die Waa­ge zu brin­gen ... Mit vier Jah­ren hat Li­sa Rat­schil­ler ih­ren ers­ten Lang­lauf­kurs ge­macht. Und als Sechs­jäh­ri­ge beim ASV Mar­tell mit Bi­ath­lon be­gon­nen. „Wir ha­ben et­wa 20 Kin­der un­ter 14 und zehn bis 15 über 14 Jah­re, die Bi­ath­lon be­trei­ben“, er­zählt sie. Bi­ath­lon-Wett­be­wer­be ge­be es in Ita­li­en seit kur­zem für Kin­der ab sie­ben Jah­re, so die Süd­ti­ro­le­rin. In Deutsch­land gibt es ers­te Wett­kämp­fe auf re­gio­na­ler Ebe­ne für die Al­ters­stu­fe elf und jün­ger. Ab 13 kann man sich für den Deut­schen Schü­ler­cup qua­li­fi­zie­ren. Die jüngs­ten schie­ßen mit La­ser­ge­weh­ren. Dann mit dem Luft- und schließ­lich (ab der Ju­gend 16) mit dem Klein­ka­li­ber­ge­wehr; so wie die Er­wach­se­nen. Als Schü­le­rin er­ziel­te Li­sa Rat­schil­ler, die in Bo­zen Wirt­schaft und Po­li­tik stu­diert („das Haupt­au­gen­merk gilt jetzt dem Bi­ath­lon“), ei­ni­ge Top-Re­sul­ta­te. Vor zwei Jah­ren, bei der Sai­son­er­öff­nung des „Ita­li­en­cups“in Mar­tell, hat die Lo­kal­ma­ta­do­rin den Sprint­wett­be­werb der Ju­gend ge­won­nen. „Heim­tri­umph für ner­ven­star­ke Li­sa“, ti­tel­te ei­ne lo­ka­le Zei­tung, von al­len 143 Star­tern schaff­te sie es als ein­zi­ge, am Schieß­stand feh­ler­frei zu blei­ben. „Das Schie­ßen ist mir schon im­mer leicht ge­fal­len. Ich bin ehr­gei­zig, ich will tref­fen“, er­zählt Li­sa Rat­schil­ler. Auch bei der Win­ter-Uni­ver­sia­de, den Welt­sport­spie­len der Stu­den­ten, An­fang März in Al­ma­ty (Ka­sachs­tan) über­zeug­te sie im Schie­ßen; beim Lau­fen tat sie sich schwer. „Da war ich nicht fit“, sagt die Mar­tel­le­rin, die schon das Jahr 2016 krank­heits­be­dingt „ab­ha­ken“muss­te. Ih­ren Platz im Lan­des­win­ter­sport­ver­band Süd­ti­rol hat sie ver­lo­ren. Bei ih­rem Ver­ein ASV Mar­tell und der Sport­schu­le Mals ar­bei­tet sie nun dar­an, wie­der in den Lan­des­ka­der zu kom­men – und den Sprung in den ita­lie­ni­schen C-Ka­der zu schaf­fen. „Als nächs­tes geht es jetzt zum Hö­hen­trai­ning auf das Stilfs­er­joch“, so Rat­schil­ler. „Ab dem 11. No­vem­ber ha­ben wir auch in Mar­tell ei­ne Schne­e­pis­te.“Und dann be­ginnt schon bald der neue Bi­ath­lon-Win­ter. Li­sas Ziel? „Mich für die Ju­nio­ren-Welt­meis­ter­schaft zu qua­li­fi­zie­ren“, sagt sie. Die fin­det im März in Est­land statt. „Ich war schon oft nah dran. Jetzt wird es hof­fent­lich mal klap­pen, dass ich zei­gen kann, was ich kann.“

Aus­dau­er und Prä­zi­si­on ge­fragt

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