Schulz: Mer­kel macht die Leu­te kir­re

SPD-Kanz­ler­kan­di­dat be­an­sprucht al­len Um­fra­gen zum Trotz wei­ter die Re­gie­rungs­füh­rung und warnt vor der AfD

Der Tagesspiegel - - VORDERSEITE - Von Ste­phan Ha­sel­ber­ger und Hans Mo­nath

Ber­lin - SPD-Kanz­ler­kan­di­dat Mar­tin Schulz setzt an­ge­sichts schlech­ter Um­fra­ge­wer­te dar­auf, dass sein Kampf­geist und sei­ne Kon­se­quenz vom Wäh­ler be­lohnt wer­den. „Ich beu­ge mich nicht, ich hal­te mei­nen Kurs. Nur wer kämpft, be­kommt den Re­spekt der Wäh­ler“, sag­te Schulz ei­ne Wo­che vor der Bun­des­tags­wahl dem Ta­ges­spie­gel. Er wer­de bis zum Wahl­tag nicht von sei­nem An­spruch ab­rü­cken, Bun­des­kanz­ler zu wer­den, kün­dig­te der SPD-Chef an. Er sei „ein prin­zi­pi­en­fes­ter Mensch“und wer­de „nicht we­gen ein paar Um­fra­gen zum Tak­ti­ker“. Der Po­li­ti­ker ver­tei­dig­te die Kon­zen­tra­ti­on sei­nes Wahl­kampfs auf das Ver­spre­chen so­zia­ler Ge­rech­tig­keit. Ganz oben bei den The­men, die für die Deut­schen wich­tig sei­en, stün­den „Bil­dung, Ren­te, Mie­ten, Fa­mi­lie“, sag­te er. Laut jüngs­ten Um­fra­gen hät­te ge­gen­wär­tig nur ein Ja­mai­ka-Bünd­nis von Uni­on, FDP und Grü­nen oder ei­ne gro­ße Ko­ali­ti­on un­ter Füh­rung der Uni­on ei­ne Mehr­heit.

Der SPD-Chef be­kräf­tig­te sei­nen Vor­wurf, wo­nach Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) mit ih­rem Po­li­tik­stil die De­mo­kra­tie be­schä­di­ge. „An­ge­la Mer­kel macht Schlaf­ta­blet­ten­po­li­tik. Sie will die­ses Land sys­te­ma­tisch se­die­ren. Das scha­det der De­mo­kra­tie. Und ist ei­ner Kanz­le­rin un­wür­dig“, sag­te Schulz. „Wenn es ei­ne Welt­meis­ter­schaft im Un­ge­fäh­ren ge­ben wür­de, wä­re An­ge­la Mer­kel längst Cham­pi­on“, er­klär­te der SPD-Po­li­ti­ker. „Was wir bei Mer­kel er­le­ben, ist die Re­du­zie­rung von Po­li­tik auf tak­ti­sche Raf­fi­nes­sen. Das macht die Leu­te kir­re.“

Der SPD-Kanz­ler­kan­di­dat warn­te ein­dring­lich vor ei­nem gu­ten Ab­schnei­den der AfD am24. Sep­tem­ber. In al­len Um­fra­gen lie­gen die Rechts­po­pu­lis­ten weit über der Fünf-Pro­zent-Hür­de, bei man­chen In­sti­tu­ten sind sie stär­ker als al­le an­de­ren klei­nen Par­tei­en. Ein Ein­zug der AfD in den Bun­des­tag „wä­re ei­ne Zä­sur in der Ge­schich­te der Bun­des­re­pu­blik und ei­ne Schan­de für Deutsch­land. Un­ser An­se­hen in der Welt wür­de da­durch schwer be­schä­digt“, warn­te Schulz. Die AfD sei ein Sam­mel­be­cken für Deutsch­na­tio­na­le, es schei­ne un­ter ih­ren An­hän­gern aber auch „har­te Na­zis“zu ge­ben. „Die­se Leu­te sind Brand­stif­ter“, mein­te der SPD-Chef. Über den AfD-Spit­zen­kan­di­da­ten, Alex­an­der Gau­land, sag­te er: „Leu­te, die so ge­re­det ha­ben wie Gau­land, ha­ben in der Wei­ma­rer Re­pu­blik Adolf Hit­ler den Steig­bü­gel ge­hal­ten.“Gau­land re­la­ti­vie­re die Ver­bre­chen im Zwei­ten Welt­krieg und ha­be „im Bun­des­tag nichts ver­lo­ren“.

Au­ßen­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el (SPD) sprach sich un­ter­des­sen für ei­ne Am­pel­ko­ali­ti­on aus SPD, Grü­nen und FDP aus. Er sei ein „gro­ßer Fan“die­ses Bünd­nis­ses, sag­te er dem SWR. „Im Kern hal­te ich das für die rich­ti­ge Ko­ali­ti­on.“Er sei ein So­zi­al­li­be­ra­ler und die Grü­nen stün­den für ei­ne be­son­de­re Form li­be­ra­ler Po- li­tik. Kri­tisch be­wer­te­te er da­ge­gen ei­ne Ko­ali­ti­on aus Uni­on und FDP oder ein Bünd­nis Uni­on und Grü­ne. Schwar­zG­rü­ne Ide­en tauch­ten im­mer bei de­nen auf, de­nen es gut ge­he, sag­te er. „Wenn man viel hat, dann kann man auch an­de­ren Ver­zicht pre­di­gen.“

Mer­kel for­der­te die SPD er­neut auf, sich von ei­nem mög­li­chen Re­gie­rungs­bünd­nis mit der Lin­ken zu dis­tan­zie­ren. „Wir le­ben in un­ru­hi­gen Zei­ten. Und Ex­pe­ri­men­te kön­nen wir uns im Au­gen­blick nicht er­lau­ben“, sag­te sie bei ei­nem Wahl­kampf­auf­tritt auf Rü­gen. Die Re­pu­blik brau­che für die nächs­ten Jah­re Sta­bi­li­tät und Si­cher­heit. mit dpa/rtr

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