Korn für Korn dem Oze­an ab­ge­trotzt

In Ni­ge­ria tau­chen jun­ge Män­ner mit Plas­tik­tü­ten zum Grund der La­gu­nen – sie ar­bei­ten für die lan­ge Jah­re boo­men­de Bau­in­dus­trie

Der Tagesspiegel - - POLITIK - Von Dag­mar Deh­mer

Sand gibt es fast über­all. Na­tür­lich am Strand, in der Sand­wüs­te so­wie­so, aber auch in ganz Nord­deutsch­land und vie­len an­de­ren Flach­län­dern. Selbst in Me­tro­po­len, denn der au­gen­fäl­li­ge Be­ton in Häu­sern, Brü­cken und Stra­ßen be­steht zu gro­ßen Tei­len eben­falls aus Sand. Und das wird zu­neh­mend zum Pro­blem: Für Bau­vor­ha­ben, aber auch für an­de­re An­wen­dun­gen wer­den jähr­lich schät­zungs­wei­se rund 15 Mil­li­ar­den Ton­nen Sand und et­wa dop­pelt so viel Kies ab­ge­baut. Das führt zu teils er­heb­li­chen Schä­den, in ei­ni­gen Ge­gen­den wird der Roh­stoff be­reits knapp.

Für die künst­li­chen In­seln, die in Dubai in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ge­schaf­fen wur­den, war so viel Sand nö­tig, dass die lo­ka­len Vor­kom­men im Meer auf­ge­braucht sind. Der na­he Wüs­ten­sand wie­der­um ist zum Bau­en nicht ge­eig­net: Die Kör­ner sind vom Wind so glatt ge­schlif­fen, dass sie kei­ne aus­rei­chen­de Bin­dung im Be­ton er­lan­gen. Al­so wur­de mas­sen­haft Sand aus La­ger­stät­ten vor der Ost­küs­te Aus­tra­li­ens her­an­ge­schafft. Er war gut ge­nug, um auch aus­ge­fal­le­ne Ar­chi­tek­tu­r­ide­en wie den 828 Me­ter ho­hen Burj Ka­li­fa in den Him­mel wach­sen zu las­sen.

Den größ­ten Sand­ver­brauch pro Kopf gibt es je­doch in Sin­ga­pur: 5,4 Ton­nen pro Jahr. Das geht aus ei­ner Ver­öf­fent­li­chung des UN-Um­welt­pro­gramms Unep („Sand, ra­rer than one thinks“) her­vor, die sich dem knap­per wer­den­den Roh­stoff wid­met. In dem klei­nen Land hat sich die Be­völ­ke­rung bin­nen Jahr­zehn­ten ver­viel­facht, um­Platz zu schaf­fen, wur­den 130 Qua­drat­ki­lo­me­ter Land auf­ge­schüt­tet und so der Stadt­staat um­ein Fünf­tel ver­gö­ßert. Der Stoff wird aus Ma­lay­sia, Thai­land und Kam­bo­dscha­her­bei­ge­schafft, vor al­lem aber aus In­do­ne­si­en. Dort sol­len durch den Ab­bau zwei Dut­zend In­seln ver­schwun­den sein, was wie­der­um Streit über die Ab­gren­zung von Ho­heits­ge­wäs­sern zur Fol­ge hat­te. Im­mer wie­der ist auch von Schmug­gel und ma­fiö­sen Struk­tu­ren die Re­de.

Sand wird in der Na­tur stän­dig neu pro­du­ziert. Durch das Wech­sel­spiel der Jah­res­zei­ten, che­mi­sche Ein­flüs­se und me­cha­ni­sche Zer­klei­ne­rung in Bä­chen und Flüs­sen wer­den aus gro­ßen Fels­mas­si­ven über Jahr­tau­sen­de klei­ne Frag­men­te, die je nach Grö­ße der Kör­ner als Kies (63 bis zwei Mil­li­me­ter), Sand (zwei bis 0,063 Mil­li­me­ter), Sch­luff und Ton be­zeich­net wer­den. Je nach Grö­ße (und da­mit Ge­wicht) der Kör­ner wer­den die­se vom Was­ser bes­ser oder schlech­ter trans­por­tiert. Ein gro­ßer Vor­teil: Statt ei­nem wil­den Durch­ein­an­der ver­schie­dens­ter Kör­ner ent­ste­hen so in Flüs­sen und Mee­ren La­ger­stät­ten mit je­weils ähn­li­chen Par­ti­keln, die als Bau­sand oder Zu­schlag­stoff für Be­ton ver­wen­det wer­den. Die na­tür­li­che Sand­pro­duk­ti­on dau­ert je­doch Jahr­tau­sen­de, der ak­tu­el­le Ver­brauch ist weit­aus grö­ßer als das, was nach­kommt.

So geht der Sand an vie­len Or­ten ver­lo­ren, was ei­ni­ge Pro­ble­me schafft. Wird er in gro­ßen Men­gen aus Flüs­sen ge­won­nen, än­dern sie ihr Ero­si­ons­ver­hal­ten, was auch Bau­wer­ke wie Brü­cken­pfei­ler be­droht. Seit ei­ni­gen Jah­ren wer­den zu­neh­mend Vor­kom­men im Meer ab­ge­baut. Das be­ein­träch­tigt zum ei­nen die lo­ka­len Öko­sys­te­me, wenn das Was­ser trüb und der Un­ter­grund zer­furcht wird. Zum an­de­ren fehlt der Sand als Ener­gie­ab­sor­ber für auf­lau­fen­de Wel­len, die um­so mehr Scha­den am Ufer ver­ur­sa­chen, näm­lich dort den Strand fort­spü­len. Das scha­det dem Küs­ten- schutz wie dem Tou­ris­mus, der in man­chen Ge­gen­den ei­ne tra­gen­de Säu­le der Wirt­schaft ist.

In Deutsch­land ist die La­ge et­was an­ders. Zwar wird auch hier viel Sand an den Küs­ten fort­ge­spült, doch das hat mit der geo­lo­gi­schen Ent­wick­lung ins­be­son­de­re der nur we­ni­ge tau­send Jah­re al­ten Ost­see zu tun. Ih­re Küs­te ist noch nicht „zur Ru­he ge­kom­men“: Was an der ei­nen Stel­le fort­ge­wa­schen wird, lan­det an­ders­wo wie­der an. Nicht zu­letzt ist die stän­di­ge Ve­rän­de­rung der Na­tur kei­ne Aus­nah­me, son­dern ihr Mar­ken­zei­chen. Wenn hier­zu­lan­de be­stimm­te Strän­de oder Ab­schnit­te, die für den Küs­ten­schutz wich­tig sind, Sand ver­lie­ren, wird neu­es Ma­te­ri­al aus den rei­chen Mee­res­vor­kom­men ent­nom­men und wie­der auf­ge­spült.

Auch an Land ist hier­zu­lan­de ge­nug da. „Hier ist reich­lich Sand vor­han­den, aber die Ge­win­nung wird lang­fris­tig trotz­dem schwie­ri­ger“, sagt Ha­rald Els­ner von der Bun­des­an­stalt für Geo­wis­sen­schaf­ten und Roh­stof­fe (BGR) in Hannover. Mehr als 90 Pro­zent der mög­li­chen Ab­bau­flä­chen sei­en ge­nutzt für Sied­lun­gen oder Land­wirt­schaft, teils be­fin­den sie sich in Schutz­ge­bie­ten. „Es wird im­mer kom­pli­zier­ter, ei­ne Ge­neh­mi­gung für ei­nen Ab­bau – egal für wel­chen Roh­stoff – zu be­kom­men.“

Die be­ste­hen­den Sand- und Kies­gru­ben lie­fern aber noch in aus­rei­chen­der Men­ge. Sand gibt es im Nor­den satt, dort wer­de er teil­wei­se für un­ter zwei Eu­ro die Ton­ne ver­kauft, be­rich­tet Els­ner. „Mi­tun- ter wur­de er so­gar ver­schenkt, weil die Be­trei­ber mehr an dem ent­hal­te­nen Kies in­ter­es­siert wa­ren, denn der bringt mehr Geld.“Im Sü­den gibt es et­was we­ni­ger Sand, da müs­se man mit min­des­tens fünf bis sechs Eu­ro pro Ton­ne rech­nen. Da­für gibt es dort mehr Kies, den man not­falls durch ei­ne Bre­cher­an­la­ge schickt, um Sand dar­aus zu ma­chen. „Klei­ner geht im­mer“, sagt der Geo­lo­ge.

Auch die Qua­li­tät spielt ei­ne Rol­le. Der An­teil klei­ner Körn­chen soll­te nicht zu hoch und kei­ne Be­stand­tei­le wie Py­rit und Hu­m­in­stof­fe dar­in ent­hal­ten sein, die die Qua­li­tät des Be­tons ver­rin­gern. „Er­füllt der Sand die Kri­te­ri­en nicht, kann er im­mer noch im Stra­ßen­bau als Un­ter­la­ge ver­wen­det wer­den“, sagt Els­ner. Die Qua­li­täts­an­for­de­run­gen könn­ten lang­fris­tig zum Pro­blem wer­den. Ne­ben dem Um­stand, dass ei­ne Ab­bau­ge­neh­mi­gung im­mer schwie­ri­ger zu be­kom­men ist , sagt auch Diet­mar Ste­phan vom Fach­ge­biet Bau­stof­fe an der TU Ber­lin. „Na­tür­lich wer­den zu­erst die La­ger­stät­ten ab­ge­baut, wo die Qua­li­tät stimmt, spä­ter kom­men we­ni­ger gu­te Vor­kom­men an die Rei­he, die bei­spiels­wei­se ei­ne bes­se­re Auf­be­rei­tung er­for­dern.“Er und an­de­re Ex­per­ten se­hen im Bau­stoff-Re­cy­cling ei­nen Aus­weg, um die na­tür­li­chen Res­sour­cen zu scho­nen. „Was die in­ter­na­tio­na­le Bau­wirt­schaft be­trifft, ist es nicht al­lein der Sand, der knapp wird“, sagt Ste­phan. „Auch beim grö­be­ren Kies gibt es Eng­päs­se, die min­des­tens ge­nau­so groß sind.“

Ei­ne Wie­der­ver­wer­tung von Bau­schutt ist je­doch auf­wen­dig. Er ist nicht so ein­heit­lich zu­sam­men­ge­setzt wie das Ma­te­ri­al in ei­ner Sand­gru­be und muss auf­be­rei­tet wer­den. Holz muss raus, eben­so Dämm­stof­fe. Dann muss al­les durch ei­nen Bre­cher und ge­siebt wer­den. „Die grö­ße­ren Stü­cke ab vier Mil­li­me­ter kön­nen wie Kies zu neu­em Be­ton hin­zu­ge­fügt wer­den, fei­ne­re Be­stand­tei­le sind aber nicht ver­wend­bar“, sagt Ste­phan. In der Re­gel wis­se man nicht, wel­che In­halts­stof­fe drin sind und ob sie un­er­wünsch­te che­mi­sche Re­ak­tio­nen aus­lö­sen, die die Qua­li­tät des Be­tons min­dern.

Ob­wohl es er­laubt ist, ei­nen ge­wis­sen An­teil Al­tBau­stof­fe in den Be­ton zu ge­ben, wer­de es kaum ge­macht, be­rich­tet der For­scher. „Die Auf­be­rei­tung ist noch teu­rer als der na­tür­li­che Roh­stoff.“Das lie­ge auch dar­an, dass heu­te beim Bau­en kaum ei­ner das Re­cy­cling mit­den­ke. „Jetzt ha­ben wir ei­nen Mix aus St­ein, Mör­tel, Kle­ber und Wär­me­däm­mung – da wird sich hin­ter­her kei­ner hin­stel­len und das aus­ein­an­der frie­meln.“Ste­phan plä­diert da­für, von vorn­her­ein die Wie­der­ver­wer­tung mit zu be­den­ken. Das be­deu­tet, dass sich Stof­fe leich­ter von­ein­an­der tren­nen las­sen, oder den Mau­er­auf­bau aus­schließ­lich aus an­or­ga­ni­schen Stof­fen zu be­werk­stel­li­gen. Da­zu müss­te die Wär­me­dämm­fä­hig­keit von Be­ton ver­bes­sert wer­den. „Das könn­te ge­lin­gen, in dem sehr po­rö­se Gestei­ne ver­wen­det wer­den oder in­dem der Be­ton re­gel­recht auf­ge­schäumt wird.“An sol­chen An­for­de­run­gen wer­de ge­forscht, denn noch ist die Fes­tig­keit von solch ei­nem Leicht­be­ton zu ge­ring. Ein Re­cy­cling-An­teil von 20 bis 30 Pro­zent in neu­em Be­ton hält der TU-For­scher für durch­aus mach­bar. Das wür­de die na­tür­li­chen Res­sour­cen spür­bar ent­las­ten.

Ein wei­te­rer Weg, um die Sand­kri­se zu über­win­den be­steht dar­in, Wüs­ten­sand fürs Bau­en nutz­bar zu ma­chen. „Es gibt ver­schie­de­ne For­schun­gen, um­die glat­te Ober­flä­che mit che­mi­schen und phy­si­ka­li­schen Ver­fah­ren auf­zu­rau­en, da­mit sie sich bes­ser im Be­ton ver­bin­den“, er­läu­tert Ste­phan. Da­zu ge­hört et­wa, die äu­ßers­te Schicht et­was an­zu­schmel­zen, um ih­re Struk­tur zu ver­än­dern. „Das ist sehr en­er­gie­in­ten­siv“, nennt der For­scher ein Han­di­cap. „Aber in Re­gio­nen, in de­nen der Sand knapp ist, scheint in der Re­gel viel Son­ne – die­se Ener­gie­quel­le muss nur er­schlos­sen wer­den.“

Die Holz­boo­te lie­gen flach im Was­ser. Es sind die glei­chen Boo­te, mit de­nen Fi­scher auf die La­gu­ne in La­gos hin­aus­fah­ren. Doch in die­sem Holz­boot liegt Sand. Ein jun­ger Mann taucht prus­tend aus der La­gu­ne auf und wuch­tet ei­nen Ei­mer an den Rand des Boo­tes. Der nas­se Sand fließt auf den Bo­den des Holz­ka­nus. An­de­re jun­ge Män­ner tau­chen mit Plas­tik­tü­ten bis zu vier Me­ter zum Grund der La­gu­ne ab und tau­chen mit den sand­ge­füll­ten Tü­ten wie­der auf. Auch die­ser Sand lan­det im Ka­nu. Wenn die Boo­te so voll sind, dass sie bei je­der Wel­le über­spült zu wer­den dro­hen, ma­chen sich die jun­gen Män­ner mit ath­le­ti­schen und vor­sich­ti­gen Be­we­gun­gen dar­an, sich selbst auf das Boot zu wuch­ten, um die Aus­beu­te ans Ufer zu ru­dern oder zu se­geln. Die Se­gel sind oft aus zu­sam­men­ge­näh­ten Sä­cken ge­macht. Die Ru­der sind so selbst ge­schnitzt wie die Ka­nus.

Die ni­ge­ria­ni­sche Me­tro­po­le am Golf von Gui­nea ist auf Sand und mit Sand ge­baut. Am Ufer ent­la­den an­de­re jun­ge Män­ner den Sand, der dann an die Bau­in­dus­trie wei­ter ver­kauft wird. Jah­re­lang hat­ten die Sand­ar­bei­ter kaum Pro­ble­me ihr Ma­te­ri­al zu ver­kau­fen. Die Stadt boom­te. Über­all wur­de ge­baut. Zwar ist die Sand­för­de­rung in der La­gu­ne seit Jah­ren ver­bo­ten. Die Bau­in­dus­trie juck­te das bis­her nicht son­der­lich. Doch seit der Öl­preis ab­ge­stürzt ist, sitzt selbst den Su­per­rei­chen von La­gos das Geld nicht mehr so lo­cker. Vie­le Bau­pro­jek­te sind vor­läu­fig ge­stoppt wor­den. Lu­xus­vil­len in den fei­nen Wohn­ge­bie­ten auf der In­sel Vik­to­ria, in Lek­ki oder Ikoyi ste­hen leer.

Auch beim Pres­ti­ge­pro­jekt Eko At­lan­tic Ci­ty geht der­zeit we­nig vor­an. Zwar hat der Gou­ver­neur von La­gos, Akin­wun­mi Am­bo­de, vor we­ni­gen Ta­gen un­ter gro­ßer öf­fent­li­cher An­teil­nah­me, die Bau­stel­le be­sich­tigt. Doch sein ver­zwei­fel­tes Wer­ben um pri­va­te In­ves­to­ren in das Groß­pro­jekt pass­te kaum zu sei­nem zur Schau ge­stell­ten Op­ti­mis­mus. Eko At­lan­tic Ci­ty soll auf ei­ner im Oze­an auf­ge­schüt­te­ten Sand­bank ent­ste­hen. Zehn Mil­lio­nen Qua­drat­me­ter Sand sol­len die Ba­sis für ein paar Dut­zend Hoch­hau­stür­me wer­den. Ge­schützt wird das Gan­ze von ei­ner 8,5 Ki­lo­me­ter lan­gen Mau­er, die aus schwe­ren Be­ton­bau­tei­len ge­bil­det wird. Nach An­ga­ben des Pro­jekt­ma­na­gers Ronald Cha­gou­ry wur­de sie für „1000 Jah­re ge­baut“. So zi­tiert ihn die ni­ge­ria­ni­sche Ta­ges­zei­tung „This Day“aus An­lass des Gou­ver­neur­be­suchs.

Monika Umun­na, die das Bü­ro der Hein­rich-Böll-Stif­tung in La­gos lei­tet, be­rich­tet, dass das Ge­län­de kom­plett um­zäunt wor­den ist. Vier Roh­bau­tür­me sind aber zu er­ken­nen. Nur ob da ge­baut wird, ist an­ge­sichts der Wirt­schafts­kri­se schwer ein­zu­schät­zen. Die In­fla­ti­on ist in­zwi­schen bei 16,5 Pro­zent ge­lan­det, vie­le Men­schen ver­lie­ren ih­re Jobs. Den­noch wird La­gos wei­ter von Ein­wan­de­rern vom Land über­rannt. Im Schnitt kom­men täg­lich rund 6000 Neu­an­kömm­lin­ge in La­gos an. 70 Pro­zent der min­des­tens 15 Mil­lio­nen Ein­woh­ner die­ser Me­ga­stadt le­ben in Sl­ums. Die meis­ten da­von sind il­le­gal an­ge­legt. Es gibt ei­gent­lich kei­nen schlecht ge­si­cher­ten Land­strei­fen, auf dem nicht Hüt­ten ste­hen. Bei den Spring­flu­ten und sturm­be­ding­ten Überschwemmungen sind das die Häu­ser, die als ers­te weg­ge­spült wer­den.

Aber auch die bes­se­ren Stadt­tei­le von La­gos sind stän­di­gen Ve­rän­de­run­gen un­ter­wor­fen. In ei­ner Stu­die über die öko­lo­gi­schen Ve­rän­de­run­gen durch die Ur­ba­ni­sie­rung in La­gos, fan­den die For­scher der Uni­ver­si­tät La­gos her­aus, dass die In­sel Vic­to­ria je­des Jahr et­wa sechs Me­ter Sand­strand ver­liert, die der At­lan­tik da­von spült. In Lek­ki sind es so­gar zwölf Me­ter. Die­se Ero­si­on wird von den Pla­nern von Eko At­lan­tic Ci­ty als ei­nes der Ar­gu­men­te für die Auf­schüt­tung des neu­en Stadt­teils ge­nannt. Die Mau­er von La­gos wer­de auch Vic­to­ria und Lek­ki schüt­zen. Neue­re Un­ter­su­chun­gen über die Ero­si­on in Vik­to­ria und Lek­ki seit Be­ginn der Bau­ar­bei­ten in Eko At­lan­tic Ci­ty im Jahr 2008 gibt es al­ler­dings nicht.

Die ge­wal­ti­gen Men­gen Sand, die auf­ge­schüt­tet wur­den, um Eko At­lan­tic Ci­ty zu bau­en, ha­ben al­ler­dings nicht die Sand­ar­bei­ter aus der La­gu­ne ge­schippt. Da­für sind gro­ße För­der­schif­fe in den At­lan­tik ge­schickt wor­den, die Sand vom Mee­res­bo­den ab­ge­saugt ha­ben. Sol­che Schif­fe sind bis heu­te auch ge­le­gent­lich in der La­gu­ne zu se­hen. Ei­gent­lich ist die Sand­för­de­rung auch für sie schon lan­ge ver­bo­ten. Die meis­ten die­ser Sand­berg­bau-Schif­fe ha­ben ih­re För­der­li­zen­zen seit Jah­ren nicht mehr er­neu­ern las­sen. Sie wür­den ih­nen wohl auch nicht ver­län­gert. Denn die Fol­gen des Sand­ab­baus in der La­gu­ne sind dra­ma­tisch. Vor al­lem die Fi­scher in der La­gu­ne lei­den un­ter dem ste­ti­gen Um­gra­ben des Ge­wäs­ser­bo­dens. Da­bei wer­den Fi­sche ge­tö­tet, Fisch­ei­er zer­stört, Jung­fi­sche vom Schlamm be­gra­ben. Die Fi­scher aus dem Ar­men­vier­tel Ma­ko­ko, das auf Holz­stel­zen in die La­gu­ne ge­baut wor­den ist, und nur mit Holz­ka­nus zu er­rei­chen ist, tun sich des­halb schwer, ih­ren Le­bens­un­ter­halt zu ver­die­nen.

Die gan­ze Stadt, die in wei­ten Tei­len nur ein­ein­halb Me­ter ober­halb des Mee­res­spie­gels liegt, er­lebt im­mer öf­ter Über­flu­tun­gen. Das liegt auch dar­an, dass die Man­gro­ven­wäl­der in den Sümp­fen, die La­gos um­ge­ben ha­ben, in­zwi­schen der im­mer­wäh­ren­den Stadt­er­wei­te­rung zum Op­fer fal­len. Mehr als 20 Pro­zent der Man­gro­ven­wäl­der, die ge­gen Sturm­flu­ten schütz­ten, sind schon ver­schwun­den.

Der Sand aus der Wüs­te ist zu glatt, um Be­ton Fes­tig­keit zu ge­ben Sand­berg­bau be­gräbt Fi­sche und ih­re Eier un­ter dem Schlamm

Fo­to: An­war Mir­za/Reu­ters

Sand im Meer. Mil­lio­nen Ton­nen Sand sind vor Dubai auf­ge­schüt­tet wor­den, um künst­li­che In­seln zu schaf­fen.

Fo­to: Mat­thi­as Sei­fert/Reu­ters

In­sel in Pal­men­form. So sa­hen die künst­li­chen In­seln vor Dubai im Jahr 2009 aus.

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