Was lan­ge währt

Of­fen­siv­mann Ond­rej Du­da ist nach schwe­ren Ver­let­zun­gen wie­der voll da. Er macht das Spiel von va­ria­bler – das könn­te sich in die­ser Sai­son noch aus­zah­len

Der Tagesspiegel - - SPORT - Von Chris­toph Dach

Han­no­ver führt die Ta­bel­le an, den Bay­ern ge­lingt ein über­zeu­gen­der Sieg und Her­tha setzt auf neu­es Per­so­nal

Ber­lin - Die Son­ne zeig­te in et­wa so viel Er­bar­men wie der Chef­trai­ner an der Sei­ten­li­nie: null­kom­ma­null. Für den drit­ten Trai­nings­la­ger­tag von Her­tha BSC im ös­ter­rei­chi­schen Schlad­ming hat­te Pal Dar­dai An­fang Au­gust ei­ne be­son­de­re Tor­tur für ei­nen jun­gen Mann er­son­nen, der bis da­hin weit hin­ter den Er­war­tun­gen zu­rück­ge­blie­ben war. Um al­so den Kampf­geist und die Wi­der­stands­fä­hig­keit des Ond­rej Du­da auf den Prüf­stand zu stel­len, ließ ihn sein Coach bei Tem­pe­ra­tu­ren um die 40 Grad Cel­si­us den Platz ver­mes­sen. Hoch, run­ter, hoch, run­ter, hoch, run­ter – fast ei­ne St­un­de lang ging das so, und es grenz­te an ein klei­nes Wun­der, dass Du­da die Übung über­stand, oh­ne sich da­bei zu über­ge­ben. „Ich woll­te se­hen, dass er auf die Zäh­ne beißt“, sag­te Dar­dai nach der Ein­heit, „und dass er sich rich­tig durch­beißt.“Hät­te Du­da früh­zei­tig ab­ge­bro­chen, wä­re es für sein Stan­ding im Team si­cher nicht för­der­lich ge­we­sen. Der Um­kehr­schluss be­saß al­ler­dings eben­so Gül­tig­keit.

Im Herbst 2017, gut sechs Wo­chen nach der Schlei­fe­rei von Schlad­ming, weiß der 22 Jah­re al­te Slo­wa­ke lang­sam aber si­cher, wo­für er sich im Som­mer ge­quält hat. Am Don­ners­tag­abend, beim tor­lo­sen Un­ent­schie­den der Ber­li­ner in der Eu­ro­pa Le­ague ge­gen Ath­le­tic Bil­bao, durf­te sich Du­da erst­mals seit sei­nem Wech­sel im Som­mer 2016 über 90 Mi­nu­ten in ei­nem Pflicht­spiel ver­din­gen – und er er­le­dig­te die Sa­che zur volls­ten Zuf­rie­den­heit sei­ner Vor­ge­setz­ten. „Es war ein rich­tig star­kes Spiel von ihm, man hat ge­nau ge­se­hen, wes­halb wir ihn zu uns ge­holt ha­ben“, sag­te Coach Dar­dai und zähl­te auf: „Krea­ti­vi­tät, tak­ti­sche Fä­hig­kei­ten, gu­tes Au­ge, Lauf­be­reit­schaft – ich ha­be al­les ge­se­hen.“

Du­da und an­de­re Spie­ler, die bei Her­tha zu­letzt nur Er­satz­spie­ler wa­ren, wer­den ge­braucht – jetzt, da das Team nicht nur in der Bun­des­li­ga, son­dern auch im DFB-Po­kal und eben im Eu­ro­pa­cup an­tritt. Du­da könn­te da­bei be­son­ders wich­tig wer­den, da er Hert­has zu­letzt oft schwa­che Of­fen­si­ve be­le­ben und we­ni­ger aus­re­chen­bar ma­chen kann. „Mit ihm sind wir va­ria­bler“, sagt Dar­dai.

Dar­auf ha­ben sie bei den Ber­li­nern von An­fang an ge­hofft, doch Du­da bringt ei­ne kom­pli­zier­te Vor­ge­schich­te in­klu­si­ve zwei­er schwer­wie­gen­der Ver­let­zun­gen mit. Seit dem Weg­gang von Le­gia War­schau vor 14 Mo­na­ten hat­te es der Mit­tel­feld­spie­ler ge­ra­de ein­mal auf zwei Ein­wechs­lun­gen in der Bun­des­li­ga ge­bracht – ge­mes­sen an sei­ner Ab­lö­se­sum­me von vier Mil­lio­nen Eu­ro kein über­zeu­gen­der Leis­tungs­nach­weis. Dann kam das Match ge­gen die Bas­ken. „Kör­per­lich füh­le ich mich fit. Ich brau­che die­se Spie­le in der Eu­ro­pa Le­ague und in der Bun­des­li­ga“, gab Du­da zu Pro­to­koll, „wenn ich mehr Spie­le ge­macht ha­be, kann ich auch ir­gend­wann mei­ne Top­form er­rei­chen.“

Trotz­dem könn­te sich Du­da beim Aus­wärts­spiel in Hof­fen­heim an die­sem Sonn­tag (13.30 Uhr/ li­ve bei Eu­ro­sport) zu­nächst nur auf der Er­satz­bank wie­der­fin­den. „Ich wer­de be­stimmt drei, vier fri­sche Spie­ler rein­brin­gen, die sich am Don­ners­tag aus­ru­hen konn­ten“, sagt Dar­dai. Dem Ver­neh­men nach dürf­ten Tor­hü­ter Ru­ne Jarstein, Ni­k­las Stark, Per Sk­jel­b­red und Ma­thew Le­ckie in Sins­heim in die ers­te Elf zu­rück­keh­ren.

Dar­dai folgt da­mit sei­ner of­fi­zi­el­len An­kün­di­gung, in den zahl­rei­chen eng­li­schen Wo­chen bis Weih­nach­ten und wo­mög­lich dar­über hin­aus auf er­höh­te Ro­ta­ti­on zu set­zen. „Wir müs­sen kon­se­quent und in­tel­li­gent mit der Si­tua­ti­on um­ge­hen, dass wir zum ers­ten Mal seit Jah­ren in­ter­na­tio­nal spie­len“, sagt der Trai­ner, „ich ha­be es in der Vor­be­rei­tung im­mer wie­der ge­sagt – jetzt spü­ren die Jungs auch, dass ich es mit der Ro­ta­ti­on ernst mei­ne.“

Wenn Tho­mas Kraft der er­klär­te Stamm­tor­hü­ter für die Eu­ro­pa Le­ague ist, war­um soll es Dar­dai auf an­de­ren Po­si­tio­nen nicht mit ei­nem ähn­li­chen Mo­dell ver­su­chen? Ge­gen Bil­bao litt die Sta­tik im Ber­li­ner Spiel trotz zahl­rei­cher Wech­sel of­fen­sicht­lich nicht; Au­to­ma­tis­men, Ab­stän­de und Ab­stim­mung zwi­schen den ein­zel­nen Mann­schafts­tei­len funk­tio­nier­ten.

Dar­dai ist in die­sen Ta­gen und Wo­chen auf ei­ne ge­wis­se Aus­wahl an Spie­lern an­ge­wie­sen, die auf ei­nem ähn­lich gu­ten Ni­veau spie­len kön­nen. Im Fall von Ond­rej Du­da will der Trai­ner aber dar­auf ach­ten, es nicht gleich zu über­trei­ben. „Er hat jetzt ein­mal 90 Mi­nu­ten ge­spielt. Jetzt müs­sen wir dar­auf ach­ten, dass er sich nicht gleich wie­der ka­putt­spielt“, sagt Dar­dai, „denn wir ha­ben al­le lang dar­an ge­ar­bei­tet, dass er in ei­nem kör­per­lich sehr gu­ten Zu­stand ist.“Auch der Trai­ner hat die schweiß­trei­ben­den Ein­hei­ten von Schlad­ming of­fen­bar nicht ver­ges­sen, ob­wohl er sei­ner­zeit die schat­ti­ge Sei­te des Plat­zes be­vor­zug­te, die Base­ball-Kap­pe mög­lichst tief ins Ge­sicht ge­zo­gen.

Ob mit Du­da oder oh­ne ihn – bei der TSG Hof­fen­heim war­tet an die­sem Sonn­tag ei­ne an­spruchs­vol­le Auf­ga­be auf die Ber­li­ner. „Es wird schwer“, sagt Dar­dai, „die ha­ben da ei­nen sehr, sehr gu­ten Trai­ner und ei­ne flei­ßi­ge Mann­schaft“. Nicht nur der jüngs­te Heim­sieg ge­gen den gro­ßen FC Bay­ern hat nach­hal­ti­gen Ein­druck in Fuß­ball-Deutsch­land hin­ter­las­sen, son­dern auch die Se­rie der Hof­fen­hei­mer: Seit nun­mehr 19 Be­geg­nun­gen sind sie im hei­mi­schen Sta­di­on un­ge­schla­gen.

Der Slo­wa­ke wech­sel­te im Som­mer 2016 aus War­schau nach Ber­lin

Fo­to: John Mac­dou­gall/AFP

In Eu­ro­pa ge­setzt. Ge­gen Ath­le­tic Bil­bao stand Ond­rej Du­da das ers­te Mal in Hert­has Start­elf und spiel­te gleich über die vol­le Dis­tanz. So könn­te Her­tha spie­len:

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