Me­lan­cho­lie ei­nes Coun­try­songs

Der US-Schau­spie­ler Har­ry De­an Stan­ton ist tot

Der Tagesspiegel - - KULTUR -

Er kam aus der Wüs­te, mit staub­be­deck­tem Ge­sicht, er wuss­te nicht, wie er heißt, wer er ist. Ein Mann oh­ne Ge­dächt­nis, ein Ir­ren­der, ein Ver­lo­re­ner, ein An­ti­held mit ro­tem Ba­se­cap zu den Gi­tar­ren­klän­gen von Ry Coo­ders De­sert Rock. Har­ry De­an Stan­ton tauch­te aus dem Nichts auf, 1984 in „Pa­ris Te­xas“von WimWen­ders, je­den­falls fürs eu­ro­päi­sche Pu­bli­kum. Das Road­mo­vie ge­wann in Can­nes die Gol­de­ne Pal­me, der Mann, den sie im Film bald Tra­vis nen­nen, blieb den­noch ei­ne der we­ni­gen Haupt­rol­len von Har­ry De­an Stan­ton.

In Ame­ri­ka hat­te sich der schweig­sa­me Schau­spie­ler mit der ha­ge­ren Gestalt und dem zer­furch­ten Ge­sicht schon seit den fünf­zi­ger Jah­ren mit Ne­ben­rol­len ei­nen Na­men ge­macht, bis zu­letzt in rund 250 Fil­men, vor­zugs­wei­se in Wes­tern und Gangs­ter­fil­men. In Fran­cis Ford Cop­po­las „Pa­te 2“ver­kör­per­te er ei­nen FBI- Mann, in Mar­tin Scor­se­ses „Die letz­te Ver­su­chung Chris­ti“von 1988 den zwei­feln­den Pau­lus, Ein­zel­gän­ger, Au­ßen­sei­ter, im­mer wie­der.

Cool, fra­gil, nie ganz von die­ser Welt: Vor der Ka­me­ra des Sur­rea­lis­ten Da­vid Lynch stand er mehr­fach, als Pri­vat­de­tek­tiv in „Wild at He­art“, im Mys­te­ry-Thril­ler „In­land Em­pi­re“und in der „Twin Peaks“Se­rie. Ei­ne letz­te, be­we­gen­de Haupt­rol­le war dem 1926 in West Ir­vi­ne, Ken­tu­cky, ge­bo­re­nen Cha­rak­ter­dar­stel­ler und Hob­by-Mu­si­ker (Ge­sang, Gi­tar­re) schließ­lich auch noch ver­gönnt. In „Lu­cky“, dem Re­gie­de­büt des (nicht mit Da­vid Lynch ver­wand­ten) Schau­spie­lers John Car­roll Lynch spielt er die Ti­tel­fi­gur, ei­nen al­ten Mann, der an der me­xi­ka­ni­schen Gren­ze

Har­ry De­an Stan­ton

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