Ge­ne­ra­ti­on Mer­kel

Wäh­rend mei­ner ers­ten Klas­sen­fahrt wur­de An­ge­la Mer­kel die ers­te Kanz­le­rin Deutsch­lands. In­zwi­schen stu­die­re ich, und sie ist im­mer noch im Amt. Oh­ne Fol­gen für mein Le­ben blieb das nicht

Der Tagesspiegel - - MEINUNG -

Ein Flug­zeug fliegt in ei­nen Turm, und der Sand­mann ist weg. Der Kin­der­ka­nal un­ter­bricht sein Pro­gramm, und ich muss ins Bett. Der 11. Sep­tem­ber ist die ers­te Ka­ta­stro­phe, an die ich mich er­in­ne­re. Ein Jahr spä­ter par­odier­te die „Gerd-Show“im Ra­dio den Ketch­up-Song (A se­de he, ha, ahe oder so ähn­lich) mit „Ich er­höh’ – euch – die Steu­ern, ge­wählt ist ge­wählt, ihr könnt mich jetzt nicht mehr feu­ern, das ist ja das Gei­le an der De­mo­kra­tie“und ließ im da­zu­ge­hö­ri­gen Vi­deo ei­ne gie­ri­ge Schrö­der-Pup­pe wa­ckeln. In mei­ner Er­in­ne­rung ist Ger­hard Schrö­der die Ka­ri­ka­tur ei­nes Fa­b­rik­be­sit­zers, ein grau­er Herr aus „Mo­mo“, paf­fend, grob. Ich se­he Klaus Wo­wer­eit mit Cham­pa­gner und ei­nem ro­ten Da­men­schuh und den erns­ten Ge­org W. Bush. Wenn mei­ne Mut­ter mit D-Mark be­zahl­te, gab der Kas­sie­rer Eu­ros als Wech­sel­geld, die ich sam­mel­te. Ich hat­te ei­nen Ord­ner mit ei­ner Eu­ro­pa­kar­te, in die man die Mün­zen ver­schie­de­ner Län­der­prä­gung sor­tie­ren konn­te. Mein Opa sam­mel­te die letz­ten D-Mark-Schei­ne in ei­nem Brief­mar­ken­al­bum.

Wäh­rend mei­ner ers­ten Klas­sen­fahrt wird An­ge­la Mer­kel die ers­te Kanz­le­rin Deutsch­lands. Der weib­li­che Teil mei­ner Fa­mi­lie ist ganz aus dem Häu­schen über „An­gie“, aber wir sind mit Lie­bes­brie­fen be­schäf­tigt. Wenn wir auf dem Schul­hof Po­li­ti­ker mi­men, dann mit Rau­te. Wir re­den nur über ihr Äu­ße­res, ih­re gran­di­os schwe­ren Trä­nen­sä­cke, die Ho­sen­an­zü­ge.

Bei der WM2006 war ich elf Jah­re alt. „Deutsch­land, Deutsch­land!“, schrie ich Mi­ros­lav Klo­se zu. Mein Va­ter ging in die Ho­cke und kor­ri­gier­te mich: „Schlaand“, sag­te er und bat mich, die Fah­ne nicht so eu­pho­risch zu schwen­ken.

Auf ei­nem Schul­aus­flug ka­men wir im Bun­des­tag am Bü­ro von Dr. An­ge­la Mer­kel vor­bei. Ich hat­te bis da­hin noch kei­ne Po­li­ti­ke­rin im ech­ten Le­ben ge­se­hen, wie wür­de sie sein? Wie wür­de ich sie grü­ßen? Wer mei­ner Kum­pels wür­de sich wirk­lich trau­en, ei­ne Rau­te zu for­men? Die Bü­ro­tür blieb ver­schlos­sen und Po­li­tik nichts wei­ter als ein abs­trak­ter Be­griff.

Als ich 13 wur­de, be­nutz­te je­der an mei­ner Schu­le das On­lin­e­por­tal Schü­ler VZ und bei „po­li­ti­sche Ein­stel­lung“gab ich „Mit­te-links“an, das sei cool, mein­te ein Freund.

Ich wech­sel­te die Schu­le und Mer­kel den Ko­ali­ti­ons­part­ner. Ich knutsch­te zum ers­ten Mal und trenn­te mich ir­gend­wann. Mer­kel blieb. Ich ging nach Ar­gen­ti­ni­en und kam wie­der. Auf wen war Ver­lass? An­ge­la Mer­kel. Mei­ne Oma sag­te zu die­ser Zeit häu­fig, ich sol­le mit den Al­ko­pops auf­pas­sen. Ich wuss­te gar nicht, was das war.

Mei­ne Po­li­ti­sie­rung ver­lief pas­siv. Vom West-Ber­li­ner Stadt­rand schiel­ten wir nei­disch gen Os­ten. In Kreuz­berg wa­ren die Tech­no­clubs und die coo­len Leu­te. Und die wa­ren al­ter­na­tiv und links, und so wa­ren wir dann auch. Auf mei­nem ers­ten 1. Mai such­ten wir ein Open Air an der Ober­baum­brü­cke und frag­ten spä­ter Po­li­zis­ten nach dem Weg zum Gör­lit­zer Park. Es gab noch kei­ne AfD, und mein Mi­kro­kos­mos schien im­mer ve­ga­ner und ge­rech­ter zu wer­den. Erst rück­bli­ckend fällt mir auf, dass die Hälf­te mei­ner Mit­schü­ler ei­nen Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund hat­te. Auf dem Schul­hof spiel­te es kei­ne Rol­le.

Po­li­tisch en­ga­gier­te sich kaum je­mand. Ei­ner ging zu den Ju­sos, der war uns su­spekt. Er mach­te es be­stimmt nur für den Le­bens­lauf. Über die Jun­ge Uni­on und ih­re Par­ty „I’m se­xy and JU know it“lach­ten wir. Sich für An­ge­la Mer­kel zu be­geis­tern und sie in ih­rer Ju­gend­or­ga­ni­sa­ti­on zu ver­tei­di­gen, wä­re ab­surd ge­we­sen. Ich wuss­te nicht mal, was sie woll­te, sie war für mich ei­ne wei­te­re trä­ge Er­wach­se­ne, und mit de­nen woll­te ich ab­so­lut nichts zu tun ha­ben.

2011 lei­te­te An­ge­la Mer­kel die Ener­gie­wen­de ein und ich pul­te den „Atom­kraft Nein Dan­ke“-Auf­kle­ber von mei­nem Fahr­rad. Die Po­si­ti­on war mir mitt­ler­wei­le zu kon­ser­va­tiv.

In der Schu­le guck­ten wir „Der Baa­der-Mein­hof-Kom­plex“und über­leg­ten, was un­se­re Ju­gend­be­we­gung sei. Mit der Be­zeich­nung „Hips­ter“eta­blier­te sich ein Mo­de­wort für „Ab­gren­zung“. Wir tru­gen erst Beu­tel, Röh­ren­jeans und Bril­len, dann Turn­schu­he und al­te Adi­das-Pull­over. Wir grenz­ten uns von al­lem ab, auch von de­nen, die sich ab­gren­zen woll­ten, und so wur­de Hips­ter ei­ne Art Schimpf­wort für al­les Af­fek­tier­te, al­les Pseu­do­po­li­ti­sche und Pseu­do­kul­tu­rel­le. Le­na Mey­er-Land­rut ge­winnt den Eu­ro­vi­si­on Song Con­test? Pein­li­che Main­stream­mu­cke. Wer Marx oder den „Spie­gel“las, war cool, aber gleich­zei­tig lach­te man ihn da­für aus.

Klar bin ich po­li­tisch, hät­te ich ge­sagt und durch­aus das Ta­ges­ge­sche­hen dis­ku­tie­ren kön­nen. Aber selbst was ma­chen? So rich­tig da drau­ßen? Eher nicht. Für Nach­hal­tig­keit und so­zia­le Ge­rech­tig­keit zu sein, war selbst­ver­ständ­lich, dar­über zu re­den be­lang­los, lang­wei­lig. Wer pro­vo­zie­ren woll­te, war kon­ser­va­tiv. Das stän­di­ge Re­den dar­über, was man tun müss­te, oh­ne je et­was ge­tan zu ha­ben, wur­de zum Dau­er­ge­fühl mei­ner Ju­gend. So wirk­sam, wie sich in ei­nem Face­book­post über Da­ten­miss­brauch auf­zu­re­gen.

Schü­ler VZ wur­de zu Face­book und die Büh­ne des Schul­hofs ver­schob sich in die wei­te, wei­te Welt. Auf ein­mal kam der Sze­ne­druck nicht von den Rau­chern vorm Schul­tor, son­dern aus Stock­holm, To­kio und Wi­en und es be­gann die gro­ße Über­for­de­rung. Es wur­de na­he­zu un­mög­lich, sich mehr als 24 St­un­den im Vor­aus zu ver­ab­re­den. Kon­ser­va­ti­ve Po­li­ti­ker, Hü­ter des ge­sell­schaft­li- chen Fort­schritts, wirk­ten auf Com­pu­ter­mes­sen wie mein Phy­sik­leh­rer am Smart­board: fas­zi­niert, aber ab­so­lut über­for­dert. Mer­kels skep­ti­scher Blick durch ei­ne Da­ten­bril­le auf der Ce­bit 2010: zum Brül­len.

Ich mach­te Abitur, und die Haa­re wur­den län­ger. Po­li­tik nahm ich nicht als Pro­zess wahr, son­dern als Zu­stand. Was hab ich da­mit zu tun, dach­te ich, bis auf die Auf­he­bung der Wehr­pflicht gab es kein Ge­setz, das mich di­rekt be­traf, das ich spü­ren konn­te. Ich lös­te mei­ne Eu­ro-Mün­zen-Samm­lung auf und flog nach Bar­ce­lo­na und Hel­sin­ki. Eu­ro­pa wächst zu­sam­men, das war klar.

Bei mei­ner ers­ten Bun­des­tags­wahl, 2013, stand die Kanz­ler­schaft Mer­kels nicht wirk­lich in­fra­ge. Wir lach­ten über ih­re schwarz-rot-gol­de­ne Ket­te beim TV-Du­ell und Mar­tin Son­ne­borns Sa­ti­re­par- tei „Die Par­tei“. Die Wahl­pla­ka­te al­ler Par­tei­en gli­chen sich der­art, dass ich nur bei der NPD („Gas ge­ben“) hän­gen blieb. Der Rest ver­schwamm. Mit mei­ner Freun­din mal­te ich vor der ers­ten Hoch­rech­nung ein Dia­gramm, wie wir uns das Er­geb­nis vor­stell­ten. Es war ei­ne na­he­zu per­fek­te Vor­her­sa­ge. Und so rich­tig ent­täuscht wa­ren wir auch nicht. Klar, mit Grie­chen­land schien das nicht so fair zu lau­fen, aber die Dis­kus­sio­nen dar­über wur­den mit halb­her­zi­gem Halb­wis­sen ge­führt. „Aus­spä­hen un­ter Freun­den, das geht gar nicht“, sag­te Mer­kel, als be­kannt wur­de, dass US-Ge­heim­diens­te ih­re Te­le­fo­na­te ab­hör­te. Die­se For­mu­lie­rung war so pas­siv, dass ich au­gen­blick­lich zu gäh­nen be­gann.

Ähn­lich war es mit Mer­kel als Per­son. Sie war nie­mand, an dem ich mich rei­ben konn­te. Sie war wie die Kir­che, aus der ich aus­tre­ten woll­te, die ir­gend­wie nerv­te, ge­gen die ak­tiv et­was zu un­ter­neh­men aber echt kei­nen Spaß mach­te. Es ist auf­wen­dig und ... ach, das Ka­pi­tal woll­te ich un­be­dingt mal le­sen, und Fest­plat­ten-Back-ups ma­chen, das muss wirk­lich drin­gend er­le­digt wer­den.

Ei­ne ers­te Vor­ah­nung auf die kom­men­den Jah­re be­kam ich im No­vem­ber 2014. An­läss­lich des 25. Jah­res­tags des Mau­er­falls stie­gen in Ber­lin ent­lang der ehe­ma­li­gen Gren­ze tau­sen­de wei­ße Leucht­bal­lons auf. Gleich­zei­tig mach­te das Künst­ler­kol­lek­tiv „Zen­trum für po­li­ti­sche Schön­heit“mit ei­ner Ak­ti­on auf die töd­li­chen EU-Au­ßen­gren­zen auf­merk­sam. Sie fo­to­gra­fier­ten Ge­flüch­te­te in Bul­ga­ri­en, Grie­chen­land und der spa­ni­schen En­kla­ve Me­lil­la mit wei­ßen Kreu­zen in der Hand, die de­nen der Ber­li­ner Mau­er­op­fer äh­nel­ten.

Der gro­ße Bruch kam dann im Herbst 2015. Ich ar­bei­te­te in Flens­burg, und plötz­lich wur­de der Bahn­hof, der letz­te vor der dä­ni­schen Gren­ze, zu ei­nem Ma­te­ri­al­la­ger. Vie­le Freun­de von mir mis­te­ten ih­re Klei­der­schrän­ke aus, bo­ten So­fa­sch­laf­plät­ze an, ver­teil­ten Ja­cken und Müt­zen für die Rei­se nach Schwe­den. In­ner­halb we­ni­ger Ta­ge grün­de­te sich ein brei­tes Un­ter­stüt­zer­netz­werk, das die Ge­flüch­te­ten am Bahn­hof ver­sorg­te.

Ei­ne Freun­din or­ga­ni­sier­te Deutsch­kur­se und lern­te Ah­mad ken­nen, der uns zum Abend­es­sen ein­lud. Wir re­de­ten über Po­li­tik, Hip-Hop und Li­te­ra­tur, wir spiel­ten Kar­ten und merk­ten: Der ist ja wie wir! Er kommt aus Da­mas­kus, ei­ner Groß­stadt mit Tech­no­clubs und Stu­den­ten­sze­ne. End­lich konn­ten wir uns en­ga­gie­ren, end­lich wur­de ein Pro­blem greif­bar. Wie kann sich ei­ne Tra­gö­die nur so gut an­füh­len?

Die­ses stän­di­ge Re­den dar­über, was man tun müss­te, oh­ne je et­was ge­tan zu ha­ben „Aus­spä­hen un­ter Freun­den, das geht gar nicht“– ei­ne For­mu­lie­rung, so pas­siv, dass ich gäh­nen muss­te Ah­mad aber lob­te Mer­kel.

Sie sei ei­ne mu­ti­ge Frau und sei­ne Hel­din. Und wir staun­ten

Freun­de von mir, die sich höchs­tens beim BafögBe­an­tra­gen für Po­li­tik in­ter­es­sier­ten, stürz­ten sich be­geis­tert ins Asyl­recht, lern­ten die Ar­beits­wei­sen der Be­hör­den ken­nen, die Be­deu­tung von Ge­set­zen. Auf ein­mal bohr­ten Fra­gen: War­um darf ich in fast je­des Land der Welt rei­sen und Ah­mad nicht? War­um flüch­ten Men­schen aus Afri­ka? War­um se­hen die Gren­zen in den Her­kunfts­län­dern der Ge­flüch­te­ten aus wie mit dem Li­ne­al ge­zo­gen? War­um gibt es nach so vie­len west­li­chen In­ter­ven­tio­nen kei­nen Frie­den im Na­hen Os­ten? Die Fra­gen wa­ren na­tür­lich schon vor­her da. Men­schen wie Ah­mad brach­ten sie in mei­nen All­tag.

Aber Ah­mad schwärm­te. Frau Mer­kel ha­be sein Le­ben ge­ret­tet, sag­te er. Sie sei ei­ne mu­ti­ge Po­li­ti­ke­rin und in­spi­rie­re ihn. Und wir so: An­ge­la Mer­kel? Ei­ne Hel­din? Ei­ne ak­ti­ve Per­son?

Wir schaf­fen das, sag­te sie, und das ist ein wirk­lich net­ter Satz. Er gab das Le­bens­ge­fühl und die Hoff­nung ganz gut wie­der. Aber er be­inhal­tet kei­ne Po­li­cy. De­ren Feh­len mach­te sich seit­her deut­lich be­merk­bar. Und die Ge­wiss­hei­ten mei­ner Kind­heit ge­ra­ten ins Wan­ken.

Ver­gan­ge­nes Jahr mach­te ich ei­ne Fahr­rad­tour nach Dä­ne­mark. Die Stre­cke bin ich schon häu­fig ge­fah­ren, aber nun steht da die­ses Häu­schen ne­ben dem Wald­weg und zwei Po­li­zis­ten for­dern mei­nen Aus­weis.

Hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand äu­ßern sich meh­re­re Be­kann­te ge­nervt von ein­zel­nen Ge­flüch­te­ten. Und zum ers­ten Mal ken­ne ich je­man­den per­sön­lich, der vor den Ta­li­ban aus Af­gha­nis­tan ge­flo­hen ist, per­fekt deutsch spricht, sich an mei­ner Uni­ver­si­tät en­ga­giert und nun von ei­ner Ab­schie­bung be­droht ist. Und sich mit sei­nen deut­schen Freun­den fragt, wo­rin der Sinn von all­dem liegt. Tür­kisch­stäm­mi­ge Freun­de aus mei­ner Ober­schu­le pos­ten Vi­de­os, in de­nen Er­do­gan die Rück­be­sin­nung der Deutsch­tür­ken auf ih­re Wur­zeln be­schwört, an­de­re ner­ven mit Ver­schwö­rungs­theo­ri­en. Ich wür­de ger­ne mei­nen Mas­ter in En­g­land ma­chen. Kei­ne Ah­nung, ob das nach dem Br­ex­it so ein­fach mög­lich ist. Mei­ne Eu­ro-Sam­mel­map­pe ver­staubt auf dem Dach­bo­den. Po­li­ti­sche Ge­sprä­che in der WG-Kü­che ver­lau­fen im Kon­junk­tiv. Man läuft mit „Die Re­vo­lu­ti­on ha­ben wir uns an­ders vor­ge­stellt“-Beu­teln zur Uni.

Im Po­li­tikse­mi­nar wol­len wir wis­sen, wie die ma­gi­schen 70er und 80er Jah­re wa­ren. Frü­her war mehr, sagt der Do­zent. Frü­her war mehr, das sa­gen al­le, au­ßer mein Opa. Von den 68ern wa­ren wohl man­che auf Ba­li, beim Yo­ga, spiel­ten Sa­xo­fon, lern­ten Schwe­disch, fo­to­gra­fier­ten, mach­ten ei­ne Rand­grup­pen­sport­art – aber nicht al­les gleich­zei­tig! Wäh­rend des Wahl­kamp­fes pla­ne ich mein Eras­mus-Se­mes­ter, ge­he me­di­tie­ren, baue ein Kom­post­klo mit Ge­flüch­te­ten und dru­cke al­te Fo­tos aus.

Ich ha­be das Ge­fühl, wir ver­su­chen aus Angst vor noch mehr ge­sell­schaft­li­chem Aus­ein­an­der­drif­ten den un­ge­rech­ten Sta­tus quo zu ver­tei­di­gen, und ver­schie­ben ju­gend­li­che Uto­pi­en in die fer­ne Zu­kunft. Viel­leicht ist die­ses stän­di­ge Dis­ku­tie­ren aber auch bes­ser als das Blind-auf­die-Stra­ße-Ren­nen.

Auf je­den Fall zeig­te das En­ga­ge­ment in der Ge­flüch­te­ten­ar­beit das mas­si­ve Be­dürf­nis nach ge­sell­schaft­li­cher Par­ti­zi­pa­ti­on. 2015 öff­ne­te mei­ner Ge­ne­ra­ti­on die Au­gen. Die lang­sa­me, aber ste­ti­ge Ver­bes­se­rung der Welt, wie ich sie frü­her wahr­nahm, ist vor­bei. Oder gab es sie viel­leicht gar nicht?

Der Au­tor ist 22 Jah­re alt. Er lei­te­te die Ju­gend­re­dak­ti­on des Ta­ges­spie­gels und stu­diert nun Volks­wirt­schafts­leh­re und Po­li­tik­wis­sen­schaft in Lü­ne­burg.

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