Fifa be­schließt Me­ga-WM mit 48 Mann­schaf­ten

Neu­er Tur­nier­mo­dus greift erst­mals 2026 DFB er­neu­ert sei­ne Kri­tik

Der Tagesspiegel - - VORDERSEITE - Von Jo­han­nes Ne­do

Berlin - Die Fuß­ball-Welt­meis­ter­schaft wächst ge­wal­tig. Das Fifa-Coun­cil, das höchs­te Gre­mi­um des Fuß­ball-Welt­ver­ban­des, hat am Di­ens­tag bei sei­ner Sit­zung in Zürich die Er­hö­hung der Teil­neh­mer­zahl von 32 auf 48 Mann­schaf­ten von 2026 an be­schlos­sen. Statt der bis­lang acht Grup­pen mit je­weils vier Teams wird es in neun Jah­ren in der Vor­run­de 16 Grup­pen mit je drei Mann­schaf­ten ge­ben. Die Teams auf den Plät­zen eins und zwei je­der Grup­pe zie­hen in die neue K.-o.-Zwi­schen­run­de ein. Da­nach geht es mit dem Ach­tel­fi­na­le wei­ter. Der Welt­meis­ter muss bis zum Ti­tel wie bis­her sie­ben Spie­le ab­sol­vie­ren. Auch die Tur­nier­dau­er von 32 Ta­gen bleibt be­ste­hen. Dar­auf hat­ten be­son­ders die Kri­ti­ker aus Eu­ro­pa mas­siv ge­drängt. Aber die Ge­samt­zahl der WM-Spie­le steigt von 64 auf 80 Par­ti­en.

Die Ver­tre­ter des Deut­schen Fuß­ball-Bun­des (DFB) sind mit der Er­wei­te­rung nicht zu­frie­den. „Ich fin­de das bis­he­ri­ge WM-For­mat mit 32 Mann­schaf­ten im­mer noch gut und kann aus rein sport­li­cher Sicht ei­ner Auf­sto­ckung gar nichts ab­ge­win­nen“, sag­te Bun­des­trai­ner Joa­chim Löw. Auch Te­am­ma­na­ger Oli­ver Bier­hoff be­ton­te: „Wir müs­sen auf­pas­sen, dass der Wert und der Kern des Fuß­balls er­hal­ten blei­ben und die Fans wei­ter­hin spü­ren, dass es pri­mär um den Fuß­ball auf dem Platz geht.“

Der Fifa-Prä­si­dent Gi­an­ni In­fan­ti­no ent­geg­ne­te auf die har­sche Kri­tik aus Deutsch­land: „Auch bei ei­ner WM mit nur zwei Teams wä­re ei­nes da­von im­mer Deutsch­land. Für vie­le an­de­re Län­der ist die­se WM aber die Chan­ce, ein­mal da­bei zu sein“, sag­te der Schwei­zer. In­fan­ti­no ge­fiel sich in sei­ner Rol­le als ver­meint­li­cher Heils­brin­ger der Fuß­ball-Welt. Und er weiß die Mehr­heit der Ver­bän­de hin­ter sich. Das Coun­cil des Welt­ver­ban­des hat­te sei­nen WM-Plan schnell und ein­stim­mig durch­ge­winkt.

In neun Jah­ren wird der Fuß­ball-Welt­meis­ter al­so erst­mals bei ei­nem Tur­nier mit 48 Mann­schaf­ten er­mit­telt, sehr wahr­schein­lich wird es in Nord­ame­ri­ka statt­fin­den. Die­se Nie­der­la­ge er­kann­te auch Li­ga­prä­si­dent Rein­hard Rau­ball an: „So­lan­ge sich die gro­ßen eu­ro­päi­schen Fuß­ball-Na­tio­nen, ih­re Ver­bän­de, Li­gen und Klubs, nicht auf ei­ne ge­mein­sa­me Po­si­ti­on ver­stän­di­gen kön­nen, ist auch die Mei­nung des Welt­meis­ters be­dau­er­li­cher­wei­se nur ei­ne un­ter vie­len.“Auch die von Bay­ern Mün­chens Vor­stands­chef Karl-Heinz Rum­me­nig­ge an­ge­führ­te Ver­ei­ni­gung der eu­ro­päi­schen Spit­zen­klubs re­agier­te em­pört und be­klag­te, nicht ad­äquat ein­ge­bun­den ge­we­sen zu sein.

Gro­ßen Dis­kus­si­ons­be­darf hat­ten die Fifa-Funk­tio­nä­re al­ler­dings nicht mehr. Nach et­was mehr als 90 Mi­nu­ten wur­de die Nach­richt ver­kün­det. Die auf­ge­stock­te WM­soll der Fifa Mehr­ein­nah­men von min­des­tens 600 Mil­lio­nen Eu­ro brin­gen. Po­li­ti­sche und öko­no­mi­sche Grün­de spra­chen für die Auf­blä­hung, sport­lich ist das For­mat aber höchst um­strit­ten.

Den Fifa-Funk­tio­nä­ren la­gen vier Re­form­mo­del­le vor, dar­un­ter zwei mit 40 Teams. Die­se Va­ri­an­ten wur­den ab­ge­lehnt, wie auch das 48er-WM-For­mat mit ei­ner Play-off-Run­de vor dem ei­gent­li­chen Tur­nier­start.

Ob es wie von In­fan­ti­no an­ge­regt nun bei der WMk­ei­neU­n­ent­schie­den mehr ge­ben und je­de Par­tie auch in der Vor­run­de bei Gleich­stand mit ei­nem Elf­me­ter­schie­ßen ent­schie­den wer­den wird, steht al­ler­dings noch nicht fest. Sinn­voll ist die­se his­to­ri­sche Re­ge­län­de­rung we­gen des krum­men Mo­dus, weil sonst Mau­sche­lei­en im letz­ten Grup­pen­spiel mög­lich wä­ren.

2018 und 2022 fin­det die WM noch mit 32 Teams statt, da für die Tur­nie­re schon ent­spre­chen­de Mar­ke­ting-De­als ab­ge­schlos­sen sind.

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