Sie wer­den plat­ziert

Nor­bert Lam­mert ver­weist die FDP im neu­en Bun­des­tag ne­ben die AfD

Der Tagesspiegel - - POLITIK -

Ber­lin - Der Prä­si­dent hat ent­schie­den, und die FDP hat sich mur­rend ge­beugt: Nix ist mit dem ge­wünsch­ten Platz in der Mit­te, die Frei­de­mo­kra­ten sit­zen im Reichs­tag auf der rech­ten Sei­te zwi­schen AfD und CDU/CSU. So hat es Nor­bert Lam­mert in der Sit­zung des Vor-Äl­tes­ten­rats am Frei­tag ver­fügt. For­mal gilt das Dik­tum nur für die ers­te Sit­zung am 24. Ok­to­ber, und FDP-Frak­ti­ons­ge­schäfts­füh­rer Mar­co Bu­sch­mann gab pflicht­schul­digst zu Pro­to­koll, dass spä­ter ei­ne Mehr­heit für ei­ne an­de­re Lö­sung mög­lich blei­be. Aber die gab es ja ge­ra­de nicht. Au­ßer­dem sind Sitz­ord­nun­gen von Na­tur aus sta­bil – wer will schon dau­ernd Stüh­le um­schrau­ben?

Die FDP bleibt al­so auf ih­rem an­ge­stamm­ten Platz. 1949 hat­ten die Frei­de­mo­kra­ten ge­gen die Rechts­plat­zie­rung kei­ne Ein­wän­de er­ho­ben. Die Par­tei, die an­fangs vie­le Alt­na­zis an­zog, sah sich selbst als na­tio­nal­li­be­ral. Das hat sich ge­än­dert. Aber zwei Par­tei­en ha­ben et­was da­ge­gen, dass Chris­ti­an Lind­ners Trup­pe sich sym­bo­lisch als Welt­kind in der Mit­te plat­ziert. Die ei­ne ist die CDU, die „Die Mit­te“zum Par­teislo­gan und An­spruch er­ho­ben hat. Bei den an­de­ren, den Grü­nen, geht es auch um­his­to­ri­sche Selbst­be­haup­tung. Sie hat­ten sich den Platz in der Mit­te als Neu­lin­ge im Bon­ner Bun­des­haus 1983 er­kämpft. Ihr ers­ter Ver­bün­de­ter war Uni­ons­frak­ti­ons­ge­schäfts­füh­rer Wolf­gang Schäu­b­le. Doch die CSU leg­te ein Ve­to ein. Sie woll­te die selbst ge­strick­te Zau­sel­trup­pe links­au­ßen ho­cken se­hen. Das lehn­te wie­der die SPD strikt ab, sinn­ge­mäß Franz Jo­sef Strauß zi­tie­rend: Links von den So­zi­al­de­mo­kra­ten, fan­den Wil­ly Brandt und Hans-Jo­chen Vo­gel, sei kein Platz für an­de­re Par­tei­en.

Den Platz in der Mit­te er­zwang sich die Öko-Trup­pe erst mit der Dro­hung, dann eben im Plenar­saal rum­zu­ste­hen – und mit Hel­mut Kohls Für­spra­che, der in sei­ner Frak­ti­on um Rück­sicht auf die See­len­la­ge der ge­ra­de aus der Macht ver­dräng­ten So­zi­al­de­mo­kra­ten warb.

Ent­schie­den wur­de am Frei­tag auch ei­ne zwei­te Plenar­sitz­fra­ge: Grü­ne und Lin­ke krie­gen nur je ei­nen Tisch mit Te­le­fon in der ers­ten Rei­he. Dass aus­ge­rech­net die zwei Par­tei­en mit kla­rer Flü­gel- Quo­tie­rung der Platz­not im größ­ten Par­la­ment der Nach­kriegs­ge­schich­te Op­fer brin­gen müs­sen, hat sei­ne ei­ge­ne Iro­nie. Aber sie sind nun mal die kleins­ten un­ter den klei­ne­ren Frak­tio­nen. AmEn­de­stimm­ten ih­re Frak­ti­ons­ma­na­ger ge­nau so wie die FDP der Re­ge­lung zu.

Sie ta­ten es auch aus Man­gel an Al­ter­na­ti­ven. Dass ein Platz ganz vor­ne nicht ein­klag­bar ist, hat­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt schon 1989 dem frak­ti­ons­lo­sen Ex-Grü­nen Tho­mas Wüp­pe­sahl be­schei­nigt. Und dass Lam­mert im Zwei­fel ent­schei­den darf, hat ihm der Wis­sen­schaft­li­che Di­enst be­stä­tigt: Streng ge­nom­men sei der Alt-Prä­si­dent nicht mehr im Amt, aber nach ei­ner Art „Ver­fas­sungs­ge­wohn­heits­recht“eben doch.

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