Auf der Su­che nach der Null

Der kas­siert zu vie­le Ge­gen­tref­fer und ist in der Zwei­ten Li­ga seit vier Spie­len sieg­los

Der Tagesspiegel - - SPORT -

1. FC UNI­ON

Ber­lin - Ei­ner im Sport weit ver­brei­te­ten Weis­heit zu­fol­ge ge­winnt die Of­fen­si­ve Spie­le und die De­fen­si­ve Meis­ter­schaf­ten. So ist es we­nig ver­wun­der­lich, dass dem 1. FC Uni­on der­zeit das ei­ne nicht ge­lingt und sich das an­de­re lang­sam wei­ter ent­fernt. Das 1:1-Un­ent­schie­den im Heim­spiel ge­gen Ein­tracht Braun­schweig am Frei­tag hat er­neut ge­zeigt, dass es bei Uni­on an bei­den En­den des Spiel­fel­des noch nicht rund läuft. Der Ber­li­ner Zweit­li­gist ist da­mit seit vier Spie­len oh­ne Sieg – viel zu lan­ge für die Auf­stiegs­am­bi­tio­nen der Mann­schaft von Trai­ner Jens Kel­ler.

Wie schon zu­vor ge­gen Nürn­berg, Bie­le­feld und Düs­sel­dorf hät­te Uni­on auch ge­gen Braun­schweig ge­win­nen kön­nen, wenn nicht müs­sen. Die Ber­li­ner mach- ten ein gu­tes Spiel, der Ein­satz war von Be­ginn an deut­lich bes­ser als zu­letzt und Tor­mög­lich­kei­ten wa­ren aus­rei­chend vor­han­den. Im Ab­schluss fehlt den Kö­pe­ni­ckern der­zeit aber oft das nö­ti­ge Quänt­chen Glück.

Et­wa als Mar­cel Har­tels Schuss ge­gen die Lat­te klatsch­te oder Se­bas­ti­an Pol­ter nach ei­ner gu­ten Flan­ke von Ste­ven Skrzyb­ski am Braun­schwei­ger Tor­wart schei­ter­te. „Wir müs­sen un­se­re Mög­lich­kei­ten kon­se­quen­ter nut­zen“, sagt Ka­pi­tän Fe­lix Kross. Ab­wehr­chef To­ni Leist­ner sieht es eher po­si­tiv. „Das macht mir Mut für die nächs­ten Spie­le, wenn ich se­he, dass wir da vor­ne so vie­le Chan­cen her­aus­spie­len.“

Mit elf To­ren nach sechs Spie­len steht Uni­on trotz ei­ni­ger ver­ge­be­ner Chan­cen of­fen­siv or­dent­lich da. Das lässt sich von der De­fen­si­ve nicht sa­gen. Zehn Ge­gen­tref­fer hat Tor­wart Ja­kob Busk schon kas­siert, mehr muss­te nur der MSV Duis­burg hin­neh­men. „Wir kön­nen mo­men- tan nicht zu Null spie­len“, stellt Leist­ner fest. Wett­be­werbs­über­grei­fend ist es Uni­on seit nun­mehr sechs Spie­len nicht mehr ge­lun­gen, oh­ne Ge­gen­tor zu blei­ben. In der stärks­ten Pha­se der ver­gan­ge­nen Sai­son, als Uni­on in den ers­ten acht Rück­run­den­spie­len un­ge­schla­gen blieb und die Ta­bel­len­füh­rung über­nahm, war die De­fen­si­ve noch die gro­ße Stär­ke der Ber­li­ner. Zwi­schen Ja­nu­ar und En­de März spiel­te Uni­on vier­mal zu Null und ge­wann aus ei­ner so­li­den Ab­wehr her­aus auch en­ge Du­el­le.

Die ak­tu­el­len Pro­ble­me nur bei der Ab­wehr zu su­chen, greift je­doch zu kurz. Über wei­te Stre­cken ver­tei­digt Uni­on gut und dis­zi­pli­niert. Zwar fehlt mit Marc Tor­re­jon der etat­mä­ßi­ge Part­ner von Leist­ner in der In­nen­ver­tei­di­gung we­gen ei­ner Wa­den­ver­let­zung, dar­an al­lein will Kel­ler die punk­tu­el­len Schwä­chen in der Rück­wärts­be­we­gung aber nicht fest­ma­chen. „Wir ha­ben ei­nen gu­ten, brei­ten Ka­der, da hängt es nicht von ei­nem Spie­ler ab“, sagt Kel­ler.

Zu­mal der Ge­gen­tref­fer ge­gen die Braun­schwei­ger aus ei­ner lan­gen Feh­ler­ket­te und nicht aus ei­nem in­di­vi­du­el­len Aus­set­zer re­sul­tier­te. Nach ei­nem ei­ge­nen Stan­dard lie­ßen sich die Ber­li­ner aus­kon­tern und ver­pass­ten es mehr­fach, den Ge­gen­an­griff zu un­ter­bin­den. „Wir sind in der geg­ne­ri­schen Hälf­te drei ge­gen eins in Über­zahl und ge­win­nen den Zwei­kampf nicht“, är­gert sich Kel­ler. Da­nach be­kam Uni­on auf­grund ei­ner schlech­ten Staf­fe­lung im Mit­tel­feld kei­nen Zu­griff mehr auf den Ball. Als Salim Khe­li­fi auf der lin­ken Sei­te in den Straf­raum ein­drang, agier­te Chris­to­pher Trim­mel zu zö­ger­lich und in der Mit­te ver­lor Mar­cel Har­tel Tor­schüt­ze Christof­fer Ny­man aus den Au­gen. „Den Kon­ter müs­sen wir ir­gend­wie un­ter­bin­den“, sagt Kroos. „So ein Ge­gen­tor darf uns nicht pas­sie­ren.“

Es sind mo­men­tan nicht die gro­ßen in­di­vi­du­el­len Feh­ler, die Uni­on Ge­gen­to­re und wich­ti­ge Punk­te kos­ten, son­dern klei­ne De­tails, die feh­len: ein tak­ti­sches Foul zur rich­ti­gen Zeit, die Ab­si­che­rung in der ei­ge­nen Vor­wärts­be­we­gung oder die Re­ak­ti­ons­schnel­lig­keit bei zwei­ten Bäl­len. „Wir ha­ben nicht vie­le Chan­cen zu­ge­las­sen“, sagt Leist­ner. Das stimmt zwar, mit der letz­ten Ak­ti­on des Spiels muss­te Uni­on nach ei­nem Frei­stoß aber fast noch das 1:2 hin­neh­men. Zwi­schen Leist­ner und Kris­ti­an Pe­der­sen kam Gus­tav Vals­vik aus sechs Me­tern mit dem Kopf an den Ball und ver­pass­te das Tor nur um we­ni­ge Zen­ti­me­ter.

Viel Zeit, um an den Pro­ble­men in der Rück­wärts­be­we­gung zu ar­bei­ten, hat Kel­ler nicht. Schon am Di­ens­tag ist Uni­on beim gut ge­star­te­ten SV Sand­hau­sen zu Gast. „Aus Si­tua­tio­nen wie beim Ge­gen­tor müs­sen wir ler­nen“, for­dert Kel­ler. Viel­leicht steht dann de­fen­siv auch mal wie­der die Null.

Fo­to: Hil­se/dpa

Zum Schrei­en. Ja­kob Busk muss­te schon zehn Ge­gen­to­re hin­neh­men.

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