Schwie­ri­ges Ter­rain

Der Tagesspiegel - - FRAGEN DES TAGES -

Im Fern­se­hen auf­tre­ten, In­ter­views ge­ben, am In­fo­stand mit Bür­gern spre­chen: In den Ta­gen vor der Wahl wid­men die Spit­zen­po­li­ti­ker der Par­tei­en je­de Mi­nu­te dem Wahl­kampf. Doch die Spit­zen­kan­di­da­tin der AfD in Nie­der­sach­sen muss­te sich in die­ser hei­ßen Pha­se mit ih­rer ei­ge­nen Par­tei her­um­schla­gen. Ver­gan­ge­ne Wo­che wur­de Da­na Guth von ih­rer AfDFrak­ti­on im Göt­tin­ger Kreis­tag aus­ge­schlos­sen. Guth sei ein Al­pha­tier und recht­ha­be­risch, hieß es zur Be­grün­dung. Die 47-Jäh­ri­ge klag­te zwar zu­nächst er­folg­reich ge­gen den Aus­schluss – ge­brau­chen konn­te sie die­sen Schien­bein­tritt aus den ei­ge­nen Rei­hen al­ler­dings nicht.

Die AfD steht in Nie­der­sach­sen der­zeit bei sie­ben bis acht Pro­zent. Be­reits bei der Bun­des­tags­wahl hat­te die Par­tei mit neun Pro­zent weit hin­ter dem bun­des­wei­ten Er­geb­nis von 12,6 Pro­zent ge­le­gen. Nun könn­te die AfD noch ein­mal schlech­ter ab­schnei­den. Woran liegt es, dass die Par­tei zwi­schen Nord­see und Harz so we­ni­ge Stim­men holt?

Auf den ers­ten Blick ist es ein­fach, dies mit den in­ner­par­tei­li­chen Strei­tig­kei­ten zu er­klä­ren. Im nie­der­säch­si­schen Lan­des­ver­band sind die Grä­ben in­ner­halb der AfD so tief wie kaum ir­gend­wo an­ders. Das zeigt sich nicht erst bei Da­na Guth. Die Geg­ner von Lan­des­chef Ar­min Paul Ham­pel kla­gen über Mob­bing. Ge­kämpft wird mit har­ten Ban­da­gen. Zu­letzt wur­de Ham­pels Pri­vat­haus von der Staats­an­walt­schaft durch­sucht, weil ihn ein ehe­ma­li­ges AfD-Mit­glied an­ge­zeigt hat­te. Der Vor­wurf: Be­trug. Er ha­be sich auf Kos­ten der Par­tei be­rei­chert. Die Er­mitt­lun­gen sind mitt­ler­wei­le ein­ge­stellt.

Bei der Bun­des­tags­wahl hät­te die AfD bei­na­he nicht an­tre­ten kön­nen, weil je­mand den Brief mit den Wahl­un­ter­la­gen auf dem Weg zur Lan­des­wahl­lei­te­rin ab­ge­fan­gen und ein ge­fälsch­tes Schrei­ben zu­rück­ge­schickt hat­te – so zu­min­dest die Ver­si­on der AfD.

Der Braun­schwei­ger Po­li­to­lo­ge Nils Ban­de­low sieht je­doch noch an­de­re Grün­de für den AfD-Hän­ger in Nie­der­sach­sen. „Bei der Bun­des­tags­wahl ha­ben wir ge­se­hen, dass ei­ne Mehr­heit die AfD aus Pro­test wählt. Den Men­schen in Nie­der­sach­sen geht es aber trotz VW-Kri­se re­la­tiv gut.“Mo­ti­ve für ei­ne Pro­test­wahl ge­be es vor al­lem in so­zia­len Brenn­punk­ten. Das gel­te et­wa für Salz­git­ter. Dort dür­fen sich künf­tig selbst an­er­kann­te Flücht­lin­ge nicht mehr nie­der­las­sen, weil die Stadt von ei­ner „au­ßer­ge­wöhn­lich ho­hen Zu­wan­de­rung“be­trof­fen sei, wie das Lan­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um mit­teil­te. Salz­git­ter ist ei­ne der Hoch­bur­gen der AfD. In an­de­ren nie­der­säch­si­schen Groß­städ­ten kann sie aber kaum Fuß fas­sen.

Es scha­det der AfD, dass die Volks­par­tei­en in Nie­der­sach­sen stark sind. Wäh­rend die SPD vor al­lem in den Städ­ten gro­ßen Zu­spruch er­fah­re, sei die CDU be­son­ders in den länd­li­chen Ge­gen­den stark ver­an­kert, er­klärt Ban­de­low. Das hat auch Lan­des­chef Ham­pel er­kannt. Auf die mau­en Um­fra­ge­wer­te an­ge­spro­chen, sag­te er der „Zeit“: Von Ost­west­fa­len bis Schles­wig-Hol­stein ge­be es ei­nen Land­strich, „in dem die Bin­dung an die Alt­par­tei­en noch stär­ker ist. Die Nie­der­sach­sen hei­ra­ten in der Re­gel nur ein­mal. Das ist sym­pa­thisch, aber schlecht für uns.“

Auf dem Land gibt es vor al­lem im Nor­den an der Küs­te ein star­kes Ge­mein­schafts­ge­fühl. Flücht­lin­ge wur­den dort in der Lo­kal­zei­tung gleich als neue Nach­barn vor­ge­stellt, um Vor­ur­tei­len ent­ge­gen­zu­wir­ken.

Das AfD-Kern­the­ma Mi­gra­ti­on spiel­te im Wahl­kampf ins­ge­samt nur ei­ne un­ter­ge­ord­ne­te Rol­le. 22 Pro­zent ga­ben es laut ZDF-Po­lit­ba­ro­me­ter als wich­ti­ges The­ma an. Weit wich­ti­ger für 36 Pro­zent: Bil­dung und Schu­le.

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