Ver­schmutz­te Luft

Der Tagesspiegel - - LESER MEINUNG -

Die Ein­gangs­fra­ge die­ses Ar­ti­kels, ob das Ur­teil des VG Stuttgart zum „Die­sel­fahr­ver­bot“ein gro­ßer Tag für die De­mo­kra­tie und das All­ge­mein­wohl war, kann man auch ver­nei­nen, aber mit ganz an­de­rer Be­grün­dung, als die bei­den Au­to­ren das wol­len. Ein gu­ter Tag für das All­ge­mein­wohl wird es wohl sein, wenn we­nigs­tens durch die Jus­tiz et­was ge­schieht, um die seit Jah­ren gel­ten­den „Grenz­wer­te“in die Pra­xis um­zu­set­zen.

Ein jäm­mer­li­cher Tag für den Zu­stand der De­mo­kra­tie und der Rechts­staat­lich­keit in Deutsch­land war es, weil das Ur­teil ver­deut­licht, wie sich Po­li­tik und Be­hör­den jah­re­lang um die An­wen­dung gel­ten­den Rechts ge­drückt ha­ben. Das Ge­richt schafft ja nicht neu­es Recht, son­dern wen­det nur – end­lich – be­ste­hen­de Ge­set­ze an. Voll­ends zur Far­ce ge­rät der Ar­ti­kel, wenn das jah­re­lan­ge En­ga­ge­ment der Deut­schen Um­welt­hil­fe als Be­frie­di­gung von „Par­ti­ku­lar­in­ter­es­sen“ab­qua­li­fi­ziert wer­den soll, weil die DUH nur „273 Mit­glie­der“hat. Mil­lio­nen von be­tro­ge­nen Au­to­käu­fern und -fah­rern und Mil­lio­nen in ih­rer Ge­sund­heit be- droh­te und ge­schä­dig­te An­woh­ner sind „Par­ti­ku­lar­in­ter­es­sen“? Der Ver­gleich, was wä­re, wenn der Bun­des­tag Ent­schei­dun­gen in der Um­welt­po­li­tik der DUH über­tra­gen wür­de, hinkt auf bei­den Bei­nen. Nicht die DUH hat in Stuttgart ent­schie­den, son­dern das Ge­richt, in An­wen­dung be­ste­hen­der Ge­set­ze. Trau­rig, wenn erst „klei­ne“NGO's über die Ge­rich­te ver­su­chen müs­sen, Po­li­tik und Be­hör­den zur Er­fül­lung ih­rer Pflich­ten zu ver­an­las­sen, näm­lich den Ge­set­zen zu ge­hor­chen und Scha­den von uns al­len ab­zu­wen­den. Ge­ra­de das Um­welt­recht ist voll von Bei­spie­len da­für. Der Sach­ver­stän­di­gen­rat für Um­welt­fra­gen spricht seit mehr als 20 Jah­ren vom „plan­mä­ßi­gen Um­set­zungs­de­fi­zit“. Von zwei Wis­sen­schaft­lern des aus Steu­er­gel­dern fi­nan­zier­ten WZB wür­de ich er­war­ten, dass sie sich über die zu­ta­ge tre­ten­den Pro­ble­me der Rechts­staat­lich­keit Ge­dan­ken ma­chen, an­statt Po­le­mi­ken wie z. B. „eli­tä­re Moral­un­ter­neh­mer“zu ver­zap­fen. Üb­ri­gens: ich ge­hö­re nicht zu den „273“Mit­glie­dern der DUH.

— Hu­bert Pomp­lun, Beet­zen­see­hei­de

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