Schie­ße­rei vor Rus­sen­dis­ko

Nach ei­nem Streit in Ho­hen­schön­hau­sen stirbt ein Mann auf of­fe­ner Stra­ße. Es gibt drei Ver­letz­te

Der Tagesspiegel - - BERLIN -

Es wird wohl ein Streit un­ter Kri­mi­nel­len ge­we­sen sein. Vor ei­ner Dis­ko im Lich­ten­ber­ger Orts­teil Ho­hen­schön­hau­sen zog Sonn­abend früh ein Mann ei­ne Waf­fe und schoss auf drei an­de­re Män­ner. Ei­ner starb, zwei wur­den schwer ver­letzt. Zahl­rei­che An­woh­ner rie­fen um 2.15 Uhr we­gen der lau­ten Schüs­se so­fort Po­li­zei und Feu­er­wehr, auch aus der Dis­ko her­aus wur­de mehr­fach der No­t­ruf ge­wählt. Der Schüt­ze wur­de fest­ge­nom­men. Auch er hat Ver­let­zun­gen und liegt im Kran­ken­haus. Ob er die Ver­let­zun­gen bei der Fest­nah­me er­litt oder zu­vor bei dem Streit, ist nach An­ga­ben aus dem Prä­si­di­um noch un­klar. Der Tat­ort an der Rib­nit­zer Stra­ße wur­de ab­ge­sperrt. Da­bei wur­de die Waf­fe un­ter ei­nem vor der Dis­ko ge­park­ten Au­to ge­fun­den.

Die Dis­ko „Co­zy Club“liegt in ei­nem Plat­ten­bau­ge­biet, ein­ge­zwängt zwi­schen zwei Su­per­märk­ten. Nach Po­li­zei­an­ga­ben sol­len die Män­ner sich zu­vor in der Dis­ko ge­strit­ten ha­ben, wor­um ist un­klar. Es soll sich um Gäs­te han­deln, nicht um An­ge­stell­te. Un­klar ist, ob die Män­ner noch Be­glei­ter hat­ten, die zur Tat­zeit im Club wa­ren. Die et­wa 60 Gäs­te konn­ten den Club nach der Tat über den Hin­ter­aus­gang ver­las­sen, al­le muss­ten ih­re Per­so­na­li­en nen­nen.

Zu­nächst war un­klar, wie vie­le Per­so­nen ge­schos­sen hat­ten, erst am Mor­gen stand fest, dass nur ei­ne Waf­fe ein­ge­setzt wur­de. Der­zeit wird die­se kri­mi­nal­tech­nisch un­ter­sucht. Ei­nen Be­zug zum Ro- cker­mi­lieu soll es nicht ge­ben. Der Co­zy Club wird fast aus­schließ­lich von Rus­sen be­sucht, wie An­woh­ner der Po­li­zei be­rich­te­ten, sol­len auch ei­ni­ge Al­ba­ner un­ter den Gäs­ten sein. Der Tat­ver­däch­ti­ge ist Rus­se, 33 Jah­re. Der To­te ist ein 37-jäh­ri­ger Ka­sa­che, die bei­den Ver­letz­ten sind ein 34-jäh­ri­ger Ukrai­ner und ein 41 Jah­re al­ter Tür­ke. Kei­ner ist in Le­bens­ge­fahr. Der In­ha­ber des Clubs ist of­fen­bar Tür­ke. Als nächs­tes dürf­te die Po­li­zei prü­fen, ob die Per­so­nen be­reits in der Ver­gan­gen­heit durch Straf­ta­ten auf­ge­fal­len sind.

Am Frei­tag­abend trat in dem Club die rus­si­sche Band „Biff­guyz“auf. Auf der Face­book-Sei­te des Clubs wird so ge­wor­ben: „Tau­che ein in die hei­ßes­te Nacht und die sty­lischs­te Par­ty!“Ge­ne­rell ist je­den Frei­tag und Sonn­abend in dem Club ei­ne „Rus­si­an Par­ty“an­ge­kün­digt, ei­ne Fla­sche Bier schlägt im Co­zy Club nur mit drei Eu­ro zu Bu­che.

Nach der Par­ty­nacht zu Sonn­abend er­mit­telt nun die 5. Mord­kom­mis­si­on.

Es wa­ren nicht die ers­ten Schüs­se vor ei­ner Ber­li­ner Dis­ko­thek. 2013war in Prenz­lau­er Berg vor dem So­da Club ein Tür­ste­her er­schos­sen wor­den. Die Po­li­zei hat­te da­mals nach der Tat Ge­rüch­te de­men­tiert, dass es ei­nen Be­zug zur Ro­cker­kri­mi­na­li­tät gibt. Spä­ter stell­te sich her­aus, dass es den sehr wohl gab. Denn zu­vor wa­ren Hells An­gels amEin­gang ab­ge­wie­sen wor­den, die Schüs­se soll­ten da­für ei­ne Ra­che sein. Im Pro­zess 2016 reich­ten die Be­wei­se ge­gen die drei an­ge­klag­ten Ro­cker aus dem Hells-An­gels-Um­feld nicht aus. Sie wur­den frei­ge­spro­chen.

Ne­ben Ro­ckern gel­ten Ban­den rus­si­scher, al­ba­ni­scher und ara­bi­scher Her­kunft zu den ak­tivs­ten Ak­teu­ren bei kri­mi­nel­len Ge­schäf­ten im Rot­licht- und Tür­ste­her­mi­lieu. „Es geht um­Macht, um­Re­vie­re für il­le­ga­le Ge­schäf­te“, hat­te Micha­el Böhl, Ber­li­ner Chef des Bun­des Deut­scher Kri­mi­nal­be­am­ter, kürz­lich nach ei­ner ähn­li­chen Tat ge­sagt: „Be­son­ders ge­fähr­lich ist, dass die Män­ner in der Öf­fent­lich­keit schie­ßen.“Be­kannt­lich hat­ten imRot­licht­mi­lieu ak­ti­ve Ara­ber 2015 am Oli­va­er Platz in Wil­mers­dorf auf Kon­kur­ren­ten ge­schos­sen und da­bei ei­ne un­be­tei­lig­te 62-Jäh­ri­ge ver­letzt.

Der Be­trei­ber des Co­zy Clubs sag­te am Te­le­fon, die Schie­ße­rei ha­be mit dem Club gar nichts zu tun, son­dern ha­be vor dem be­nach­bar­ten Dö­ner­la­den statt­ge­fun­den, die Be­tei­lig­ten sei­en nur in Rich­tung des Clubs weg­ge­lau­fen und hät­ten vor die­sem die Waf­fe weg­ge­wor­fen. Sie sei­en kei­ne Club­gäs­te ge­we­sen. Ob der Club am Sams­tag­abend öff­nen wür­de, konn­te der Be­trei­ber noch nicht sa­gen.

Fo­to: Paul Zinken/dpa

Ort des Schre­ckens. Po­li­zis­ten ste­hen am Sonn­abend vor dem Co­zy Club. Hier wur­de die Tat­waf­fe auf der Stra­ße ge­fun­den. Die Hin­ter­grün­de sind un­klar.

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