Über­flüs­si­ge Un­ter­su­chun­gen

Der Tagesspiegel - - LESER MEINUNG -

Häu­fig wird an­ge­nom­men, die größ­te ap­pa­ra­ti­ve Aus­stat­tung bie­tet die best­mög­li­che Ver­sor­gung des Pa­ti­en­ten. So fährt z. B. die Feu­er­wehr mit sol­cher Be­grün­dung bei Un­fäl­len eher in die Cha­rité, Kli­ni­kum Ben­ja­min Fran­klin, als in nä­her ge­le­ge­ne klei­ne­re Kli­ni­ken. Was prag­ma­tisch er­scheint, dient je­doch nicht un­be­dingt dem Pa­ti­en­ten. Die im Ar­ti­kel er­wähn­te Ge­fahr, an we­nig er­fah­re­ne As­sis­tenz­ärz­te zu ge­ra­ten – die da­zu noch un­ter ho­hem Zeit- und Pro­fi­lie­rungs­druck ste­hen –, scheint mir an Uni­ver­si­täts­kli­ni­ken be­son­ders hoch.

Ein Bei­spiel: Nach ei­ner sturz­be­ding­ten Aus­ren­kung ei­nes El­len­bo­gens wur­de oh­ne wei­te­re Be­fra­gung und Auf­klä­rung des wa­chen Pa­ti­en­ten ein Ganz­kör­per-CT (die Strah­len­be­las­tung et­wa das 200-fa­che ei­ner Tho­rax-Rönt­gen­auf­nah­me) un­ter Kon­trast­mit­tel­ein­satz (Ne­ben­wir­kun­gen auf Schild­drü­se und Nie- ren) an ihm durch­ge­führt. Sein Pro­test da­ge­gen wur­de un­ter Hin­weis auf sei­ne vor­an­ge­gan­ge­ne Se­die­rung bei­sei­te ge­wischt. Was kann da ein Pa­ti­ent, ein­ge­schränkt durch die Not­fall­si­tua­ti­on, tun? Nach­träg­li­che Be­schwer­den än­dern nichts an mög­li­chen, durch die Über-Dia­gnos­tik her­vor­ge­ru­fe­nen Schä­den.

Zu­dem pral­len sie üb­li­cher­wei­se an mit me­di­zi­ni­schem Corps­geist ge­stal­te­ten Mau­ern ab. Ge­schil­der­tes fügt sich ein in die all­ge­mei­ne Ten­denz, das, was frü­her als ärzt­li­che Kunst galt, durch die Schein­ob­jek­ti­vi­tät von Tests und Ge­rä­ten zu er­set­zen, was ei­ge­ne Ver­ant­wor­tung re­du­ziert und ju­ris­ti­sche Ab­si­che­rung ver­spricht. Än­de­run­gen der Not­fall­pra­xis, wie im Ar­ti­kel von Herrn Wo­ratsch­ka an­ge­spro­chen, schei­nen mir da­her im Di­ens­te un­se­rer al­ler Ge­sund­heit als drin­gend not­wen­dig.

— Dr. G. Sch­woch, Ber­lin-Zeh­len­dorf

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