Wenn „Iden­ti­tät“zum Fe­tisch wird

Das Ge­re­de über die deut­sche Leit­kul­tur setzt letzt­lich auf Aus- und Ab­gren­zung. Da­mit war und ist es ei­ner Kul­tur­na­ti­on un­wür­dig. *** Letz­ter Teil un­se­rer Se­rie „Was ist deutsch?“

Der Tagesspiegel - - CAUSA -

Iden­ti­tät ist das Mo­de­wort der Zeit. Die iden­ti­tä­re Be­we­gung trägt es wie ei­nen Fe­tisch vor sich her. Aber was be­deu­tet es ei­gent­lich? Was ist in ei­nem Men­schen das Iden­ti­sche? Es kann au­ßer sei­ner ein­ma­li­gen In­di­vi­dua­li­tät doch nur das Spe­zi­fi­schMen­sch­li­che sein, das, was er mit al­len Men­schen ge­mein hat.

Wenn wir ei­ne Ge­ne­ral­in­ven­tur un­se­res Be­wusst­seins vor­neh­men und al­les aus­mus­tern, was nicht spe­zi­fisch mensch­lich ist, wer­den wir auf ei­nen har­ten Kern sto­ßen, den Ver­stand, der die Ba­sis al­ler zwi­schen­mensch­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­on ist. Oh­ne ihn lie­ße sich kei­ne Spra­che in ei­ne an­de­re über­set­zen, und selbst Spre­cher der glei­chen Spra­che könn­ten nie wis­sen, ob die an­de­ren sie ver­ste­hen. Nicht al­le ha­ben Ver­stand in glei­cher Men­ge und mit glei­cher Reich­wei­te. Doch bei al­len funk­tio­niert er nach den glei­chen Re­geln. Der Ver­stand ist der här­tes­te Kern des Spe­zi­fisch-Mensch­li­chen, der selbst durch die Un­ver­stän­digs­ten nicht zer­trüm­mert wer­den kann.

Das Mus­ter­bei­spiel für die­se Här­te ist die Ma­the­ma­tik. Un­ser Ge­hirn zwingt uns zu der Über­zeu­gung, dass die ma­the­ma­ti­schen Ge­setz­mä­ßig­kei­ten uni­ver­sal und ewig gül­tig sind. Kein all­mäch­ti­ger Gott kann ein Drei­eck in ei­ner geo­me­tri­schen Ebe­ne kon­stru­ie­ren, des­sen drei Win­kel nicht zu­sam­men zwei rech­te er­ge­ben. Selbst wenn ne­ben un­se­rem Uni­ver­sum hun­dert Mil­li­ar­den an­de­re exis­tie­ren soll­ten, zwingt uns un­ser Be­wusst­sein zu der Über­zeu­gung, dass in al­len die glei­che Ma­the­ma­tik gel­ten muss. Das Glei­che gilt für die Grund­re­geln der Lo­gik. An die­sem har­ten Kern ori­en­tiert sich je­de se­riö­se Wis­sen­schaft. Er ist der ma­gne­ti­sche Pol, auf den der Kom­pass je­des Wis­sen­schaft­lers aus­ge­rich­tet sein muss. Je­de Ge­wiss­heit, die sich an ei­nem an­de­ren Kom­pass ori­en­tiert – sei es an sub­jek­ti­ver In­tui­ti­on oder an ver­meint­lich gött­li­cher Of­fen­ba­rung –, be­ruht auf Glau­ben, nicht auf Wis­sen. Au­ßer­halb der Ma­the­ma­tik und der Lo­gik gibt es kein Wis­sen, dass nicht prin­zi­pi­ell durch Er­fah­rung fal­si­fi­zier­bar ist.

Wis­sen­schaft ver­bin­det, Glau­ben trennt. Selbst Grup­pen, die sich aus ideo­lo­gi­schen oder re­li­giö­sen Grün­den bis aufs Blut be­kämp­fen, nut­zen die wis­sen­schaft­li­chen Er­kennt­nis­se der An­ders­gläu­bi­gen, um sie als Waf­fe ge­gen die­se ein­zu­set­zen. Not­falls steh­len sie die­ses Wis­sen. Sie wür­den aber nie­mals die Glau­bens­in­hal­te des Geg­ners steh­len, denn ge­nau die wol­len sie ver­nich­ten. Ei­ne Grup­pen­iden­ti­tät, die nur auf ge­si­cher­tem, je­der­zeit über­prüf­ba­rem und dar­um fal­si­fi­zier­ba­rem (wi­der­leg­ba­rem) Wis­sen be­ruht, ist all­ge­mein­mensch­lich und grund­sätz­lich in­klu­siv. Grup­pen­iden­ti­tä­ten, die auf eth­ni­scher Her­kunft, Spra­che, Kul­tur und Re­li­gi­on be­ru­hen, sind ex­klu­siv, denn sie de­fi­nie­ren sich durch Ab­gren­zung vom Frem­den. Nimmt die Be­to­nung der ei­ge­nen Iden­ti­tät zu, wird die Ab­leh­nung des Frem­den eben­so wach­sen und zu­letzt, wie die his­to­ri­sche Er­fah­rung lehrt, in Feind­schaft über­ge­hen. Es ist ei­ne tra­gisch zu nen­nen­de Pa­ra­do­xie, dass aus­ge­rech­net die Re­li­gio­nen, de­nen die Mensch­heit die groß­ar­tigs­ten Kul­tur­schöp­fun­gen ver­dankt, zugleich zur Recht­fer­ti­gung der schlimms­ten Blut­bä­der miss­braucht wur­den und wer­den. Die­ser Miss­brauch ist nicht die Schuld bö­ser Mäch­te, die der Re­li­gi­on scha­den wol­len, er liegt viel­mehr im Kern je­der Re­li­gi­on selbst, wo­bei als Re­li­gi­on auch je­de Wel­t­an­schau­ung gel­ten muss, die sich für die ein­zig wah­re hält. Selbst der ver­meint­lich „wis­sen­schaft­li­che“So­zia­lis­mus wur­de zur Re­li­gi­on, als er sich nur noch auf sei­ne Kir­chen­vä­ter stütz­te und kei­ne Fal­si­fi­zie­rung sei­ner Prä­mis­sen mehr zu­ließ.

Ge­wiss gibt es Bei­spie­le da­für, dass Re­li­gi­on auch in bö­ser Ab­sicht zum Zwe­cke des Macht­er­halts oder der Mach­ter­wei­te­rung miss­braucht wur­de. Doch was die is­la­mis­ti­schen Selbst­mord­at­ten­tä­ter tun, kommt aus dem In­ne­ren ih­rer re­li­giö­sen Über­zeu­gung. Das Glei­che gilt für die Blut­ta­ten, die das Chris­ten­tum im Lau­fe sei­ner Ge­schich­te zu ver­ant­wor­ten hat­te. Einst ha­ben die­sel­ben Chris­ten, die Nächs­ten­lie­be pre­dig- ten, Ket­zer ver­brannt. Sie ta­ten es nicht nur als Be­stra­fung, son­dern auch um den Ab­trün­ni­gen ei­ne letz­te Chan­ce auf Er­lö­sung durch Reue zu ge­ben. Wer an die al­lein­se­lig­ma­chen­de Kraft sei­ner Re­li­gi­on und zugleich an die Pflicht zur Nächs­ten­lie­be glaubt, ist ge­ra­de­zu mo­ra­lisch ver­pflich­tet, die Un­gläu­bi­gen, selbst un­ter An­wen­dung äu­ßers­ter Ge­walt und ge­gen de­ren Wil­len, vor der ewi­gen Ver­damm­nis zu ret­ten.

Ein streng­gläu­bi­ger Mensch, der sei­ne Re­li­gi­on für die ein­zig wah­re hält, kann nicht to­le­rant sein. Wer et­was an­de­res be­haup­tet, er­liegt from­mem Selbst­be­trug. In ei­ner Zeit der Glo­ba­li­sie­rung ist je­der Ver­such, sich in das Nest ei­ner eth­nisch-kul­tu­rel­len Iden­ti­tät zu flüch­ten, ein Anachro­nis­mus. Das Ge­re­de über die deut­sche Leit­kul­tur war und ist ei­ner Kul­tur­na­ti­on un­wür­dig. Nicht erst seit Kur­zem le­ben wir Deut­sche in ei­ner Mul­ti­kul­tur, die den Iden­ti­tä­ren ein Dorn im Au­ge ist. Ge­ra­de in Deutsch­land, des­sen po­li­ti­scher Fluch der Kle­in­staa­te­rei zugleich den Se­gen ei­ner viel­fäl­ti­gen Re­gio­nal­kul­tur her­vor­brach­te, soll­te man sich be­wusst sein, dass ei­ne Be­to­nung der na­tio­na­len Iden­ti­tät nur zu ei­ner stär­ke­ren Ab­gren­zung von an­de­ren Kul­tu­ren führt.

Am deut­sches­ten im iden­ti­tä­ren Sinn wa­ren die Deut­schen, als sie mehr­heit­lich un­ter dem Ban­ner des Deutsch­tums mar­schier­ten. Doch sie ta­ten dies nicht, weil der Na­zio­nal­so­zia­lis­mus ih­rem We­sen ent­sprach, son­dern weil ei­ne Ge­walt­herr­schaft je­de an­de­re Kul­tur im Lan­de un­ter­drück­te. Ein Ver­bot des Schlei­ers für Leh­rer und Rich­ter hat nichts mit deut­scher Leit­kul­tur zu tun, son­dern nur et­was mit der Neu­tra­li­täts­pflicht von staat­li­chen Amts­trä­gern. An­sons­ten soll­te das gel­ten, was der Al­te Fritz, der kein De­mo­krat war, zum ge­flü­gel­ten Wort mach­te, näm­lich dass je­der nach sei­ner Fas­son se­lig wer­den kön­ne (und das auch dür­fen muss!).

Die Pro­pa­gan­dis­ten der deut­schen Leit­kul­tur schei­nen blind da­für zu sein, dass sich über­all in der Welt die Ab­gren­zungs­ten­den­zen ver­stär­ken, sei es die Is­la­mi­sie­rung der ara­bi­schen Welt, die Hin­du­i­sie­rung In­di­ens oder das Zu­sam­men­rü­cken der wei­ßen Ame­ri­ka­ner un­ter ei­nem evan­ge­li­ka­len Ban­ner. Man mag ein­wen­den, dass re­li­giö­se Ho­mo­ge­ni­sie­rung bis hin zu er­zwun­ge­ner Recht­gläu­big­keit et­was an­de­res ist als die Ak­zep­tanz deut­schen Brauch­tums wie zum Bei­spiel des Hän­de­schüt­telns. Aber lohnt es sich wirk­lich, mit der Be­to­nung sol­chen Brauch­tums das Ge­spenst der eins­ti­gen Deutsch­tü­me­lei wach­zu­ru­fen? Man braucht doch nur ein­mal das Fern­seh­pro­gramm ei­nes ein­zi­gen Ta­ges zu stu­die­ren, um fest­zu­stel­len, dass dort die un­ter­schied­lichs­ten deut­schen Kul­tu­ren be­dient wer­den. Wer auf Arte ei­ne Opern­über­tra­gung sieht, wird in al­ler Re­gel kei­ne Pop­kon­zer­te hö­ren und erst recht nicht dem Eu­ro Vi­si­on Song Con­test ent­ge­gen­fie­bern. Wer auf Phoenix po­li­ti­sche De­bat­ten ver­folgt, wird sich nicht für die be­lieb­ten Ra­te­spie­le an­de­rer Sen­der in­ter­es­sie­ren. Wahr­schein­lich wer­den sich die Zu­schau­er von Arte, 3sat und Phoenix für ge­bil­de­ter hal­ten als die von RTL und Sat1. Ob sie es sind oder nur den Zug der Zeit ver­passt ha­ben, mag die Zu­kunft ent­schei­den. Tat­sa­che ist aber, dass die ge­nann­ten Sen­der, wie auch die üb­ri­gen, ihr je­weils ei­ge­nes Pu­bli­kum ha­ben und in­so­fern un­ter­schied­li­che Kul­tu­ren dar­stel­len. Statt die Mi­gran­ten auf­zu­for­dern, ei­ne deut­sche Leit­kul­tur an­zu­neh­men, soll­te man eher an die öf­fent­lich-recht­li­chen Fern­seh­an­stal­ten ap­pel­lie­ren, sich nicht so sehr den pri­va­ten an­zu­glei­chen, son­dern ei­ne brei­te­re Pa­let­te deut­scher Kul­tur­über­lie­fe­rung an­zu­bie­ten.

Das Thea­ter, über des­sen Auf­trag als „mo­ra­li­sche An­stalt“einst Schil­ler ei­nen wich­ti­gen Auf­satz schrieb, ist aus dem Fern­seh­an­ge­bot na­he­zu gänz­lich ver­schwun­den. Da­bei müss­ten die Ar­chi­ve von ARD und ZDF voll von ein­drucks­vol­len Thea­ter­auf­zeich­nun­gen sein. Wahr­schein­lich wird man kein bes­se­rer Staats­bür­ger, wenn man „Min­na von Barn­helm“, „Nat­han der Wei­se“, „Wil­helm Tell“, Grill­par­zers „Weh dem der lügt“oder Haupt­manns „Bi­ber­pelz“ge­se­hen hat, aber gut ge­spiel­te Auf­füh­run­gen sol­cher Stü­cke kön­nen un­ter­halt­sa­mer sein als öde Ra­te­spie­le, und sie ver­mit­teln dar­über hin­aus tra­dier­tes deut­sches Kul­tur­gut, das nichts Deutsch­tü­meln­des an sich hat. Das Thea­ter, das einst der In­be­griff von öf­fent­li­cher Kul­tur war, ist heu­te zu ei­ner win­zi­gen In­sel ge­schrumpft, die aus der po­pu­lä­ren Kul­tur her­aus­ragt und nur noch von ei­ner eli­tä­ren Min­der­heit be­wohnt ist. Im Ver­gleich mit den BBC-Ver­fil­mun­gen eng­li­scher Dra­men und Ro­ma­ne ist das, was das deut­sche Fern­se­hen zu bie­ten hat, arm­se­lig.

Es gibt kei­nen Be­weis da­für, dass das, was tra­di­tio­nell für Bil­dungs­gut ge­hal­ten wur­de und in kon­ser­va­ti­ven Krei­sen noch im­mer als sol­ches ge­schätzt wird, die Men­schen mo­ra­lisch bes­sert. In Deutsch­land, das da­mals zu den ge­bil­dets­ten Län­dern ge­rech­net wur­de, war es mög­lich, das Men­schen, die tags­über an der Ver­nich­tung von Ju­den mit­wirk­ten, abends im Haus­kon­zert Schu­berts Streich­quar­tett „Der Tod und das Mäd­chen“spiel­ten und sich da­bei sehr ge­bil­det fühl­ten. Doch das Bil­dungs­gut selbst war im­mer et­was, das auf all­ge­mein­mensch­li­che In­klu­si­on ab­ziel­te.

Li­te­ra­tur, Mu­sik, bil­den­de Kunst und Phi­lo­so­phie spra­chen in al­len na­tio­na­len Kul­tu­ren im­mer die gan­ze Mensch­heit an, was man bei­spiels­wei­se vom Sport und von der Pop­kul­tur nur be­dingt sa­gen kann. Die­se bei­den pu­bli­kums­wirk­sams­ten und fi­nan­zi­ell um­satz­stärks­ten Kul­tur­be­rei­che wir­ken zwar auch über na­tio­na­le Gren­zen hin­aus, ha­ben aber ei­ne Fan­kul­tur her­vor­ge­bracht, die zu sek­ten­ar­ti­gen Iden­ti­tä­ten führt, die sich beim Fuß­ball so­gar ge­walt­sam be­kämp­fen.

Wenn ein Mensch au­ßer mit sich selbst über­haupt noch mit et­was an­de­rem iden­tisch sein kann, dann nur mit dem All­ge­mein­mensch­li­chen. Des­halb soll­ten die Pro­pa­gan­dis­ten der deut­schen Leit­kul­tur nicht das her­aus­stel­len, was die Deut­schen von den Nicht­deut­schen un­ter­schei­det und da­mit ab­grenzt, son­dern das, was sie zur Welt­kul­tur bei­ge­tra­gen ha­ben. Der An­trieb der iden­ti­tä­ren Be­we­gung, die sich zur­zeit über­all auf der Welt be­merk­bar macht, ist die Angst vor dem Frem­den. Die­se Angst ist er­wie­se­ner­ma­ßen am größ­ten bei de­nen, die das Frem­de kaum ken­nen.

Aman­fäl­ligs­ten für sol­che Angst sind die Ab­ge­häng­ten im glo­ba­len Wett­be­werb um Macht, Geld und Sta­tus. Frü­her nann­te man­die­se Wett­be­werbskul­tur die vi­ta ac­tiva. Ihr stand die vi­ta con­tem­pla­ti­va ge­gen­über, die – an­fangs in Klös­tern, spä­ter in Uni­ver­si­tä­ten – im mit­tel­al­ter­li­chen Eu­ro­pa über die na­tio­na­len Gren­zen hin­weg er­staun­lich gut ver­netzt war. Wäh­rend die Re­prä­sen­tan­ten der vi­ta ac­tiva un­ab­läs­sig Krie­ge führ­ten, die der Ab­gren­zung von Macht­be­rei­chen dien­ten, pfleg­ten die Ver­tre­ter der vi­ta con­tem­pla­ti­va ei­ne geis­ti­ge Kul­tur, die In­klu­si­on und Ide­en­aus­tausch an­streb­te.

Auch jetzt gibt es noch die­ses wis­sens­ba­sier­te Stre­ben nach In­klu­si­on. Es wirkt bis in die Zen­tren der glo­ba­len Macht­po­li­tik hin­ein. Wäh­rend

Lohnt es sich wirk­lich, für ei­nen Brauch wie das Hän­de­schüt­teln die Deutsch­tü­me­lei wach­zu­ru­fen? Nicht Hoch­kul­tur, nicht Pop­kul­tur: Leit­kul­tur soll­te wis­sens­ba­sier­te Mensch­heits­kul­tur sein

et­wa der Wes­ten ge­gen Russ­land öko­no­mi­sche Sank­tio­nen ver­hängt, ar­bei­ten west­li­che For­scher im rus­sisch-ka­sa­chi­schen Bai­ko­nur mit rus­si­schen Kol­le­gen zu­sam­men und ver­trau­en ihr Le­ben rus­si­schen Ra­ke­ten an. Das zeigt, wie sehr Wis­sen ver­bin­det. Um­ge­kehrt ver­geht kaum ein Tag oh­ne ein Bei­spiel da­für, dass der Glau­be die Men­schen trennt, so et­wa die jüngst ver­kün­de­te Nach­richt, dass sich laut päpst­li­cher Ent­schei­dung glu­ten­frei­es Brot bei der Kom­mu­ni­on nicht in Fleisch ver­wan­deln kann im Ge­gen­satz zu glu­ten­hal­ti­gem.

Un­se­re Leit­kul­tur soll­te we­der die na­tio­na­le Hoch­kul­tur noch die glo­ba­le­re Pop­kul­tur sein, son­dern die wis­sens­ba­sier­te Mensch­heits­kul­tur, zu der al­le Na­tio­nen ih­ren Bei­trag leis­ten. Die­se Welt­kul­tur war im­mer of­fen. In ihr fand im­mer Aus­tausch statt. Sie hat sich bis heu­te ge­gen die Wi­der­stän­de na­tio­na­ler Ab­gren­zung und re­li­giö­ser Al­lein­ver­tre­tungs­an­sprü­che be­haup­tet. Sie gilt es zu stär­ken.

Wenn es als kul­tu­rel­le Be­rei­che­rung an­ge­se­hen wird, dass deut­sche Eras­mus-Stu­den­ten ins Aus­land ge­hen, um ei­ne Fremd­spra­che bes­ser zu ler­nen, wie­so ist es dann nicht eben­falls ei­ne Be­rei­che­rung des glo­ba­len Brut­to­kul­tur­pro­dukts, wenn Flücht­lin­ge und Asyl­su­chen­de in den Gren­zen des ge­sell­schaft­lich Zu­mut­ba­ren von Deutsch­land auf­ge­nom­men wer­den, hier Deutsch ler­nen, mit deut­schen Le­bens­ge­wohn­hei­ten be­kannt wer­den und da­nach hof­fent­lich et­was Dank­bar­keit da­für emp­fin­den, dass ih­nen ge­hol­fen wur­de? Die­se Men­schen ho­len sich bei uns ei­ne Ent­wick­lungs­hil­fe ab, die frü­her zu ei­nem gro­ßen Teil in die Ta­schen kor­rup­ter Re­gie­run­gen floss. Wenn wir die­sen Men­schen, statt sie mit Al­mo­sen ab­zu­spei­sen, schu­li­sche und be­ruf­li­che Bil­dung ge­ben, för­dern wir die ein­zig för­de­rungs­wür­di­ge über­in­di­vi­du­el­le Iden­ti­tät, näm­lich die der zi­vi­li­sier­ten Mensch­heit.

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