Mehr Markt­nä­he und bes­se­re Da­ten: For­scher kri­ti­sie­ren Miet­spie­gel

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Wis­sen­schaft­ler der In­ter­na­tio­nal Re­al Esta­te Bu­si­ness School (IREBS) der Uni­ver­si­tät Re­gens­burg und des Zen­trums für Eu­ro­päi­sche Wirt­schafts­for­schung in Mann­heim (ZEW) ha­ben in ei­ner Stu­die Vor­schlä­ge für ei­ne bes­se­re Be­rech­nung qua­li­fi­zier­ter Miet­spie­geln ge­macht.

Durch die Miet­preis­brem­se – die Berlin zum 1. Ju­ni als ers­tes Bun­des­land ein­ge­führt hat­te – wür­den Miet­spie­gel zum zen­tra­len Steue­rungs­ele­ment des Woh­nungs­mark­tes, sagt Steffen Se­bas­ti­an, der für die IREBS an der Stu­die be­tei­ligt war. Sie schreibt vor, dass die Mie­te bei der Wie­der­ver­mie­tung von Woh­nun­gen nicht mehr als zehn Pro­zent über der orts­üb­li­chen Ver­gleichs­mie­te lie­gen darf – die sich wie­der­um meist nach dem Miet­spie­gel be­rech­net. „Die­ser ho­hen Be­deu­tung wer­den die Miet­spie­gel nicht ge­recht“, meint Se­bas­ti­an. Au­ßer­dem sei die ge­setz­li­che Grund­la­ge zu ih­rer Er­stel­lung un­prä­zi­se, so dass es oft zu Ge­richts­pro­zes­sen kom­me.

Im Ein­zel­nen kri­ti­sie­ren die For­scher, dass es bei der Be­rech­nung von Miet­spie- geln kei­ne „Tren­nung von Sta­tis­tik und Po­li­tik“ge­be. Miet­spie­gel un­ter­lä­gen trotz ih­rer ho­hen Be­deu­tung zum Groß­teil dem Gestal­tungs­wil­len lo­ka­ler Po­li­ti­ker und In­ter­es­sens­ver­tre­ter. Die er­rech­ne­ten orts­üb­li­chen Ver­gleichs­mie­ten sei­en deut­lich nied­ri­ger, als sie nach den tat­säch­li­chen Markt­be­din­gun­gen sein müss­ten.

Ein wei­te­res Pro­blem ist der Stu­die zu­fol­ge die Er­he­bung der Da­ten. Der­zeit wür­den die­se mü­he­voll bei Mie­tern und Ver­mie­tern er­fragt. Nur wer Lust ha­be, ant­wor­te. Im Er­geb­nis sei der Da­ten­um­fang für ei­ne re­prä­sen­ta­ti­ve Stich­pro­be oft zu ge­ring. Bes­ser und bil­li­ger sei ei­ne in­ter­net­ba­sier­te Vol­ler­he­bung sämt­li­cher Ver­mie­tungs­da­ten. Schließ­lich wür­den un­ter­schied­lich al­te Da­ten ein­fach zu­sam­men­ge­wor­fen.

Die For­scher for­dern ei­ne Of­fen­le­gung der ex­ak­ten Be­rech­nung von Miet­spie­geln. Die­se soll­ten au­ßer­dem nur von wis­sen­schaft­lich aus­ge­bil­de­ten Sta­tis­ti­kern er­stellt wer­den. Die Stu­die steht on­line un­ter miet­spie­gel.irebs.de. Tsp

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