Auch in Rei­ni­cken­dorf gibt es Te­gel-Lieb­ha­ber

In der Ein­flug­schnei­se wohnt es sich laut, aber re­la­tiv güns­tig – so lan­ge der Air­port nicht schließt

Der Tagesspiegel - - VOLKSENTSC -

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Wer ist ei­gent­lich in Rei­ni­cken­dorf für die Of­fen­hal­tung von Te­gel? Na­tür­lich all je­ne, die den Flug­ha­fen be­ruf­lich oder pri­vat nut­zen, oh­ne un­ter sei­nen Nach­tei­len wie dem Flug­lärm zu lei­den. Al­so die Froh­nau­er, die Herms­dor­fer (ja, klar, es gibt sen­si­ble Aus­nah­men), Waid­manns­lust, Hei­li­gen­see – ei­gent­lich al­le, die nörd­lich des Flug­ha­fens le­ben. Nicht zu ver­ges­sen die Men­schen, die auf dem Flug­ha­fen ar­bei­ten oder in Un­ter­neh­men be­schäf­tigt sind, die den Flug­ha­fen be­lie­fern, egal, ob mit Wa­ren oder Di­enst­leis­tun­gen. Ih­re Zahl wird auf 10 000 ge­schätzt.

Vie­le von ih­nen fürch­ten, in Schö­ne­feld nicht mehr ge­braucht oder von an­de­ren Zu­lie­fe­rern ver­drängt zu wer­den. Und wer jetzt im Um­feld von TXL wohnt, hat ver­mut­lich we­nig Lust, we­gen des Jobs in den Süd­os­ten Ber­lins um­zu­zie­hen. Dass es al­les an­de­re als ein Ver­gnü­gen ist, zu Stoß­zei­ten über die Au­to­bahn Rich­tung Schö­ne­feld zu fah­ren, ha­ben au­ßer dem Se­nat al­le ge­merkt. Nicht um­sonst sa­gen vie­le Pla­ner heu­te schon, dass der BERwe­ni­ger an den zu klei­nen Flug­ka­pa­zi­tä­ten als an den ver­stopf­ten Zu­fahrts­we­gen schei­tern wird.

Es gibt aber auch vie­le Men­schen, die in Rei­ni­cken­dorf ge­ra­de­zu Angst vor ei­ner Schlie­ßung des Flug­ha­fens ha­ben. Vie­le von ih­nen le­ben in Rei­ni­cken­dorf-Ost, al­so rund um den Schä­fer­see und die Re­si­denz­stra­ße und an­lie­gen­de Ge­bie­te.

Wer es sich leis­ten konn­te, ist dort schon vor vie­len Jah­ren weg­ge­zo­gen oder hat sich gar nicht erst hier nie­der­ge­las­sen. Der An­teil der Be­woh­ner mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund ist re­la­tiv hoch, der Pro­zent­satz je­ner, die auf staat­li­che Hil­fe an­ge­wie­sen sind, auch. Ähn­li­ches gilt für al­le, die im Drei­eck le­ben, das durch die U-Bahn­li­nie 6, die S-Bahn­li­nie 25 und die Ol­len­hau­er­stra­ße ge­bil­det wird. An den Lärm ha­ben wir uns ge­wöhnt, hört man in Rei­ni­cken­dorf-Ost wie in Rei­ni­cken­dorf-West. Aber an dop­pelt so teu­re Woh­nun­gen könn­ten wir uns nicht ge­wöh­nen, dann müss­ten wir weg – aber wo­hin an­ge­sichts der hef­ti­gen Miet­stei­ge­run­gen in Ber­lin?

Die ers­ten, die das er­kannt ha­ben, wa­ren im Ja­nu­ar die Grü­nen. Be­reits im Mai 2014 hat­ten sie in der BVV ei­nen Be­schluss in­iti­iert, wo­nach das Be­zirks­amt gut­ach­ter­lich klä­ren soll, wo Mi­lieu­schutz­sat­zun­gen er­las­sen wer­den müss­ten, um ei­ne Ver­drän­gung so­zi­al schwa­cher Schich­ten zu ver­hin­dern. Im Ja­nu­ar 2017 er­neu­er­ten sie die For­de­rung, das Be­zirks­amt lässt das zur­zeit durch ei­ne Ein­woh­ner­be­fra­gung rund um den Schä­fer­see un­ter­su­chen. Glei­ches gilt für Rei­ni­cken­dorf-West. Da­mit ver­bun­den wä­re teils ei­ne Ve­rän­de­rungs­sper­re. Das be­deu­tet, dass zwar neu ge­baut wer­den kann, auch mit hö­her­wer­ti­gen Ob­jek­ten, dass aber vor­han­de­ne Miet­woh­nun­gen nicht in (teu­re) Ei­gen­tums­woh­nun­gen um­ge­wan­delt wer­den dür­fen. Ver­hin­dert wird so ei­ne Ver­drän­gung der an­ge­stamm­ten Be­völ­ke­rung, nicht aber der Zu­zug Bes­ser­ver­die­nen­der.

Fo­to: Ralf Hirsch­ber­ger/dpa

Te­gel dien­te Air Ber­lin seit je­her als Hei­mat­flug­ha­fen.

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