Irak be­ginnt mit Of­fen­si­ve ge­gen Kur­den

Au­to­no­mie­re­gie­rung will sich ver­tei­di­gen

Der Tagesspiegel - - POLITIK -

Kir­kuk - Die ira­ki­sche Ar­mee hat am Frei­tag ei­ne Mi­li­tär­of­fen­si­ve ge­gen kur­di­sche Stel­lun­gen in der Pro­vinz Kir­kuk im Nord­irak ge­star­tet. Ziel der Streit­kräf­te sei die Rück­ge­win­nung von Mi­li­tärstel­lun­gen, die sie vor drei Jah­ren an die kur­di­schen Pe­schmer­ga-Streit­kräf­te ver­lo­ren hät­ten, sag­te ein ira­ki­scher Ge­ne­ral der Nach­rich­ten­agen­tur AFP. Iraks Mi­li­tär­füh­rung da­ge­gen wies Be­rich­te über den Be­ginn ei­ner Ope­ra­ti­on zu­rück. Die Ein­hei­ten sei­en wei­ter­hin da­bei, von der IS-Ter­ror­mi­liz be­frei­tes Ge­biet zu säu­bern und zu durch­käm­men, hieß es am Frei­tag in ei­ner Er­klä­rung. In Er­war­tung ei­nes An­griffs hat­te die kur­di­sche Au­to­no­mie­re­gie­rung zu­vor ih­re Kämp­fer in Ge­fechts­be­reit­schaft ver­setzt und ei­ne „Ver­tei­di­gung um je­den Preis“an­ge­kün­digt.

Die ira­ki­schen Trup­pen sam­mel­ten sich dem Ge­ne­ral zu­fol­ge süd­west­lich von Kir­kuk und stie­ßen von dort in an­de­re Ge­bie­te der Pro­vinz vor, wie ein Ge­ne­ral sag­te. Am Frei­tag­mor­gen sei be­reits ein Mi­li­tär­pos­ten der kur­di­schen Pe­schmer­ga-Kämp­fer west­lich der Stadt ein­ge­nom­men wor­den. An der Of­fen­si­ve sei­en auch Eli­te­ein­hei­ten der Po­li­zei und die Mi­liz Ha­sched al Schaa­bi (Volks­mo­bi­li­sie­rungs­ein­hei­ten) be­tei­ligt; den pa­ra­mi­li­tä­ri­schen Ver­bund do­mi­nie­ren vom Iran un­ter­stütz­te schii­ti­sche Mi­li­zen.

Ein Be­ra­ter von Kur­den­prä­si­dent Mas­sud Bar­sa­ni hat­te kurz vor Be­ginn der Of­fen­si­ve er­klärt, Tau­sen­de schwer be­waff­ne­ter Pe­schmer­ga-Kämp­fer sei­en in Ge­fechts­be­reit­schaft. „Sie ha­ben die Ver­tei­di­gung um je­den Preis zum Be­fehl“, er­klär­te Prä­si­den­ten­be­ra­ter He­min Ha­wra­mi. „Die Es­ka­la­ti­on ging nicht von uns aus, wir ver­tei­di­gen uns le­dig­lich.“

Die öl­rei­che Pro­vinz Kir­kuk ist schon lan­ge ein Kon­flikt­punkt zwi­schen Kur­den und ira­ki­scher Zen­tral­re­gie­rung, bei­de Sei­ten er­he­ben An­spruch auf sie. Der An­griff der ira­ki­schen Streit­kräf­te er­folg­te drei Wo­chen nach de­mUn­ab­hän­gig­keits­re­fe­ren­dum der Kur­den im Nord­irak, in dem sich nach kur­di­schen An­ga­ben fast 93 Pro­zent für die Los­lö­sung ih­rer Re­gi­on vom Irak aus­ge­spro­chen hat­ten. In­ter­na­tio­nal wird das Vo­tum nicht an­er­kannt, die Zen­tral­re­gie­rung in Bag­dad wer­te­te es als Pro­vo­ka­ti­on. Be­reits am Don­ners­tag hat­ten kur­di­sche Si­cher­heits­kräf­te in Er­war­tung ei­ner be­vor­ste­hen­den Of­fen­si­ve der ira­ki­schen Ar­mee und ih­rer Mi­li­zen stun­den­lang ei­ne wich­ti­ge Über­land­stra­ße blo­ckiert. Iraks Mi­nis­ter­prä­si­dent Hai­der al Aba­di de­men­tier­te aber ei­ne In­ter­ven­ti­ons­ab­sicht. AFP

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