Krieg der Wor­te

Nord­ko­reas Macht­ha­ber Kim warnt Trump im Atom­streit vor ei­nem An­griff. Der US-Prä­si­dent ant­wor­tet vor sei­ner Re­de am Di­ens­tag vor den UN mar­tia­lisch

Der Tagesspiegel - - NACHRICHTEN -

- Nach dem jüngs­ten nord­ko­rea­ni­schen Ra­ke­ten­test hat Macht­ha­ber Kim Jong Un die USA ein­dring­lich da­vor ge­warnt, ei­nen Mi­li­tär­ein­satz ge­gen sein Land auch nur zu er­wä­gen. Nord­ko­reas Ziel sei es, dass die „US-Herr­scher es nicht wa­gen, über mi­li­tä­ri­sche Op­tio­nen ge­gen die De­mo­kra­ti­sche Volks­re­pu­blik Ko­rea zu spre­chen“, zi­tier­te die staat­li­che Nach­rich­ten­agen­tur KCNA am Sams­tag den Staats­chef. Kim er­klär­te, ein Gleich­ge­wicht der Kräf­te mit den USA an­zu­stre­ben. Nord­ko­rea wer­de sein „Ziel ei­ner Atom­streit­macht un­ge­ach­tet der gren­zen­lo­sen Sank­tio­nen und Blo­cka­den er­rei­chen“, sag­te Kim wei­ter. Pjöng­jang ha­be die­ses Ziel schon fast er­reicht. Der Ra­ke­ten­test vom Frei­tag ha­be die „Schlag­kraft“er­höht.

US-Prä­si­dent Do­nald Trump droh­te Nord­ko­rea mit ei­ner „über­wäl­ti­gen­den“Re­ak­ti­on der USA. Die USA­könn­ten mit ih­ren mi­li­tä­ri­schen Fä­hig­kei­ten je­den Feind „zer­mal­men“. Bei ei­nem Be­such des Luft­waf­fen­stütz­punk­tes And­rews sag­te er vor hun­der­ten Sol­da­ten, Nord­ko­rea ha­be „ein wei­te­res Mal sei­ne völ­li­ge Miss­ach­tung für sei­ne Nach­barn und die ge­sam­te Welt­ge­mein­schaft ge­zeigt“. Er sei je­doch „über­zeug­ter denn je, dass un­se­re Op­tio­nen nicht nur ef­fek­tiv, son­dern über­wäl­ti­gend sind“, be­ton­te er, nach­dem er auf dem Stütz­punkt mo­derns­te US-Kampf­jets und Bom­ber in­spi­ziert hat­te.

Trump wer­de auch vor der Voll­ver­samm­lung der Ver­ein­ten Na­tio­nen deut­lich ma­chen, dass es wich­tig sei, ex­tre­men Druck auf Nord­ko­rea aus­zu­üben, sag­te ei­ne Spre­che­rin des Wei­ßen Hau­ses. Zu­dem wer­de er bi­la­te­ral mit sei­nem chi­ne­si­schen Kol­le­gen Xi Jin­ping über das The­ma spre­chen. Der US-Prä­si­dent soll am Di­ens­tag sei­ne ers­te Re­de vor der Voll­ver­samm­lung der Ver­ein­ten Na­tio­nen hal­ten, die nicht nur we­gen der Nord­ko­rea-Kri­se mit Span­nung er­war­tet wird.

Der für Abrüs­tung zu­stän­di­ge US-Bot­schaf­ter bei den UN, Ro­bert Wood, sag­te, die Sank­tio­nen hät­ten bis­lang noch nicht so stark ge­schmerzt wie sie könn­ten, weil sie nicht voll­stän­dig um­ge­setzt wor­den sei­en. Chi­na ist der wich­tigs­te Han­dels­part­ner Nord­ko­reas. Als Re­ak­ti­on auf den sechs­ten und bis­her ge­wal­tigs­ten Atom­waf­fen­test Nord­ko­reas vom 3. Sep­tem­ber hat­te der UN-Si­cher­heits­rat am Mon­tag ein ach­tes Sank­ti­ons­pa­ket ge­gen Pjöng­jang be­schlos­sen. Die­ses be­inhal­tet un­ter an­de­rem ein Ver­bot von Tex­til­im­por­ten aus Nord­ko­rea, ein Gas­em­bar­go so­wie Be­schrän­kun­gen bei Öl­lie­fe­run­gen.

In ei­ner am Frei­tag ein­stim­mig ver­ab­schie­de­ten Er­klä­rung for­der­te der Si­cher­heits­rat der Ver­ein­ten Na­tio­nen Nord­ko­rea zur so­for­ti­gen Ein­stel­lung der Waf­fen­tests auf. Ei­ne Dro­hung mit neu­en Sank­tio­nen ent­hält der Text aber nicht. Der UN-Si­cher­heits­rat be­wer­te­te den neu­er­li­chen nord­ko­rea­ni­schen Ra­ke­ten­test in sei­ner Re­so­lu­ti­on als „zu­tiefst pro­vo­zie­rend“, das Vor­ge­hen Nord­ko­reas kri­ti­siert er als „em­pö­rend“. Nord­ko­reas Atom- und Ra­ke­ten­tests sei­en ei­ne Be­dro­hung nicht nur für die Re­gi­on, „son­dern für al­le UN-Mit­glied­staa­ten“. Al­len War­nun­gen zum Trotz hat­te Nord­ko­rea am Frei­tag er­neut ei­ne Ra­ke­te über Ja­pan hin­weg in den Pa­zi­fik ge­feu­ert.

Die am Frei­tag von Nord­ko­rea ab­ge­feu­er­te Ra­ke­te flog wei­ter als je­de zu­vor von Pjöng­jang ge­tes­te­te Ra­ke­te, nach An­ga­ben des süd­ko­rea­ni­schen Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um 3700 Ki­lo­me­ter. Nach An­sicht des Phy­si­kers Da­vid Wright ha­be Nord­ko­rea mit der Ra­ke­te sei­ne Fä­hig­keit de­mons­triert, dass es

Pu­tin und Ma­cron for­dern di­rek­te Ge­sprä­che

den US-Stütz­punkt Guam im Pa­zi­fi­schen Oze­an er­rei­chen kön­ne. Das Pa­zi­fik­kom­man­do der US-Streit­kräf­te er­klär­te je­doch, die ge­tes­te­te Ra­ke­te sei kei­ne Be­dro­hung für Nord­ame­ri­ka oder die In­sel Guam ge­we­sen, auf der tau­sen­de US-Sol­da­ten sta­tio­niert sind. Im nord­ko­rea­ni­schen Staats­fern­se­hen war ein Ra­ke­ten­start zu se­hen, an­geb­lich der vomF­rei­tag. Die be­rühm­te Nach­rich­ten­spre­che­rin Ri Chun Hee zi­tier­te Macht­ha­ber Kim mit den Wor­ten, die „Ge­fechts­be­reit­schaft“der Ra­ke­te sei "sorg­fäl­tig über­prüft" wor­den. Ja­pans Re­gie­rungs­chef Abe er­klär­te, sein Land wer­de ei­ne sol­che Pro­vo­ka­ti­on nicht hin­neh­men. Sie sei „ei­ne Be­dro­hung für den Welt­frie­den“. Erst En­de Au­gust hat­te Nord­ko­rea ei­ne Ra­ke­te über Ja­pan hin­weg ab­ge­feu­ert.

Der Kreml er­klär­te nach ei­nem Te­le­fo­nat von Russ­lands Staats­chef Wla­di­mir Pu­tin mit sei­nem fran­zö­si­schen Kol­le­gen Em­ma­nu­el Ma­cron, bei­de sä­hen in di­rek­ten Ge­sprä­chen mit Pjöng­jang den ein­zi­gen Aus- weg aus der Kri­se. Es sei „nicht hin­nehm­bar, ei­ne Es­ka­la­ti­on der Span­nun­gen zu er­lau­ben“. Der chi­ne­si­sche Bot­schaf­ter in Washington for­der­te die USA auf, Dro­hun­gen ge­gen Nord­ko­rea zu un­ter­las­sen. „Ehr­lich ge­sagt, bin ich der Mei­nung, dass die USA viel mehr un­ter­neh­men soll­ten als bis­her, so­dass es zu ei­ner ech­ten, ef­fek­ti­ven in­ter­na­tio­na­len Zu­sam­men­ar­beit in die­ser An­ge­le­gen­heit kommt“, sag­te Cui Ti­an­kai.

Au­ßen­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el, der am Wo­che­n­en­de un­ter an­de­rem zu po­li­ti­schen Ge­sprä­chen nach Chi­na reist, sprach sich für ei­ne Kom­bi­na­ti­on aus wirt­schaft­li­chem Druck und Ver­hand­lungs­an­ge­bo­ten im Atom­streit mit Nord­ko­rea aus. Das Bei­spiel Iran zei­ge, dass bei­des ge­braucht wer­de, sag­te er im Süd­west­rund­funk. Zu­vor hat­te er den Ra­ke­ten­test Nord­ko­reas „auf das Schärfs­te“ver­ur­teilt. „Das Re­gime in Pjöng­jang führt uns er­neut vor Au­gen, dass es ei­ne erns­te Be­dro­hung für den Welt­frie­den dar­stellt“, sag­te er in Ber­lin.

Fo­tos: Reu­ters/AFP

Pro­pa­gan­da pur. Wäh­rend sich Kim Jong Un – nach An­ga­ben aus Pjöng­jang – wäh­rend des neu­en Ra­ke­ten­tests fo­to­gra­fie­ren ließ, sprach Do­nald Trump auf dem US-Luft­waf­fen­stütz­punkt And­rews vor ei­nem Bom­ber zu Sol­da­ten ste­hend.

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