Der ehr­ba­re Kauf­mann

Die Prä­si­den­ten der IHK und der Hand­werks­kam­mer schrei­ben wie­der die Franz- von-Men­dels­sohn-Me­dail­le aus. Bis 4. Sep­tem­ber kön­nen sich en­ga­gier­te Be­trie­be be­wer­ben. War­um Hel­fen in der eins­ti­gen In­sel­stadt Tra­di­ti­on hat? Ein Ge­spräch

Der Tagesspiegel - - WER HILFT WEM -

In Berlin wür­de nichts ge­hen oh­ne en­ga­gier­te Un­ter­neh­mer, die sich in der Tra­di­ti­on der so­zia­len un­ter­neh­me­ri­schen Ver­ant­wor­tung für die Stadt und ih­re Men­schen ein­set­zen. Um sie zu wür­di­gen und Mit­strei­ter zu mo­ti­vie­ren, ha­ben der Prä­si­dent der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK), Eric Schweit­zer, und der Hand­werks­kam­mer-Prä­si­dent Ste­phan Schwarz einst die Ver­ga­be der Men­dels­sohn-Me­dail­le in­iti­iert – der Ta­ges­spie­gel ist Me­di­en­part­ner. Be­wer­bun­gen sind bis 4. Sep­tem­ber mög­lich (al­le In­fos auf den Kam­mer-Web­sites). Für das Preis­geld ge­ben bei­de zu­sam­men ins­ge­samt 10 000 Eu­ro aus ih­rer pri­va­ten Ta­sche – die Fra­gen stell­te Gerd Ap­pen­zel­ler. Las­sen Sie uns ganz an den An­fang zu­rück­ge­hen. Woll­ten Sie über den Na­men Men­dels­sohn dar­an er­in­nern, dass es in die­ser Stadt Ge­mein­sinn von Un­ter­neh­mern gab, lan­ge be­vor man den Be­griff CSR kann­te? Schweit­zer: Es gab ver­schie­de­ne Mo­ti­ve. Aber un­ser Haupt­an­lie­gen war es, Auf­merk­sam­keit zu er­zeu­gen. Vie­le Un­ter­neh­men leis­ten je­des Jahr, ja je­den Tag ei­nen be­son­de­ren Bei­trag für den Zu­sam­men­halt un­se­rer Ge­sell­schaft. Meis­tens un­be­merkt von der Öf­fent­lich­keit. Schwarz: Und kurz ge­sagt: Die Fa­mi­lie Men­dels­sohn steht in Berlin bei­spiel­haft für die­ses bür­ger­li­che En­ga­ge­ment. Und dar­um geht es uns auch beim Wett­be­werb. Des­sen Mot­to ja lau­tet „Un­ter­neh­men be­we­gen Berlin“. Un­ter­neh­me­ri­sches En­ga­ge­ment für das Ge­mein­wohl hat hier ei­ne lan­ge Tra­di­ti­on. Nach über zehn Jah­ren Men­dels­sohn-Me­dail­le: Be­nö­ti­gen wir noch ei­ne do­tier­te Aus­zeich­nung für en­ga­gier­te Be­trie­be? Schweit­zer: Ganz kla­res Ja! Wir wer­den un­ter­neh­me­ri­sches En­ga­ge­ment für so­zia­le Be­lan­ge im­mer brau­chen. Ein funk­tio­nie­ren­der Staat und ei­ne star­ke Wirt­schaft sind wich­tig, aber oh­ne bür­ger­schaft­li­ches En­ga­ge­ment geht es nicht. Trotz­dem den­ke ich kön­nen wir sa­gen: Wir ha­ben et­was er­reicht. Schwarz: Wir wol­len ja gera­de, dass gu­te Pro­jek­te und Initia­ti­ven nach­ge­ahmt wer­den. So be­kommt die Franz-von-Men­dels­sohn-Me­dail­le Kin­der und Kin­des­kin­der. Mich be­ein­druckt – je­des Mal aufs Neue – be­son­ders die gren­zen­lo­se Ide­en­viel­falt, wenn es dar­um geht, zu hel­fen. Wie sieht denn der ty­pi­sche Teil­neh­mer an der Aus­schrei­bung aus? Schwarz: So wie der ty­pi­sche Ber­li­ner Un­ter­neh­mer: völ­lig un­ter­schied­lich. Das Ein­zi­ge, das al­le ge­mein­sam ha­ben, ist ihr Wil­le zur Mit­ge­stal­tung un­se­rer Ge­sell­schaft über ei­nen „Pflicht­bei­trag“hin­aus. Die Ber­li­ner Un­ter­neh­mer hel­fen gern, viel­leicht auch we­gen der jahr­zehn­te­lan- gen In­sel­la­ge im Wes­ten und der ge­lern­ten Man­gel­ver­wal­tung im Os­ten. Schweit­zer: Ich glau­be auch, dass die be­son­de­re Ge­schich­te des ge­teil­ten Ber­lins bis heu­te Ein­fluss auf das Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein hat. Vor al­lem bei klei­ne­ren Sor­gen und Nö­ten in ih­rem Um­feld reicht oft ei­ne prag­ma­ti­sche Her­an­ge­hens­wei­se – und die ken­nen die Un­ter­neh­mer von ih­rem täg­li­chen Ge­schäft. … nen­nen Sie doch mal ein Bei­spiel ... Schweit­zer: Gern, vie­le der Ber­li­ner Un­ter­neh­men ver­las­sen sich nicht nur auf den Staat oder auf eta­blier­te In­sti­tu­tio­nen, son­dern han­deln selbst. Da wä­re bei­spiels­wei­se die Fir­ma Min­hoff – durch sie ha­ben in­ter­ak­ti­ve Whi­te­boards in Ber­li­ner Schu­len Ein­zug ge­hal­ten. Das Un­ter­neh­men hat be­mer­kens­wer­te pro­mi­nen­te Ko­ope­ra­ti­ons­part­ner ge­won­nen, die sel­ber in den Schu­len ak­tiv wer­den. Schwarz: Und der Im­puls, Ver­ant­wor­tung über­neh­men zu wol­len, ist rich­tig und gut. Un­se­re Ge­sell­schaft braucht bür­ger­schaft­li­ches En­ga­ge­ment – ei­ne Res­sour­ce, um die Her­aus­for­de­run­gen des so­zia­len, öko­no­mi­schen, po­li­ti­schen und öko­lo­gi­schen Wan­dels lö­sen zu kön­nen. Sind es vor al­lem Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­men oder auch Fir­men mit jün­ge­rer Ge­schich­te? Schwarz: Das ist ja das Schö­ne: Wir ha­ben bei­des: alt­ein­ge­ses­se­ne Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­men und ganz jun­ge Be­trie­be. Gro­ße und Klei­ne. Vom Fri­seur­sa­lon bis zum In­dus­trie­un­ter­neh­men ist al­les da­bei. Schweit­zer: Und das wol­len wir ja auch mit dem Preis ver­mit­teln: Je­der kann ei­nen Bei­trag leis­ten. Da­zu muss man nicht Tau­sen­de von Eu­ro in die Hand neh­men. Set­zen sich auch Be­leg­schaf­ten mehr ein? Schweit­zer: Ei­ner al­lein kann schon viel be­wir­ken – und als Chef muss ich die Idea­le des ehr­ba­ren Kauf­manns vor­le­ben. Aber na­tür­lich hat ein Be­trieb mit dem En­ga­ge­ment sei­ner ge­sam­ten Be­leg­schaft ei­ne an­de­re Reich­wei­te. Das le­ben üb­ri­gens vie­le Ber­li­ner Ho­tels vor, von de­nen es re­gel­mä­ßig ei­ni­ge un­ter die Preis­trä­ger der Franz-von-Men­dels­sohn-Me­dail­le schaf­fen. Bei den Ho­tels gibt es oft so­gar ein­zel­ne Pro­jek­te, bei de­nen be­reits die Azu­bis die Ver­ant­wor­tung tra­gen. Schwarz: So wer­den die Idea­le quer durch die Be­leg­schaft ge­lebt und wei­ter­ge­ge­ben. Die ge­mein­sa­me Wahr­neh­mung der so­zia­len Ver­ant­wor­tung be­lebt die Un­ter­neh­mens­kul­tur und das Kli­ma in­ner­halb der Be­leg­schaft. Wie kann so­zia­le Ver­ant­wor­tung von Un­ter­neh­men denn dar­über hin­aus nach in­nen ge­lebt wer­den? Schwarz: Da gibt es vie­le Mög­lich­kei­ten – bei­spiels­wei­se durch ei­nen Ge­sund­heits­tag oder Part­ner­schaf­ten mit so­zia­len Ein­rich­tun­gen. Vie­le Un­ter­neh­men en­ga­gie­ren sich auch in ge­mein­nüt­zi­gen Ver­ei­nen: Kul­tur, Sport, Ju­gend, Bil­dung. Schweit­zer: Auch ei­ne frei­wil­li­ge Selbst­ver­pflich­tung zum ver­ant­wor­tungs­vol­len Um­gang mit na­tür­li­chen oder schwer zu­gäng­li­chen Res­sour­cen kann ge­mein­sinn­stif­tend sein, et­wa der Fo­kus auf Pro­duk­te aus der Re­gi­on. Wir al­le wis­sen, dass sich Un­ter­neh­men, die nicht in­ha­ber­ge­führt sind, zu­neh­mend schwer­tun, et­was für die All­ge­mein­heit zu tun – da­für wer­den Ma­na­ger nicht be­zahlt, sie füh­len zu­meist auch nicht die so­zia­le Ver­ant­wor­tung, die ein Un­ter­neh­mer hat, der mit sei­nem Na­men für den gu­ten oder schlech­ten Ruf des Un­ter­neh­mens ein­steht. Schweit­zer: Das ist mir zu sehr schwarz-weiß. Nicht nur ein Un­ter­neh­mer, son­dern auch ein Ma­na­ger nimmt ei­ne be­son­de­re Stel­lung ein, bei­spiels­wei­se ha­ben bei­de Ver­ant­wor­tung für Ar­beits­plät­ze, Mit­ar­bei­ter und de­ren Fa­mi­li­en. Grund­wer­te wie Ehr­lich­keit, Ver­läss­lich­keit und Glaub­wür­dig­keit sind un­ab­ding­bar. Das mer­ken und spü­ren die Be­leg­schaft, der In­ves­tor – und der Kun­de. Schwarz: Na­tür­lich kann ein Ma­na­ger als Kon­zern­len­ker auch auf ganz an­de­rer Ebe­ne und mit grö­ße­rem Bud­get wir­ken – es ist ei­ne Grund­satz­ent­schei­dung, wo in ei­nem Kon­zern The­men wie CSR, so­zia­les En­ga­ge­ment oder Spon­so­ring an­ge­sie­delt sind. Da­für kön­nen klei­ne und mitt­le­re Un­ter­neh­men al­les oft durch die re­gio­na­le Ver­an­ke­rung viel di­rek­ter, in­tui­ti­ver und per­sön­li­cher vor­le­ben.

„Ber­li­ner Un­ter­neh­men ver­las­sen sich nicht nur auf den Staat“ „Die Fa­mi­lie Men­dels­sohn steht für En­ga­ge­ment von Bür­gern“

Ste­phan Schwarz, Hand­werks­kam­mer

Eric Schweit­zer, IHK

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