„Ich bin ja nicht ganz weg“

Al­f­re­do Palermo zieht sich nicht völ­lig von der Ju­do-Büh­ne zu­rück

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT -

Jetzt ist es al­so vor­bei“, mein­te Al­f­re­do Palermo. Weh­mut schwang da­bei schon et­was mit. Nach dem Aus im Vier­tel­fi­na­le um die deut­sche Ju­do-Mann­schafts­meis­ter­schaft ge­gen Ti­tel­ver­tei­di­ger Ham­bur­ger JT war nicht nur die Sai­son 2017 für den JC Ett­lin­gen ge­lau­fen. Mehr noch: Es en­de­te ei­ne Ära. 2018 tritt der JCE nicht mehr in der 1. Bun­des­li­ga an. Der JC Ett­lin­gen, er war Al­f­re­do Pa­ler­mos „Kind“. Nach 17-jäh­ri­ger un­un­ter­bro­che­ner Zu­ge­hö­rig­keit des JCE zum Ju­do-Ober­haus sag­te Ett­lin­gens Ma­cher jetzt ciao. Der 73-jäh­ri­ge, der sei­nen Ju­do Club zu ei­ner Bun­des­li­ga-In­sti­tu­ti­on ge­macht hat, mel­de­te die Mann­schaft ab. So ganz von der Ju­do-Büh­ne zieht sich Palermo aber nicht zu­rück. Das wird im Ge­spräch mit dem SONN­TAG deut­lich.

Da gab es nicht den ei­nen Aus­lö­ser, es wa­ren ei­ni­ge Grün­de, die zu­sam­men­ge­kom­men sind. Den Schlag­an­fall ha­be ich als Fin­ger­zeig ge­se­hen, es künf­tig ru­hi­ger an­ge­hen zu las­sen. Letzt­lich war es ei­ne Ent­schei­dung aus Ver­nunfts- und Kräf­te­grün­den.

Die or­ga­ni­sa­to­ri­schen Be­las­tun­gen wa­ren schon enorm. Auch der fi­nan­zi­el­le Auf­wand darf nicht au­ßer Acht ge­las­sen wer­seits Es wur­de im­mer schwie­ri­ger, Spon­so­ren ins Boot zu ho­len. Und: Pri­va­te Din­ge oder Ur­laub – in den letz­ten 17 Jah­ren muss­te al­les nach der Bun­des­li­ga ge­plant wer­den. Das er­for­dert viel Idea­lis­mus, das geht an die Sub­stanz. Au­ßer­dem ste­hen in un­se­rem 1975 ge­grün­de­ten Ju­do-Zen­trum Sa­nie­rungs­ar­bei­ten an. Auch das muss be­wäl­tigt wer­den.

Das war tat­säch­lich ein Ge­dan­ke. Es woll­ten auch al­le hel­fen, aber das al­lein reich­te nicht; es fehl­te ein­fach das pro­fes­sio­nel­le Know-how.

Mein sport­lich größ­ter Wunsch, we­nigs­tens ein­mal mit dem JC Ett­lin­gen die deut­sche Meis­ter­schaft fei­ern zu dür­fen, ist zwar nicht in Er­fül­lung ge­gan­gen. Wir ha­ben es aber in 17 Jah­ren im­mer­hin zwölf­mal bis ins Halb­fi­na­le ge­schafft. Na­tio­nal zwölf­mal „Bron­ze“zu ho­len, das ist doch auch et­was! Un­ver­ges­sen wer­den die Eu­ro­pa­po­kal­auf­trit­te 2001 in Grie­chen­land und 2006 in St. Pe­ters­burg blei­ben. Wir konn­ten vie­le sport­li­che Freund­schaf­ten knüp­fen und ich bin über­zeugt, dass es in Zu­kunft mehr in­ter­na­tio­na­le Be­geg­nun­gen ge­ben wird. An­der­er­den. bleibt aber auch das Ge­fühl, oft im Re­gen ste­hen ge­las­sen wor­den zu sein. Die Un­ter­stüt­zung vom Ver­band ha­be ich ein ums an­de­re Mal ver­misst. Das sind dann Din­ge, die über Jah­re schlau­chen und ver­är­gern …

Ja, da sind jetzt mit Si­mon Fi­scher, Sa­mu­el Reh­nig, Stefan Vil­la­ni, Ser­gej Rya­po­l­ov, Max Wall­schmidt, Da­vid Krät­zel, Sal­va­to­re Rig­gio und Andreas Wind­hab un­se­re ei­ge­nen Leu­te aus dem Bun­des­li­ga-Team da­bei. Auch Den­nis Huck, der Mann­schafts­ka­pi­tän, bleibt. Ich bin über­zeugt, dass der JC Ett­lin­gen in ein paar Jah­ren wie­der hoch kommt; mit­tel­fris­ti­ges Ziel ist die Zwei­te Li­ga. Der ganz gro­ße Tru­bel ist jetzt aber erst mal weg, und das ge­he ich ganz ru­hig an. Aber: Lang­wei­lig wird es nicht.

Nur mit dem JC Ett­lin­gen aus der 1. Ju­do-Bun­des­li­ga raus: Die Ju­gend und das Ba­den-Württemberg-Li­ga-Team ste­hen jetzt bei Al­f­re­do Palermo im Fo­kus. Mit­tel­fris­ti­ges Ziel sei die Zwei­te Li­ga, sagt er. Fo­to: GES/Hurst

Was al­so bleibt als Er­in­ne­rung an 17 Jah­re Ju­doBun­des­li­ga?

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