Aben­teu­er und Se­gel­ro­man­tik

Mit der Star Clip­per rund um Ba­li

Der Sonntag (Mittelbaden) - - REISE & URLAUB -

Con­quest of Pa­ra­di­se – die emo­ti­ons­ge­la­de­ne Me­lo­die des grie­chi­schen Kom­po­nis­ten Van­ge­lis, wird für im­mer mit die­sem ei­nen Mo­ment ver­bun­den sein. Dem Mo­ment, in dem Ka­pi­tän Ser­gey Tu­ni­kov den Be­fehl zum Se­gel­set­zen gibt. Dann schiebt sich das wei­ße Tuch knar­rend die Mas­ten hin­auf, bis schließ­lich sech­zehn mäch­ti­ge Se­gel im Wind flat­tern. Stau­nend ver­fol­gen die Pas­sa­gie­re der Star Clip­per die­ses be­son­de­re Schau­spiel, das sie Abend für Abend zum Son­nen­un­ter­gang aufs Deck zieht. Wäh­rend die letz­ten Tö­ne des See­fah­ge­bin­de rer-Gas­sen­hau­ers ver­klin­gen, blä­hen sich die Se­gel im lau­en Abend­wind, der mäch­ti­ge Vier­mas­ter neigt sich ele­gant zur Sei­te und nimmt fast un­merk­lich Fahrt auf. Das Schiff nimmt Kurs auf ver­steck­te Hä­fen und un­be­rühr­te Strän­de, die jen­seits der Tou­ris­ten­strö­me auf den in­do­ne­si­schen In­seln Ba­li, Ja­va, Lom­bok und Ma­du­ra lo­cken. Ein Törn mit der Star Clip­per durch die In­sel­welt rund um Ba­li ist der Ge­gen­ent­wurf zum Kreuz­fahrt­er­leb­nis auf ei­ner der schwim­men­den Klein­städ­te, die heut­zu­ta­ge die Welt­mee­re be­fah­ren. An Bord herrscht ei­ne ent­spann­te At­mo­sphä­re und Ka­pi­tän Ser­gey Tu­ni­kov gibt sich volks­nah. Er hält ein Schwätz­chen hier und da, lässt Se­gel­ama­teu­re am Steu­er­rad dre­hen und sich selbst beim Se­gel­ma­nö­ver von neu­gie­ri­gen Fra­gen der Pas­sa­gie­re nicht aus der Ru­he brin­gen. Kein Wun­der: Ge­lernt hat Ser­gey Tu­ni­kov sein Hand­werk auf dem rus­si­schen Se­gel­schul­schiff Kru­zensh­tern, mit dem er, wie er er­zählt, selbst stärks­te Hur­ri­ka­ne über­stan­den hat. Er prak­ti­ziert Kung Fu und Tai Chi, ist Dok­tor der Ma­the­ma­tik und ein Mensch vol­ler Emo­tio­nen: „Wenn ich die Se­gel set­zen las­se und die stau­nen­den Pas­sa­gie­re hin­ter mei­nen Rü­cken ste­hen weiß, dann spü­re ich die­se be­son­de­re Ener­gie, es ist ein Mo­ment vol­ler Emo­tio­nen.“Doch nicht nur Ser­gey Tu­ni­kov ist ein Ro­man­ti­ker, son­dern auch sei­ne Pas­sa­gie­re, die an Bord die­ses Vier­mas­ters ge­hen, der nach dem Vor­bild der schnel­len Clip­per ge­baut ist, die im 19. Jahr­hun­dert über die Ozea­ne fuh­ren. Nicht al­le be­gnü­gen sich da­mit, an Deck zu lie­gen und dem Flat­tern der Se­gel zu­zu­schau­en. Zu span­nend ist das Se­gel­ge­biet, das die Star Clip­per auf ih­ren Tou­ren im In­di­schen Oze­an nimmt. Schon der Aus­gangs­ha­fen Ba­li ist ein Ziel mit Sehn­suchts­fak­tor. Selbst die nicht en­den wol­len­den Tou­ris­ten­strö­me kön­nen die­ser klei­nen In­sel nicht ih­re See­le neh­men. Zu tief sind die Ba­li­ne­sen ih­ren Göt­tern ver­bun­den, de­nen sie täg­lich Blu­men­op­fer brin­gen und die sie rund ums Jahr mit Tem­pel­ze­re­mo­ni­en, Tän­zen und Op­fer­ri­tua­len bei gu­ter Lau­ne hal­ten. Das scheint zu glü­cken, denn die Göt­ter ha­ben die In­sel mit ei­ner wun­der­ba­ren Na­tur ge­seg­net. Reis­ter­ras­sen leuch­ten in hel­lem Grün, Was­ser­fäl­le plät­schern und mäch­ti­ge Vul­ka­ne bil­den ei­ne dra­ma­ti­sche Ku­lis­se. Wid­rig­kei­ten des Le­bens und wie jüngst dro­hen­de Vul­kan­aus­brü­che lä­cheln die Ba­li­ne­sen ein­fach weg. Doch In­do­ne­si­en ist mehr als Ba­li. Be­schau­lich geht es auf Lom­bok zu. Ba­li wie vor 30 Jah­ren, sa­gen man­che. Bunt be­mal­te Jun­kung-Fi­scher­boo­te schau­keln in den Wel­len, Sing­vö­gel träl­lern in höl­zer­nen Kä­fi­gen, die vor den Haus­tü­ren bau­meln und der Duft der Fran­gi­pa­ni-Bäu­me schwän­gert die Luft. Auf ver­schlun­ge­nen Stra­ßen geht es vor­bei an Pal­men, Baum­far­nen und mäch­ti­gen Bany­an­bäu­men ins Lan­des­in­ne­re zu ei­nem Dorf der Sasak, die auch heu­te noch auf tra­di­tio­nel­le Wei­se in Bam­bus­hüt­ten le­ben. Frau­en rös­ten Kaf­fee­boh­nen auf of­fe­nem Feu­er oder dre­schen Reis mit Bam­bus­stö­cken, die Män­ner sit­zen im Schat­ten und rau­chen Ta­bak. Der spek­ta­ku­lärs­te Aus­flug war­tet auf Ja­va. Mit Bus­sen, Jeeps und dann hoch zu Pfer­de geht es zum Mount Bro­mo, ei­nem damp­fen­den und bro­deln­den Vul­kan, den ei­ne gru­se­li­ge Le­gen­de um­rankt. El­tern, die bei den Göt­tern um Kin­der­se­gen ba­ten, muss­ten in al­ten Zei­ten ihr letzt­ge­bo­re­nes Kind als Dank in den Feu­er­schlund wer­fen. Heu­te geht es we­ni­ger ar­cha­isch zu. Wir kau­fen bei den flie­gen­den Händ­lern am Fu­ße des Bro­mo für ein paar Ru­piah kunst­vol­le Blu­men- und schleu­dern sie in die Tie­fe, aus der stoß­wei­se gel­be Dunst­wol­ken in den Him­mel stei­gen. Das un­heim­li­che Grum­meln des Vul­kans noch im Ohr und mit La­va­staub be­deckt, keh­ren wir an Bord der Star Clip­per zu­rück. Kreuz­fahrt­di­rek­to­rin St­ef­fi Adels emp­fängt uns in der Tro­pi­cal Bar und wir ge­neh­mi­gen uns ei­nen küh­len Drink. Auch Ka­pi­tän Ser­gey Tu­ni­kov ge­sellt sich da­zu – wie im­mer adrett in Weiß und zu ei­nem Schwatz über Gott und die Welt be­reit. Die Son­ne schiebt sich Rich­tung Ho­ri­zont, der Abend naht und es ist Zeit zum Se­gel­set­zen. Die Cr­ew klet­tert auf den Bugs­priet und löst die Lei­nen. Dann ist er wie­der da, der ma­gi­sche Mo­ment. „Con­quest of Pa­ra­di­se“schallt über das Deck. Die Se­gel­la­dy neigt sich läs­sig zur Sei­te und nimmt Kurs Rich­tung Ho­ri­zont, Kurs auf das nächs­te Aben­teu­er.

ELE­GAN­TE WINDJAMMER: Se­geln vor den Küs­ten In­do­ne­si­ens ist auf den Se­gel­schif­fen der mo­ne­gas­si­schen Ree­de­rei Star Clip­per ein ganz be­son­ders ex­qui­si­tes Ver­gnü­gen. Auf der Star Clip­per kom­men auf die 170 Gäs­te 74 Cr­ew­mit­glie­der. Fo­to: Star Clip­per

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.